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Lebenslauf von Spitzenmanagern : In den Dax-Vorständen gibt es kaum Ostdeutsche

Eine von zwei Frauen aus Ostdeutschland in den Dax-Vorständen: Henkel-Managerin Kathrin Menges Bild: AFP

Gerade einmal vier Prozent der deutschen Spitzenmanager sind in Ostdeutschland geboren oder haben dort studiert. Bei den Vorstandschefs der Dax-Konzerne sieht es sogar noch düsterer aus.

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          Ostdeutsche spielen im Spitzenmanagement der deutschen Großunternehmen auch 28 Jahre nach der Wiedervereinigung kaum eine Rolle. Kein Vorstandsvorsitzender der 30 Dax-Unternehmen ist Ostdeutscher oder hat im Osten studiert. Auch von den rund 190 Dax-Vorstandsmitgliedern sind lediglich sechs in Ostdeutschland geboren, darunter zwei Frauen: die Henkel-Managerin Kathrin Menges und die Börsen-Managerin Hauke Stars. Zwei weitere westdeutsche Dax-Vorstände haben zumindest an einer ostdeutschen Hochschule studiert. Einen ostdeutschen Bezug im Lebenslauf über Geburtsort oder Studienort haben somit nur rund vier Prozent aller Dax-Vorstände.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Personalberatung Odgers Berndtson, die dafür die Lebensläufe der Dax-Vorstände untersucht hat. „Kein einziges Dax-Unternehmen hat seine Zentrale im Osten“, sagt der Personalberater und Studienautor Michael Proft. Der typische Dax-Vorstand sei im Schnitt rund 53 Jahre alt. „Ostdeutsche in diesem Alter haben ihre prägenden Jahre meist noch im Osten erlebt. Gerade in betriebswirtschaftlichen Fächern war ihr Berufseinstieg damals schwieriger.“ Das Problem werde sich aber entschärfen.

          Bedeutungsverlust der Juristen

          Der Ausländeranteil unter den Dax-Vorständen ist derweil nach Jahren der Stagnation im vergangenen Jahr auf etwas mehr als 30 Prozent gestiegen. Unter den Vorständen, die im vergangenen Jahr neu berufen wurden, beträgt der Anteil der Nichtdeutschen sogar 38 Prozent. Rund die Hälfte der Ausländer kommt dabei aus dem europäischen Ausland, ein Fünftel aus den Vereinigten Staaten.

          57 Prozent der deutschen Spitzenmanager sind Wirtschaftswissenschaftler. Dahinter folgen mit je 14 Prozent die Studiengänge Ingenieurwesen und Naturwissenschaften und etwas abgeschlagen Jura mit 10 Prozent. Der Bedeutungsverlust der Juristen in den obersten Machtzirkeln der deutschen Wirtschaft hält weiter an: Unter den neu berufenen Vorständen waren im vergangen Jahr sogar nur noch drei Prozent Juristen. Kein einziger Dax-Vorstand hat nach der Analyse der Personalberater Informatik studiert – zumindest nicht in Reinform, einige Wirtschaftsinformatiker gibt es dagegen schon. Mit Blick auf die regionalen Wurzeln zeigt sich ein Schwerpunkt in Südwestdeutschland. Die Mehrheit der Vorstände ist in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg aufgewachsen. Studiert haben sie auch vornehmlich im Süden. München führt in dieser Hinsicht das Ranking mit neun Dax-Vorständen, vor Karlsruhe (6), Aachen (5) und Hannover (5).

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