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Ursache unklar : Immer mehr Methan in der Atmosphäre

Dichter Atlantischer Regenwald auf der Ilha do Cardoso im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo Bild: dpa

Der rapide steigende Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases gibt Wissenschaftlern Rätsel auf. Die Ursachenforschung führt unter anderem in den tropischen Regenwald.

          Während am Freitag Zehntausende Schüler und Jugendliche für mehr Klimaschutz demonstrierten, gab es eine schlechte Nachricht für das Klima: Der weltweite Ausstoß von Methan ist 2018 stark gestiegen. In der Atmosphäre hat die Konzentration dieses Treibhausgas damit ein neues Rekordhoch erreicht. Für die Gründe dieser Zunahme haben Forscher noch keine vollständige Erklärung. Das geht aus dem Jahresbericht der amerikanischen Nationalen Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) hervor, den sie diese Woche veröffentlicht hat. Die Behörde untersteht dem Handelsministerium der Vereinigten Staaten.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Methan ist das nach Kohlendioxid (CO2) bedeutsamste Treibhausgas und daher mitursächlich für die globale Erwärmung; Wissenschaftler rechnen aus diesem Grund in sogenannten CO2-Äquivalenten, wenn es um die jährlich freigesetzte Menge geht. Der Anteil von CO2 an den menschengemachten Emissionen beträgt laut Weltklimarat rund 75 Prozent, der von Methan 15 Prozent. Der Rest entfällt nahezu vollständig auf Lachgas. Ein ausgestoßenes Gramm Methan hat einen 20- bis 30-fach stärkeren Treibhausgaseffekt als ein Gramm CO2. Zu rund zwei Dritteln sind die Emissionen menschengemacht, Hauptquelle ist neben dem Energiesektor die Viehzucht in der Landwirtschaft.

          Die nun von der Behörde vorgelegten Ergebnisse beruhen auf global gemittelten Meeresoberflächendaten. So hat sich die Zunahme der Methan-Emissionen bis zur Jahrtausendwende immer weiter abgeschwächt. Danach stagnierten die Emissionen, ehe der Ausstoß seit 2007 wieder moderat zunahm. Dazu beigetragen haben dürften höhere Temperaturen in der Arktis und vor allem verstärkte Niederschläge in den Tropen, schreiben die amerikanischen Wissenschaftler. Tatsächlich gibt es dafür mittlerweile reichlich Evidenz: So sorgt mehr Regen für höhere Wasserstände in den Feuchtgebieten, und dieser wiederum kurbelt die Methanbildung von Mikroorganismen an. Bei verstärkter Trockenheit ist der Effekt umgekehrt. Auch die Freisetzung von Methan durch schneller tauenden Permafrost ist gut erforscht.

          Offen ist jedoch, warum es seit fünf Jahren einen schärferen Anstieg der Methan-Emissionen gibt. Während man die Konzentration und Wachstumsrate recht verlässlich messen könne, sei das Verständnis der dahinterstehenden Faktoren mit weit größeren Unsicherheiten behaftet, so Ed Dlugokencky, Atmosphärenchemiker bei der NOAA, auf Nachfrage der F.A.Z. Für die Erforschung der Ursachen brauche es noch deutlich mehr Zeit. Da sich die menschengemachten Emissionen normalerweise nicht so schnell änderten, erwarte er allerdings, dass Änderungen der natürlichen Emissionen ursächlich sind – und auch diesmal veränderte Niederschlagsraten in den Tropen zu höheren Methan-Emissionen geführt haben könnten. „Die räumlichen Muster der Messungen legen nahe, dass sich in den Tropen und mittleren Breiten der nördlichen Hemisphäre Veränderungen vollziehen“, sagte Dlugokencky.

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