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: In Salzburg ist Porsche eine leise Macht

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ZELL AM SEE, 13. Juli. Salzburg ist die Mozartmetropole. Salzburg ist aber auch die Stadt von Porsche. Hier hat die Porsche Holding GmbH ihren Sitz: eines der größten Privatunternehmen Österreichs und nicht zu verwechseln mit der Porsche Holding SE.

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          ZELL AM SEE, 13. Juli. Salzburg ist die Mozartmetropole. Salzburg ist aber auch die Stadt von Porsche. Hier hat die Porsche Holding GmbH ihren Sitz: eines der größten Privatunternehmen Österreichs und nicht zu verwechseln mit der Porsche Holding SE. Mit dem Sportwagenbauer in Stuttgart hat es nur die gleichen Gesellschafterfamilien Porsche und Piëch gemeinsam.

          Die österreichische Porsche Holding wurde 1947 von den Geschwistern Louise Piëch und Ferry Porsche in Gmünd in Kärnten gegründet, wo auch der erste Porsche-Sportwagen entstand. Mit der Verlegung des Firmensitzes nach Salzburg gab es unter der stets gemeinsamen Geschäftsleitung der Geschwister eine Arbeitsteilung. Das Autohandelsgeschäft war die Spielwiese von Louise Piëch, der Sportwagenbau in Stuttgart jene von Ferry Porsche. Entschieden wurde aber immer gemeinsam. So fühlen sich wohl auch die heutigen Familienstämme emotional der einen oder anderen Seite stärker zugeneigt, obwohl die wechselseitige Verschränkung weiterhin gilt. Nur einmal stieg ein Piëch in Stuttgart aus, und das Unternehmen sprang ein. Seither gibt es in Stuttgart einen kleinen Porsche-Überhang.

          Von der österreichischen Porsche-Holding hört man normalerweise wenig. Das Unternehmen tritt leise auf, wie auch die Mitglieder des Clans, die die Öffentlichkeit lieber meiden. Einige haben im Land Salzburg Wohnsitze. Dazu gehört das Schüttgut, der Stammsitz im Ortsteil Schüttdorf in Zell am See.

          Die Familien Porsche und Piëch sind aber auch außerhalb des Autohandels eine maßgebliche Größe im Wirtschaftsgeschehen Salzburgs. Gerne mischen sie im Tourismus mit. Die Schmittenhöhebahn, die zum gleichnamigen Hausberg von Zell am See führt, gehört ihnen fast zur Hälfte. Ebenso besitzt der Clan den Flughafen Zell. An der Molkerei Maishofen hat sich ein Familienmitglied beteiligt.

          Über den Großgrundbesitz ist der Pinzgau - wie der Bezirk des Luftkurorts Zell am See umgangssprachlich genannt wird - praktisch Hoheitsgebiet der fünf Dutzend Mitglieder umfassenden Traditionsfamilie. Dazu zählen Hotellerie- und Restaurantbetriebe wie das Schloss Prielau, das früher dem Dichter Hugo von Hofmannsthal gehörte. Ebenso stehen der Erlhof samt Seevilla, das Peilgut auf der Areit und die Areitalm in den Händen der Angehörigen. Auf Schloss Heuberg im Ortsteil St. Georgen, einem alten Adelsgut, nahe an der Großglocknerstraße, wohnt Ferdinand Alexander Porsche. Dieser Einfluss ist ein Grund, warum sich kaum jemand öffentlich zum Familienzwist äußern will. Die Namen Porsche und Piëch sind derart verankert, dass es einem Tabubruch gleichkäme, die Angelegenheit zu kommentieren. Unbestritten ist, dass die Mitglieder des Clans wenig auffallen wollen, wobei der Name Piëch im Pinzgau weniger geläufig ist als der Name Porsche. Johannes Schwaninger, Eigentümer des Steiner Wirts in Zell am See, sagt: "Die Familien leben hier diskret. Ihre Mitglieder treten nicht als Zampanos auf, sondern pflegen Zurückhaltung." Man dürfe diese Zurückgezogenheit aber nicht als Desinteresse oder Gleichgültigkeit auffassen. Ganz im Gegenteil: "Viele hier wissen wahrscheinlich nicht mal, dass sie von diesem Clan unterstützt werden."

          Bekannt für seine soziale Ader ist Daniell Porsche, der ein Projekt für schwer erziehbare Jugendliche in Salzburg betreibt und der Öffentlichkeit gegenüber bislang aufgeschlossener war als andere. Der Urenkel des Gründers begann als Musiktherapeut für die Paracelsus-Schule Salzburg zu arbeiten, eine Bildungsstätte für Kinder und Jugendliche. Für großes Aufsehen sorgte sein Engagement an der Schule spätestens im Jahr 2005, als sie nach St. Jakob am Thurn übersiedelte und dort in ein eigens gebautes Gebäude zog. Das kostete sieben Millionen Euro, die gänzlich von Daniell Porsche bezahlt wurden. Das ist viel Geld für einen guten Zweck - selbst für einen Porsche-Erben. Für Anliegen der Bevölkerung zeigt sich die Familie Porsche offen. So hat sie ihre Zustimmung dazu gegeben, dass das neue Kongresszentrum Zell am See den Namen von Ferry Porsche tragen darf, was ein nicht zu unterschätzender Vermarktungsfaktor für dieses Unternehmen bedeutet.

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