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Kampf gegen die Pandemie : Deutschlands Impfstoff-Knappheit überwinden

  • -Aktualisiert am

Impfzentrum in den Emslandhallen in Lingen am 1. Februar Bild: dpa

Es gibt weniger Impfstoff als politisch angekündigt, und der wird langsamer verimpft als geplant. Dagegen helfen Anreize, die zum Beispiel vorzeitige Lieferungen belohnen.

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          Wie man es auch wendet: Gemessen an der Zahl der Geimpften, hinken Deutschland und die EU hinter anderen Ländern her, mit denen man sich sonst gern misst – wie den Vereinigten Staaten, Großbritannien oder Israel. Es gibt weniger Impfstoff als politisch angekündigt, und der wird langsamer verimpft als geplant. Während private Entwickler schneller waren, als viele zu träumen wagten, kommt die Produktion langsamer in Gang – auch wegen staatlicher Versäumnisse.

          Das ist die Stunde der Ökonomen. Der Umgang mit knappen Gütern ist ihre Kernkompetenz. Sie haben gute Ideen, um den todbergenden Mangel nicht bloß per „Impfplan“ besser zu verwalten, sondern zu überwinden. Selbst in einer Ausnahmesituation wie der Corona-Pandemie liegt es in einer Marktwirtschaft auch politisch nahe, sich zunächst anzuschauen, was noch zu tun wäre, damit privater Wettbewerb mehr und schneller volle Ampullen herstellt. Liberale Ökonomen werben für die bewährte Zauberformel „marktbasierte Anreize“; zuletzt Ifo-Präsident Clemens Fuest, der für seinen eindringlichen Appell viel Zuspruch aus seiner Zunft bekommt.

          Der Rat: Die Politik müsse jetzt sehr hohe Prämien je Dosis ausloben, um Unternehmen und ihren Zulieferern ein starkes Signal zu geben, dass sich auch beschleunigtes und damit sehr teures Hochfahren der Produktion rechnet. Zusätzlich könne ein Impuls gesetzt werden, der vorzeitige Lieferungen extra belohnt. Gemessen an den Kosten des coronabedingten Stillstands, zahle sich sogar die Verhundertfachung des Preises einer Ampulle für die EU aus, geben die Wissenschaftler zu bedenken.

          Wer das als Wunschdenken von Marktfetischisten abtut, muss eine bessere Alternative bieten. Einige Ökonomen plädieren für den Rückgriff auf Methoden der Kriegswirtschaft. Sie fordern die Verstaatlichung der Impfproduktion gegen (spätere) Entschädigung.

          Doch beim zwangsweisen Aufbau weltweiter hochkomplexer Lieferketten sollte man weder der EU noch der Bundesregierung Zutrauen schenken. Beide waren schon mit dem Abschluss überzeugender Lieferverträge überfordert. Dagegen haben private Unternehmen in der Pandemie mit ihrer Innovationskraft immer wieder positiv überrascht. Sie sollten Gelegenheit bekommen, dies weiter zu tun.

          Heike Göbel
          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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