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: In Salzburg ist Porsche eine leise Macht

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Der Familienzwist regt im Salzburger Land keinen auf. Auch in der für Österreich so bedeutenden Fahrzeugzulieferindustrie wird die Angelegenheit entspannt gesehen. "Wenn sich gesellschaftsrechtliche Änderungen ergeben, die nicht unmittelbar in den Geschäftsbeziehungen etwas ändern, dann ist es für die österreichischen Zulieferer unbedeutend", sagt Bruno Krainz, Vorsitzender des Fachverbands der Fahrzeugindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Gustav Oberwallner, Vorsitzender des Fahrzeughandels in Österreich, befürwortet eine starke Stellung von VW. Wenn Porsche das Sagen hätte, stünden manche bewährte Strukturen auf dem Prüfstand, befürchtet er: "Man sieht ja in anderen Branchen, was passiert, wenn Schulden abzubezahlen sind. Das könnte Auswirkungen auf die Strukturen nach sich ziehen." Der Fahrzeughändler lobt das EDV-System Cross zur Vernetzung der Händler, das die VW-Gruppe in Österreich vorangetrieben habe. "Cross ermöglicht kleineren Partnern, in der Vertriebsstruktur dabei zu sein. Bei den Kleinen ist die Vernetzung das Rückgrat. Man hängt in Salzburg am Server und braucht keine eigenen Entwicklungskosten."

Salzburg ist nicht nur für den österreichischen Autohandel eine zentrale Schaltstelle. Es ist möglich, dass die Aktivitäten dort im Machtkampf noch eine wichtige Rolle spielen. Denkbar wäre, dass der Wert der hiesigen Holding als Sicherheit eingesetzt wird. Eine Überlegung, die ein Sprecher nicht kommentieren will.

Von der österreichischen Holding kommt ein wesentlicher Beitrag zum Reichtum der Autobauerdynastie. Sie deckt mit ihren Aktivitäten im Groß- und Einzelhandel sowie mit Finanzdienstleistungen alle Segmente des Autohandels ab. Die Gesellschaft ist Europas größter Autohändler und beschäftigt gut 20 000 Mitarbeiter. Während der Sportwagenhersteller derzeit in einer schwierigen Phase unterwegs ist, scheint der österreichische Handelsbetrieb eine verlässliche Goldgrube zu sein. Selbst die schwere Krise der Branche konnte die Geschäftsentwicklung kaum bremsen.

Die Ursache für dieses Phänomen ist in der breiten Streuung der Risiken zu suchen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (per März) wurde trotz Wirtschaftskrise ein Rekordumsatz von 13,7 Milliarden Euro erwirtschaftet - und der Vorjahreswert um 6,4 Prozent übertroffen. Nur ein Drittel davon stammt aus Österreich. Der Rest kommt aus dem Ausland, maßgeblich Osteuropa. Für das vergangene Geschäftsjahr gibt es noch keine veröffentlichten Ertragskennzahlen. Im Jahr davor betrug der Überschuss bei einem nichtkonsolidierten Umsatz von 10,2 Milliarden Euro 372 Millionen Euro.

Die Holding aus Salzburg sieht sich als erfolgreichstes privates Automobilhandelshaus - mit Niederlassungen in Westeuropa, in den südosteuropäischen Nachbarländern und auch in China. Überall wo sie mit den Marken des Volkswagenkonzerns antritt, werden hohe Marktanteile erzielt. Ihr Geschick besteht darin, dass sie als Importeur den Vertrieb steuert, gleichzeitig aber auch über ihre eigenen Händler genau weiß, wie der Einzelhandel funktioniert und die gesamte Vertriebsorganisation mit Finanzdienstleistungen unterstützt.

Ein starker Gewinnbringer sind die Importeursverträge. Das Importgeschäft wirft viel ab, weil es weniger kostenintensiv als das Endverbrauchergeschäft ist. Schon jetzt deckt diese Gesellschaft die Palette im Handel gut ab. Wenn es noch Zugriff auf den Hersteller gäbe, dann hätte der Familienzweig Piëch die gesamte Wertschöpfungskette im Griff.

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