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Werner Mussler (wmu.)

Impfstoffknappheit : Von der Leyen lenkt ab

  • -Aktualisiert am

Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission Bild: dpa

Das Gebaren der EU-Kommissions-Präsidentin wirft eine dramatische Frage auf: Hält sie ihr eigenes Impfziel noch für realistisch?

          1 Min.

          Es ist ein Schachzug, wie man ihn von Ursula von der Leyen kennt. Die Chefin der EU-Kommission versucht, die Kritik an der von ihr mindestens mitverantworteten Corona-Impfstoffbeschaffung auf Nebenschauplätze abzulenken.

          Es ist ja erfreulich, dass ihre Behörde einen neuen Liefervertrag mit dem amerikanischen Hersteller Moderna abschließen konnte. Schließlich ist dessen Vakzin das absehbar beste, da wirksamste und am leichtesten transportierbare.

          Reichlich spät kommt der Vertrag dennoch, und wann Moderna die neue Charge liefern wird, hat von der Leyen offengelassen. Früher als im dritten Quartal wird es sicher nicht so weit sein. Hinzu kommt, dass sich der halbe Auftrag auf 2022 bezieht. Das wirft die Frage auf, ob die Kommissionschefin ihr eigenes Impfziel noch für realistisch hält.

          Das am Mittwoch vorgestellte Programm mit dem pompösen Namen „Hera Inkubator“ wird die Impfstoffknappheit jedenfalls kurzfristig nicht überwinden. Allenfalls kann es dazu beitragen, dass die EU im Kampf gegen Covid-Mutanten mittelfristig besser aufgestellt ist. Das ist durchaus ehrenwert. Den Eindruck eines Ablenkungsmanövers verwischt es aber nicht.

          Werner Mussler
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

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