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Elternhaus : Ein Haus voller Erinnerungen

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Der Blick aufs Elternhaus ist immer auch ein Blick aufs eigene Leben. Bild: Caro / Sorge

Wer sein Elternhaus erbt, steht vor der Frage, ob er die Immobilien selbst nutzen, verkaufen oder vermieten soll. Die Antwort fällt oft nicht leicht. Denn es sind jede Menge Emotionen im Spiel.

          Melanie Biewers hat selbst mit angepackt, jedenfalls soweit ihr das damals schon möglich war. Sie war zehn, da bauten die Eltern ein großes Haus im kleinen Onsdorf, einem Dorf nur wenige Kilometer von der deutsch-luxemburgischen Grenze entfernt. Biewers’ Vater war Maurer, mit viel Liebe zum Detail errichtete er Mitte der achtziger Jahre das Eigenheim. Die Mutter verwandelte das 4000 Quadratmeter große Areal drum herum in eine blühende Landschaft. An die grüne Idylle erinnert sich die Melanie Biewers besonders gerne, wenn sie von ihrer Kindheit spricht. Ihr Elternhaus verkaufen? „Undenkbar“, sagt die junge Landschaftsarchitektin.

          Jedes Jahr werden in Deutschland mehrere hunderttausend Immobilien vererbt. Laut einer Umfrage der Allianz Marktforschung handelt es sich in der Mehrzahl um Einfamilienhäuser. Doch nur rund jeder vierte Erbe zieht in das Objekt auch ein, die meisten trennen sich über kurz oder lang von der Immobilie oder vermieten sie.

          Räume sind Erinnerungsträger

          Dass für viele eine Rückkehr in die vier Wände der eigenen Kindheit nicht in Frage kommt, hat vielfältige Gründe, und nicht immer sind diese sachlicher Natur. Denn mehr als jede andere Immobilie ist das Elternhaus mit Erinnerungen behaftet - mit positiven ebenso wie mit weniger guten. Häufig sind zudem unterschiedliche Erwartungen und oft auch widerstreitende Interessen im Spiel. Dass die Zahl der Alleinerben in den kommenden Jahren tendenziell abnehmen wird, macht die Angelegenheit in vielen Fällen zusätzlich kompliziert. Hinzu kommt: Die Immobilie liegt nicht selten fernab des neuen Lebensmittelpunkts der Erben. Eine Eigennutzung scheidet aus, und auch das Kümmern gestaltet sich schwierig.

          Seine ersten Schritte macht ein Kind in aller Regel im Elternhaus. Somit finden sich dort auch die ersten räumlichen Grenzen, die ihm gesetzt werden. Ob wir in einer Mietwohnung im Mehrgeschossbau aufwachsen oder in einem herrschaftlichen Anwesen samt großem Garten, präge fürs Leben und sei auch mit entscheidend dafür, welche Wohnbedürfnisse wir später entwickelt und befriedigen wollen, gibt Wohnpsychologin Barbara Perfahl zu bedenken. „Räume sind Erinnerungsträger. Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann schaue ich auf bestimmte Orte“, erläutert sie.

          Oft seit Generationen in Familienbesitz

          Eigene Kindheitserinnerungen sind für viele Eigennutzer einer geerbten Immobilie denn auch einer der wesentlichen Beweggründe, das Elternhaus nicht zu veräußern, sondern es selbst zu nutzen; ebenso der Faktor, dass die Immobilie oft schon seit Generationen in Familienbesitz ist.

          So wie das alte Gehöft im saarländischen Wadern, in das Nicole Gouverneur vor einigen Jahren zurückkehrte. In dem um 1900 errichteten Gebäude lebte schon die Urgroßmutter und wuchs die Oma auf. Heute lebt Nicole Gouverneur mit ihren Kindern und ihrem Mann dort. Doch auch für die eigene Mutter ist ausreichend Platz. Im einstigen Stall findet sich die Garage, der frühere Heuboden ist Teil der Wohnung. „Ich hänge sehr an meinem Elternhaus, da stecken ja sehr viele positive Erinnerungen drin. Deshalb würde ich es auch nicht verkaufen“, erklärt die 41-Jährige kategorisch. Heimelig fühle sie sich in diesen Wänden, auch die alte Hainbuche vor dem Anwesen ist für sie Teil ihrer Kindheit. Nicole Gouverneur hat keine Geschwister, wenn sie das Haus dereinst erbt, wird sie sich mit niemandem abstimmen müssen.

          Konflikte nicht ausgeschlossen

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