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Kommentar : In der Düsternis

Heute Abend um 20.30 Uhr geht das Licht aus: In 178 Ländern löschen Menschen das Licht, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Doch die Jubelstunde könnte zu einer Feier der Armut degenerieren.

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          Wenn aus Anlass der World Earth Hour mit rührender Symbolik heute Abend um 20.30 Uhr Ortszeit in 178 Ländern das elektrische Licht gelöscht wird, soweit vorhanden natürlich, darf sich die Welt verbunden fühlen in Düsternis.

          Satellitenbilder werden den Akt globaler Harmonie dokumentieren. Doch man weiß schon jetzt: Nordkorea wird vorne liegen, auch Afrika sieht düster aus. Doch dieses Mal schickt sich Venezuela, die Hoffnung der vereinten Linke, an, alle auszustechen. Der repressive Staatspräsident Nicolás Maduro hat verlängerte Osterfeiertage verordnet, weil das an Ölreserven reiche Land Strom sparen muss. Diese Sparanstrengung ist gewiss beispielgebend.

          Allerdings bekommt man eine Ahnung, dass die Jubelstunde des Abschaltens zur Feier der Armut degeneriert. Billiger Strom ist nicht nur eine wichtige Quelle des Wohlstands, sondern war die Voraussetzung für individuelle Freiheit und sozialen Fortschritt im 20. Jahrhundert.

          Die Emanzipation der Frau von der Hausarbeit, die Fortschritte in der Ernährung, der Hygiene und der Medizin wären ohne günstigen Strom nicht denkbar. In bitterarmen Ländern gehen Kinder jeden Tag weitere Wege für Feuerholz. Für Schule bleibt dann keine Zeit. Sie werden die World Earth Hour nicht feiern wollen. Nicht nur, weil sie kein elektrisches Licht haben.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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