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Indien : Die Apotheke der Welt öffnet ihre Tür

  • -Aktualisiert am

In der indischen Stadt Ahmedabad nimmt ein Arzt einen Abstrich von einem möglicherweise erkrankten Patienten. Bild: Reuters

Nach den Drohungen des amerikanischen Präsidenten exportiert Indien nun doch wichtige Corona-Medikamente an bedürftige Länder. Die Tür zur Apotheke der Welt ist aber nur einen Spalt breit geöffnet.

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          Indien reagiert auf das Machtwort von Donald Trump: Nachdem der amerikanische Präsident „Vergeltung“ angedroht hatte, gibt die Regierung nun doch die Ausfuhr für die in der Corona-Krise lebensrettenden Medikamente Paracetamol und Hydroxychloroquin frei. Paracetamol senkt Fieber, auf dem altbekannten Malariamittel ruhen Hoffnungen im Kampf gegen das Virus.

          Indien hatte zuvor den Export beider Medikamente gestoppt, um die erwartete hohe Rate an Infizierten im eigenen Land abdecken zu können. Nur für humanitäre Hilfe und bereits vorbestellte und bezahlte Ware gab es eine Ausnahme. Bis heute sind offiziell 4421 Corona-Kranke auf dem Subkontinent erfasst.

          Sturm der Entrüstung

          Die lauteste Forderung nach diesen Medikamenten kam in den vergangenen Tagen aus dem vom Virus besonders geplagten Amerika. Am Wochenende hatte Trump den indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi am Telefon noch vor einem Lieferstopp gewarnt. Am Montag drohte der amerikanische Präsident dann öffentlich mit „Vergeltung“, kämen die Medikamente nicht: „Wenn er die Ausfuhr nicht erlaubt, wäre das okay. Aber natürlich könnte es dann Vergeltungsmaßnahmen geben. Wieso auch nicht?“, so Trump. Dies führte in den sozialen Medien in Indien zu einem Sturm der Entrüstung.

          Nun will Indien die Basismedikamente zur Behandlung des Covid-19 Virus „wieder an davon schwer betroffene Länder ausführen“, sagte der Außenminister. „In Hinsicht auf den humanitären Aspekt der Pandemie wurde in Indien beschlossen, Paracetamol und Hydroxychloroquin in angemessener Menge an alle Nachbarländer, die abhängig von  unserer Produktion sind, zu lizenzieren“, hieß es im Ministerium. „Wir werden diese essentiellen Medikamente auch einigen Nationen zur Verfügung stellen, die von der Pandemie stark betroffen sind.“

          Preissteigerungen auf dem Markt

          Amerika erwähnte er nicht eigens. Doch sind die Amerikaner in extremem Maße von Indien abhängig: Im vorvergangenen Jahr standen die Lieferungen vom Subkontinent für rund ein Viertel aller Medikamente in den Vereinigten Staaten und fast ein Drittel aller Inhaltsstoffe.

          Aus Furcht vor den Folgen der Infektion hatte der weltweit führende Hersteller von Nachahmer-Medikamenten die Ausfuhr von 26 Stoffen und den aus ihnen produzierten Medikamenten Anfang März untersagt.  Einer der Hintergründe für die Entscheidung ist die starke Abhängigkeit Indiens von Chinas Zulieferungen: Rund 70 Prozent der Inhaltsstoffe, die Indiens Generika-Hersteller nutzen, stammen von dort. Vor der Entscheidung der Inder aber hatten mehrere Hersteller in der heraufziehenden Corona-Krise in Wuhan und Hubei geschlossen, oder ihren Ausstoß verringern müssen. Durch die Einschränkung der Arbeit dort konnten indische Produzenten ihren Produktion dann nicht mehr garantieren.

          Die gesamte Liste der unter Bann gestellten Medikamente umfasst rund ein Zehntel des indischen Pharma-Exports. Die Analysten von Oxford Economics warnen, dass schon jetzt Preissteigerungen im Markt zu spüren seien. Der indische Rat für die Förderung des Pharmaexports Indiens (Pharmexcil) unter dem Dach des Handelsministeriums warnte damals, der Ausfuhrbann könne den Ruf Indiens als „Apotheke der Welt“ schädigen.

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