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Krankheit von Managern : Zwischen Klinik und Chefsessel

Hat bei einem Unfall ein Auge verloren: SAP-Chef Bill McDermott Bild: Bloomberg

Dass Manager mit ihren eigenen Krankheiten offen umgehen, ist in Deutschland keine Selbstverständlichkeit, anders als in Amerika. Aber langsam brechen auch hierzulande immer mehr Chefs das Tabu.

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          Bill McDermott wählte die Flucht nach vorn, um mit seinem Unfall, bei dem er ein Auge verlor, umzugehen: „Dieser Vorfall hat mich reifer gemacht“, sagt der Vorstandschef des Softwarekonzerns SAP zu den Folgen. Mehr Diskretion würde dagegen Hartmut Mehdorn walten lassen: „Natürlich dürfen Manager über gesundheitliche Rückschläge reden“, ist der langjährige Chef der Bahn überzeugt, „aber am Ende des Tages ist der persönliche Zustand doch etwas sehr Privates und hat mit dem Unternehmen nichts zu tun.“

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Über Jahrzehnte galt Schwäche in Führungszirkeln als tabu. In jüngster Zeit häuften sich jedoch die Fälle, in denen Manager sogar Details ihrer Krankheiten veröffentlichten. Was freizügiger Umgang mit Diagnosen bedeutet, machten hierzulande der Chef der Heidelberger Druckmaschinen, Gerold Linzbach (siehe Interview), sowie Ulrich Schröder von der KfW-Gruppe klar. Der 63 Jahre alte Vorstandschef der staatseigenen Förderbank setzte vergangenes Jahr den Verwaltungsrat darüber in Kenntnis, dass bei ihm ein Lymphom diagnostiziert wurde. Danach informierte er in einem Rundschreiben seine Mitarbeiter, indem er ankündigte, während der Chemotherapie beruflich kürzerzutreten, und für diese Zeitspanne auch einen Nachfolger benannte.

          Auf das Happy End setzen

          Ähnlich offensiv gingen bislang nur Schröders Kollegen in den Vereinigten Staaten vor. Allen voran: Jamie Dimon, Vorstandschef von JP Morgan Chase, sowie sein Pendant bei Goldman Sachs, Lloyd Blankfein. Dimon hatte 2014 öffentlich gemacht, dass er an Kehlkopfkrebs erkrankt sei, aber keinen Zweifel daran gelassen, dass er die Investmentbank weiterhin steuern werde. Ähnlich hielt es Blankfein. Der Doyen der amerikanischen Finanzszene sprach sogar in einem Fernsehinterview offen über seine Chemotherapie gegen Lymphdrüsenkrebs. Dimon wie Blankfein gelten inzwischen als geheilt. Auf ein ähnliches Happy End setzt Olivier Bohuon. Der Chef des britischen Medizintechnikherstellers Smith & Nephew verkündete im Februar, dass er an Krebs erkrankt sei. Er werde aber im Tagesgeschäft bleiben, weil seine Krankheit gut heilbar sei, betonte der Manager.

          Auch McDermott ist das Comeback nach seinem Unfall geglückt. Er will die Erfahrungen während seiner Heilung in einem Buch veröffentlichen: „Ich will anderen Menschen damit eine Inspiration liefern: Ich bin gefallen - und dann wieder aufgestanden“, sagt er.

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