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Handelsstreit : In die EU wird mehr Stahl importiert – aber nicht aus China

Verzinkte Feinblech-Coils im Hauptwerk der Salzgitter AG in Niedersachsen Bild: dpa

Der deutschen Stahlindustrie bläst auf dem Weltmarkt Gegenwind ins Gesicht. Grund genug für einen nationalen Stahlgipfel am Montag. Der vielbeschworene Billigstahl aus China ist diesmal nicht für die Probleme verantwortlich.

          Der erste nationale Stahlgipfel Deutschlands, bei dem am Montag Minister und Staatssekretäre aus sechs Bundesländern sowie Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Gewerkschaften in Saarbrücken zusammenkommen, untermauert seine Daseinsberechtigung mit aktuellen Zahlen: Wie befürchtet, zeigen die von der amerikanischen Regierung im Juni verhängten Importzölle von 25 Prozent auf Stahl ihre Wirkung. Während die Exporte in die Vereinigten Staaten in den vergangenen Monaten deutlich zurückgingen, sind die Einfuhren in die Europäische Union sprunghaft gestiegen. Ende Juli führten die Vereinigten Staaten der Wirtschaftsvereinigung Stahl zufolge zehn Prozent oder umgerechnet etwa 1,6 Millionen Tonnen weniger Stahl ein als im Vorjahr. Gleichzeitig wurden rund 1,7 Millionen Tonnen und damit 10 Prozent mehr nach Europa geliefert.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Besonders letztere Zahl sorgt in der Branche für Alarmstimmung. Sie bestätigt die Angst, vielmehr von Handelsumlenkungen als direkt von den Zöllen getroffen zu werden. Die Logik dahinter: Sinkt die Nachfrage in Amerika nach ausländischem Stahl aufgrund der verteuerten Einfuhr, weichen die Stahlproduzenten auf andere Länder und dabei vornehmlich auf die EU aus, einem nun vergleichsweise offenen Markt.

          Demgegenüber steht ein überschaubares Geschäft deutscher Stahlkocher mit Amerika, das sich im Jahr 2017 auf 1,3 Millionen Tonnen beschränkte und einen niedrigen einstelligen Prozentsatz des Jahresumsatzes ausmacht. Während sich also zwar auch hierzulande die amerikanischen Zölle direkt auf den Handel mit Amerika auswirken – die Wirtschaftsvereinigung Stahl spricht von einem Minus von sieben Prozent – sind es die Importschwemme aus Drittländern und der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit der Branche in Deutschland, die ihren Mitgliedern schlaflose Nächte bereiten.

          Denn die Stahlindustrie leidet an einem ganz grundsätzlichen Problem: Auf der Welt wird viel mehr Stahl produziert, als benötigt wird. Nach Schätzungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) belaufen sich die Überkapazitäten auf mehr als 500 Millionen Tonnen. Erschwerend für die europäischen Hersteller kommt hinzu, dass andere Länder den Stahl zu weitaus günstigeren Preisen anbieten können. Das liegt laut Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, in erster Linie an unfairen Subventionen. Aber auch der Handel mit CO2-Zertifikaten verschaffe europäischen Produzenten einen Wettbewerbsnachteil: „Mit den neuen Regelungen zum EU-Emissionsrechtehandel drohen den Stahlunternehmen Kosten von insgesamt 3,5 Milliarden Euro über den Zeitraum 2021 bis 2030“, sagte Kerkhoff anlässlich des Stahlgipfels an diesem Montag in Saarbrücken. 

          Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist China. Besonders dorthin wird im Zusammenhang mit unlauterem Wettbewerb im Stahlgeschäft häufig der schwarze Peter geschoben: Chinesische Hersteller würden den Markt mit billigem Stahl fluten – zu Preisen, mit denen heimische Hütten mit ihren hohen Energie- und Personalkosten einfach nicht mithalten könnten.

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