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Handelsstreit : In die EU wird mehr Stahl importiert – aber nicht aus China

Ein Blick auf die Zahlen zeigt allerdings, dass China zumindest für den aktuellen Anstieg des Importvolumens nicht verantwortlich ist. Tatsächlich ist ist es Russland, das mit Abstand am meisten Stahl in die EU liefert. Von Januar bis August 2018 waren es insgesamt 684.000 Tonnen und damit 23 Prozent mehr als noch im Vorjahreszeitraum.

Es folgt die Türkei mit knapp 500.000 Tonnen in die EU exportiertem Stahl bis August – ein Anstieg um mehr als 50 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum im vergangenen Jahr. Platz drei der größten Stahllieferanten der EU belegt mit fast 440.000 Tonnen die Ukraine, die ihre Importe im Vergleich zu 2017 ebenfalls steigerte, und zwar um 13 Prozent. Erst auf Platz fünf folgt mit deutlichem Abstand und einem Importvolumen von 238.000 Tonnen China. Trotz der amerikanischen Zölle sind die Einfuhren nach Europa sogar um 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.

Nachfrage wächst nicht so stark wie erwartet

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl begründet den jüngsten Anstieg der Importe vor allem aus Russland und der Türkei damit, dass diese Länder ihre Geschäfte auf EU-Boden schon etabliert hätten und ihre Exporte infolge der amerikanischen Zölle nurmehr umlenken müssten. Anders ergehe es da China: Billigstahl aus China sei zwar global betrachtet das eigentliche Problem, sagt ein Sprecher gegenüber FAZ.NET. Doch der Volksrepublik sei der Import von Stahl schon vor den jetzt eingeführten EU-Schutzmaßnahmen erschwert worden, weshalb das Land seine Importe nicht so einfach umleiten könne. 

Mit den sogenannten Safeguards versucht die EU derzeit, den europäischen Markt vor einer Importschwemme aus dem Ausland zu schützen. In dem Verfahren werden Einfuhrkontingente auf Basis der durchschnittlichen Importe der vergangen drei Jahre für einzelne Produktgruppen gebildet. Bei Überschreitung der Importmengen werden dann Wertzölle in Höhe von 25 Prozent erhoben. 

Allerdings handelt es sich bei den Safeguards nur um ein vorläufiges Instrument – sehr zur Sorge der Industrie. „Wir werben bei der Bundesregierung und der EU-Kommission deshalb intensiv dafür, dass daraus auch endgültige Maßnahmen werden“, sagte Martin Theuringer, Geschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Auf dem Stahlgipfel am Montag, an dem neben Kerkhoff auch IG-Metall-Chef Jörg Hofmann und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) teilnahmen, wollten sich die Stahl produzierenden Länder Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Saarland sowie Brandenburg, Bremen und Hamburg außerdem für EU-Fördergelder für die Entwicklung klimaschonender Produktionstechnologien in der Stahlindustrie einsetzen.

Denn nicht nur das Überangebot auf den Weltmärkten und der Handelsstreit, sondern auch die Digitalisierung und der Klimaschutz stellt die Industrie vor große Herausforderungen. Weltweit rechnet die Branche für das laufende Jahr noch mit einem kräftigen Anstieg der Stahlnachfrage um 3,9 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Tonnen. Vor dem Hintergrund der steigenden Risiken geht die Branche jedoch für 2019 nurmehr von einem leichten Plus von 1,4 Prozent aus.

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