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Impfstoff-Herstellung : Kooperiert endlich!

Impfstoff gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2 von Biontech/Pfizer in einem Kühlschrank im Hamburger Impfzentrum. Bild: dpa

Sanofi will den Corona-Impfstoff der Konkurrenten Biontech und Pfizer herstellen. Das sollte kein Einzelfall bleiben.

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          Endlich wieder eine gute Nachricht von der Impfstoff-Front: Der französische Hersteller Sanofi wird in Frankfurt-Höchst 100 Millionen Impfdosen des Vakzins der Konkurrenten Biontech und Pfizer herstellen. Im Sommer geht es los, das Ende der Impfstoffknappheit rückt damit wieder einen Schritt näher.

          Angesichts der jüngsten Meldungen über Verzögerungen von Lieferungen bei Biontech und dem britischen-schwedischen Unternehmen Astra-Zeneca, dessen Impfstoff in der EU womöglich nicht einmal für die besonders gefährdeten Senioren zugelassen wird, sind die 100 Millionen Zusatzdosen eine echte Beruhigungspille. Besonders bemerkenswert: Ausgerechnet die französische Regierung, die in Brüssel darauf gedrängt haben soll, dass die EU viele Impfdosen des heimischen Herstellers Sanofi kauft, soll jetzt Druck auf das mit dem eigenen Impfstoff bislang gescheiterte Unternehmen gemacht haben, mit der deutsch-amerikanischen Konkurrenz zu kooperieren.

          Die Motive und das Vorgehen der Akteure sind nun einmal nicht so schwarz oder weiß, wie es diejenigen gerne darstellen, die in Brüssel nur „Idioten“ am Werk sehen. Oder die hinterher schon immer wussten, was man hätte besser machen müssen.

          Genau hinsehen

          Wichtig ist jetzt, dass Sanofi Nachahmer findet und weitere verfügbare Kapazitäten für die Impfstoffherstellung genutzt werden. Das ist zwar alles andere als trivial – wo gestern Aspirin produziert wurden, können morgen keine Hightech-Impfstoffe vom Band gehen, sagte etwa der Biontech-Chef kürzlich. Außerdem braucht es genügend Fachpersonal.

          Aber offenbar ist es kein Ding der Unmöglichkeit, in einem überschaubaren Zeitraum Fabriken entsprechend umzubauen. Ist in dieser Hinsicht wirklich schon alles ausgeschöpft? In Amerika ist beispielsweise gerade der Konzern Merck mit einem eigenen Impfstoff gescheitert, in Deutschland kooperiert Bayer mit dem Hersteller Curevac, der frühestens in einigen Monaten eine Zulassung bekommt.

          Die Politik muss hier mit Hilfe von Branchenkennern genau hinsehen und sämtliche Möglichkeiten ausschöpfen. Es ist schließlich mehr als eine Floskel, das es hier um Leben und Tod geht.

          Natürlich müssen alle Hersteller, die in dieser absoluten Ausnahmesituation einspringen, finanziell entlohnt werden. Entweder von den erfolgreichen Impfstoffentwicklern selbst, die auf diese Weise noch mehr verkaufen können. Oder von den profitierenden Staaten, deren Wirtschaft wieder schneller Fahrt aufnehmen kann. Das Geld wäre sehr gut angelegt.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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