https://www.faz.net/-gqe-9rn7a

Eisenbahnen : Thalys und Eurostar sollen fusionieren

Ein Eurostar-Zug in Großbritannien auf dem Weg nach Frankreich. Bild: dpa

Die Bahnanbieter Eurostar und Thalys sollen fusionieren. Frankreichs SNCF treibt den Zusammenschluss voran.

          2 Min.

          Brexit hin oder her – die französische Staatsbahn will die Bahnverbindungen zu und von der britischen Insel erweitern. Davon können auch deutsche Reisende profitieren, denn die SNCF möchte ihre Tochtergesellschaften Eurostar und Thalys fusionieren, teilte sie am Freitag mit.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Direkte Verbindungen von Köln, Düsseldorf oder Dortmund nach London können damit Wirklichkeit werden. „Die Gründung eines kombinierten Hochgeschwindigkeits-Bahnunternehmens würde für 18,5 Millionen Fahrgäste eine überzeugende Alternative zum Flug- und Straßenverkehr darstellen und für den europäischen Hochgeschwindigkeitsverkehr eine neue Ära einleiten“, ist SNCF-Vorstandschef Guillaume Pepy überzeugt.

          Der Plan schlummert schon länger in den Schubladen der Unternehmen. Jetzt ist ein erster Schritt vollzogen, doch weitere müssen folgen, wie die Beteiligten am Freitag unterstreichen. Die Aussichten sind attraktiv: Ein Zusammenschluss könnte Großbritannien mit dem Mittelmeer, die Nordsee mit dem Atlantik, und die Benelux-Staaten mit den Alpen verbinden. Eurostar bietet im Sommer Strecken bis nach Marseille und im Winter bis Bourg-St-Maurice an.

          Höhere Passagierzahlen angestrebt

          Thalys steuert indessen 26 Städte in Belgien, Frankreich, Niederlande und Deutschland an. Beide Unternehmen betreiben zusammen heute täglich 112 Züge, mit denen jährlich mehr als 18,5 Millionen Reisende ans Ziel gebracht werden. Die Zahl der Reisenden auf 30 Millionen zu erhöhen, gilt als möglich.

          Davor müssen sich aber erst die verschiedenen Aktionäre einig werden: Die SNCF ist bei Eurostar (55 Prozent) und bei Thalys (60 Prozent) jeweils der größte Aktionär. Bei Eurostar sind neben der SNCF zudem die staatliche Beteiligungsgesellschaft von Quebec und der private Hermes-Infrastrukturfonds die wichtigsten Minderheitsaktionäre; die belgische Staatsbahn SNCB hält nur 5 Prozent.

          Eurostar wirtschaftlich stärker

          Bei Thalys sind die Belgier mit 40 Prozent zweitwichtigster Aktionär, neben der SNCF. Durch eine Fusion zwischen Eurostar und Thalys würde der Anteil der SNCB stark verwässert, zumal Eurostar das größere Unternehmen ist: Der Transporteur durch den Eurotunnel setzt mehr als 1 Milliarde Euro um und beschäftigt 1650 Mitarbeiter; Thalys hat nur rund halb so viel Umsatz und 641 Mitarbeiter.

          Dennoch gilt das Projekt unter Bahnexperten als sinnvoll: „Der Zusammenschluss wäre ein logische Folge der Entwicklung in den vergangenen Jahren, als sich Eurostar und Thalys von losen Konsortien zu eigenständigen Unternehmen wandelten“, sagt Arnaud Aymé von der Beratungsgesellschaft Sia Partners in Paris. Beide Unternehmen wurden Mitte der neunziger Jahre gegründet, sie konzentrieren sich auf eine ähnliche Kundschaft, in denen Geschäftsreisende eine wichtige Rolle spielen.

          Gewerkschaften äußern sich bereits

          Gleichzeitig sind die Streckennetze der beiden Anbieter komplementär. Größe zählt im Bahngeschäft, weil etwa beim Kauf der Züge bessere Preise durchgesetzt werden können und die Bahnen auch besser ausgelastet sind. Hinzu kommt: Größere Einsparungen sind bei den unterstützenden Funktionsbereichen in den jeweiligen Unternehmenszentralen möglich. Erste Befürchtungen über Personalabbau sind in Gewerkschaftskreisen bereits laut geworden.

          Die Protagonisten des Fusionsprojektes, das sie „Green speed“ getauft haben, wollen von Details heute noch nicht sprechen. Rasch sollen die entsprechenden Instanzen informiert werden. Auch das grüne Licht der europäischen Wettbewerbsaufsicht ist erforderlich. Seitdem die Behörde in Brüssel die Fusion der Zughersteller Siemens und Alstom untersagte, ist man in der Branche vorsichtig geworden. „Ich erwarte aber keine Blockade. Der Zusammenschluss würde die Marktmacht der Unternehmen nicht über Gebühr erhöhen“, gab sich Bahnexperte Aymé am Freitag optimistisch.

          Weitere Themen

          CDU setzt auf Anreize statt Verbote

          Parteitag in Leipzig : CDU setzt auf Anreize statt Verbote

          Mit einer leichten Veränderung des Leitbilds der Sozialen Marktwirtschaft will sich die CDU von SPD und Grünen abgrenzen. Nachhaltigkeit soll eine wichtigere Rolle spielen, aber nicht auf Kosten des Wachstums.

          Topmeldungen

          Darf´s ein bisschen mehr sein? Wenn es nach ARD und ZDF geht, gilt das für den Rundfunkbeitrag immer.

          Gutachten zu Finanzen : Gehälter bei ARD und ZDF sind zu hoch

          Die Finanzkommission Kef schlägt vor, wie hoch der Rundfunkbeitrag sein soll. Sie prüft, wofür die Öffentlich-Rechtlichen Geld ausgeben. Jetzt stellt die Kommission fest, die Gehälter bei ARD und ZDF seien zu hoch. Besonders bei einigen Sendern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.