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Immobilienkrise : 81 Prozent mehr Zwangsversteigerungen in Amerika

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Zahl der Zwangsvollstreckungsverfahren für Häuser und Wohnungen in Amerika ist stark gestiegen. Präsident Obama verspricht Hilfe - und will aus dem bestehenden Rettungspaket für das Finanzsystem 75 Milliarden Dollar abzweigen.

          Es ist ein trauriger Rekord: Für mehr als 2,3 Millionen Häuser und Wohnungen in Amerika ist im vergangenen Jahr das Verfahren der Zwangsvollstreckung eingeleitet worden, weil die Besitzer ihre Hypothekendarlehen nicht mehr bedienen konnten oder wollten. Das ist ein Anstieg von 81 Prozent im Vergleich zu 2007. Besonders schlimm ist die Lage dort, wo die Hauspreise in den Boomjahren überdurchschnittlich schnell und weit in die Höhe geklettert sind: Kalifornien, Nevada und Arizona im Westen sowie Florida im Osten führen die Liste der Zwangsversteigerungen an.

          Wie das Internetportal www.realtytrac.com berichtet, erhielten im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Kalifornien im Januar fast 77.000 Hausbesitzer den Bescheid über eine Zwangsversteigerung. In Nevada hat jeder 76. Hausbesitzer ein entsprechendes Schreiben seiner Bank bekommen. Über Realtytrac und einige andere Anbieter wie www.foreclosures.com lässt sich mittels einer interaktiven Landkarte die vielfach desolate Lage des Häusermarktes bis in die einzelnen Landkreise hinein nachvollziehen. Auch Listen mit den zum Verkauf stehenden Immobilien lassen sich aufrufen.

          Obama will das Insolvenzrecht ändern

          Zur Zwangsversteigerung kommt es nicht nur, wenn Hausbesitzer sich übernommen haben oder aufgrund eines Anstiegs des Darlehenszinses die monatlichen Raten nicht mehr bezahlen können. Auch jene, deren Haus durch den Preisverfall weniger wert ist, als in der Hypothek zugrunde gelegt, haben einen Anreiz, ihre Zahlungen einzustellen: Die meisten Hypotheken in Amerika sind „no recourse loans“, bei denen der Gläubiger wohl auf die Immobilie, nicht aber auf andere Teile des Vermögens des Schuldners zugreifen kann.

          Die Hilfe für bedrängte Hausbesitzer, die Präsident Barack Obama am Mittwochmittag (Ortszeit) in Arizona im Detail vorgestellt hat, zielt ausschließlich auf jene, die ihre Zahlungen nicht mehr leisten können. Die Regierung in Washington will aus dem bestehenden Rettungspaket für das Finanzsystem 75 Milliarden Dollar abzweigen, um Banken und anderen Hypothekengläubigern einen finanziellen Anreiz für eine Umschuldung zu bieten. Das kann sowohl im Wege niedrigerer Darlehenszinsen als auch durch einen niedrigeren Hauswert geschehen.

          Außerdem plädiert Obama für eine Änderung des privaten Insolvenzrechts, so dass es Richtern möglich wäre, die Konditionen von Hypothekendarlehen einseitig zugunsten der Hausbesitzer zu verändern. Gegen diesen Plan läuft das Finanzgewerbe Sturm. Es warnt, eine solche Regelung hätte abschreckende Wirkung und führte unter dem Strich zu einer Einschränkung der Kreditvergabe.

          In Kraft gesetzt hat Obama derweil das 787 Milliarden Dollar schwere Konjunkturpaket. Es setzt auf Steuersenkungen und zusätzliche Staatsausgaben. Ziel ist es, in diesem und dem kommenden Jahr 3,5 Millionen Arbeitsplätze zu schaffen oder zu sichern.

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