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Immobilien : Berlin, Berlin, wir kaufen in Berlin!

So haben die Berliner Notare gegenwärtig gut zu tun. Um mehr als 10.000 ist die Zahl der Beurkundungen im vergangenen Jahr gestiegen. Jan Kallies, Notar am neuerdings wieder so angesagten Kurfürstendamm, stellt eine verstärkte Nachfrage von ausländischen Interessenten fest. „Derzeit kaufen sehr viele Italiener, aber auch Franzosen und Briten“, sagt er. „Es werden viele Einzelwohnungen erworben, auch im unsanierten Zustand, zur Eigennutzung oder auch Vermietung.“ Dabei habe er den Eindruck, dass vor allem Italiener ihr Geld sicher anlegen wollten. „Sie suchen vielfach eine solide deutsche Anlage mit guter Perspektive für die Zukunft.“

Vorreiter waren Investoren aus Skandinavien

Begonnen hatte der Berliner Boom vor ein paar Jahren mit Investoren aus Skandinavien, die in Berlin gleich ganze Mietshäuser aus der Gründerzeit aufkauften. In unsaniertem Zustand war ein Gebäude mit zwanzig Wohnungen schon für eine Million Euro zu haben, selbst in ordentlicher Lage. Das war im Vergleich zu anderen Städten sensationell günstig und versprach selbst bei Mieten auf niedrigem Berliner Niveau satte Renditen.

Angesichts des jüngsten Preisanstiegs ist das nicht mehr ganz so sicher. Auch die Berliner geben mittlerweile rund ein Viertel ihres Einkommens fürs Wohnen aus, rechnet Reiner Wild vor, der Geschäftsführer des örtlichen Mietervereins - genauso viel wie im sehr viel teureren, aber eben auch reicheren Hamburg. „Wenn sich die wirtschaftliche Lage Berlins nicht deutlich verbessert, wird die Nachfrage nach höherpreisigem Wohnraum in ein paar Jahren wieder zurückgehen.“

„Obwohl Berlin keine Industriestadt ist, zieht es stetig neue Menschen an“

Mit einem Ende des Booms rechnet Giovanna Stefanel nicht. Die Italienerin entstammt der gleichnamigen Mode-Familie, sie ist mit dem bayerischen Immobilien-Unternehmer Ludwig Stoffel verheiratet. Mit ihrer gemeinsamen Stofanel Investment AG bauen sie gerade hundert neue Wohneinheiten im Westberliner Villenvorort Dahlem, der schon zu Kaisers Zeiten eine noble Gegend war. „Fünf Morgen Dahlem Urban Village“ nennen sie ihr Projekt. Auf einer Grundstücksfläche von 50.000 Quadratmetern wollen sie Wohnen, Einzelhandel und eine Kindertagesstätte um einen künstlichen See herum verbinden.

Die Hälfte der Wohnungen des ersten Bauabschnitts ist schon verkauft, obwohl von den Villen noch gar nichts zu sehen ist. Die Quadratmeterpreise bewegen sich zwischen 4300 und 6300 Euro, in den besseren Vierteln Berlins ist das inzwischen nicht mehr ungewöhnlich. Sieben von zehn Käufern kommen aus der Stadt selbst. Das Projekt ist nur eines von mehreren, die das italienisch-bayerische Paar in der deutschen Hauptstadt verwirklicht. „Obwohl Berlin keine Industriestadt ist, zieht es stetig neue Menschen und Bewohner an“, sagt Stoffel. „Im Bereich Mode, Design und Kreativität ist Berlin die Stadt in Deutschland.“

Proteste gegen Gentrifizierung

Etwas bodenständiger geht es an der Rummelsburger Bucht zu, einem Nebenarm der Spree südöstlich der Innenstadt. Auf alten Industrieflächen entstanden hier Townhouses direkt am Wasser - zwar durch Eisenbahntrassen von den benachbarten Stadtvierteln abgeschirmt, aber nur zehn Fahrradminuten vom Stadtzentrum entfernt. Vor sechs Jahren ist Iris Mayer mit Mann und Kindern hierher gezogen. Damals war es noch leer, es gab gerade eine einzige Straße und die ersten Backstein-Reihenhäuser mit eigenem Garten. Würde die Familie ihr Haus heute verkaufen, käme wahrscheinlich mehr als das Doppelte dabei herum. „Das ist ein beruhigendes Gefühl“, sagt Mayer.

Mehr aber auch nicht. Denn ans Wegziehen denkt sie nicht, längst hat sich die Gegend belebt. Wie Mayer und ihr Mann, der als Biometriker bei der Bayer-Tochtergesellschaft Schering arbeitet, sind viele junge Familien hierhergezogen - meist aus den Nachbarbezirken Prenzlauer Berg und Friedrichshain, auf der Suche nach einem grünen Umfeld für die Kinder. Die Belebung strahlt mittlerweile in die umliegenden Kieze aus. Das einst heruntergekommene Gründerzeitviertel rund um die Lichtenberger Pfarrstraße ist schick saniert und wird neuerdings vornehm als „Victoriastadt“ vermarktet. Wochenmärkte sind entstanden, neue Restaurants eröffnen.

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