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Fahrradmesse : Immer mehr Leute fahren E-Bikes

  • Aktualisiert am

Viele Pendler aus dem Frankfurter Umland fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Deutschen fahren gerne Fahrrad - vor allem, wenn sie nicht selbst treten müssen. Warum das Radeln ein Wachstumstreiber ist. Und ein Risiko.

          Den Deutschen sind Fahrräder wichtig: Immerhin besitzen 80 Prozent der Menschen in Deutschland ein Rad. Und die Radfahrer fördern die Wirtschaft, heißt es vom Deutschen Tourismusverband. Das tun vor allem Radtouristen im ländlichen Raum, sagt die Sprecherin Iris Hegemann. Die Radfahrer bewegten sich langsam in der jeweiligen Region und blieben länger dort. Außerdem geben sie Hegemann verhältnismäßig viel Geld aus. Wenn es entsprechende Angebote etwa von Gasthäusern, dem örtlichen Einzelhandel oder touristischen Attraktionen vor Ort gebe, werde das gerne angenommen.

          Dabei seien durchgängige Radwegenetze, breite und gepflegte Radspuren, sichere Abstellplätze und ein fahrradfreundliches Verkehrsklima in Deutschland bislang eher die Ausnahme, heißt es beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). „Einige vorbildliche Fahrradstädte gibt es schon in Deutschland“, sagt die Sprecherin des Vereins, Stephanie Krone. Dazu zählten etwa Karlsruhe und Potsdam. „In diesen Städten hat man verstanden, dass Fahrradfreundlichkeit ein Standortfaktor und mit hoher Lebensqualität verbunden ist.“

          Dass an dieser Stelle noch mehr getan werden muss, sieht auch das Bundesverkehrsministerium so: Nach Angaben der Behörde wurden die Mittel für die Radverkehrsförderung 2016 auf mehr als 100 Millionen Euro aufgestockt. „98 Millionen Euro stehen allein für den Radwegebau und die Erhaltung an Bundesstraßen zur Verfügung“, schreibt der Parlamentarische Staatssekretär Norbert Barthle im Fahrradmonitor 2015.

          Dem Umsatz der Fahrradhersteller kann die vermeintlich schwierige Situation auf den Straßen allerdings nicht viel anhaben. Auf der Radmesse Eurobike in Friedrichshafen am Bodensee ist die Stimmung optimistisch. Es geht vor allem um E-Bikes. Die elektronisch angetriebenen Fahrräder sind seit Jahren Trend - inzwischen haben selbst sportliche Mountainbikes einen Elektroantrieb. Kein anderes Segment im Fahrradmarkt sei derzeit so dynamisch, heißt es bei Branchenexperten mit Bezug auf steigende Absatzzahlen und die technische Entwicklung.

          „Wir schätzen, dass der Markt an E-Bikes unter den Mountainbikes schon bei 10 bis 15 Prozent liegt“, sagte der Sprecher des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV), David Eisenberger. Generell sei das E-Bike einer der Wachstumstreiber. „Das ist bereits seit ein paar Jahren so und das wird auch so schnell nicht nachlassen.“

          Steigender Fahrradfahrer-Anteil an Verkehrstoten

          Radler leben nicht ungefährlich: 2015 starben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 383 Menschen beim Radfahren. Das ist nach 396 im Vorjahr zwar ein leichter Rückgang, doch im Mehrjahrestrend sinken die Zahlen nicht. Der Radfahrer-Anteil an den Verkehrstoten ist seit 1991 von 8 auf 11 Prozent gestiegen. „Die schlimmsten Ärgernisse für Radfahrer sind zugeparkte, mit Pollern, Werbetafeln oder Baustellen versperrte Radwege“, sagt Krone. „Genauso gruselig: Die täglich erlebte, lebensgefährliche Zumutung, von Autos nur mit Haaresbreite überholt und womöglich auch noch angehupt zu werden.“

          Auf die Sicherheit der Radler haben sich auch einige Unternehmen spezialisiert, die ihre Neuheiten auf der Radmesse präsentieren: So hat ein Hersteller beispielsweise ein System entwickelt, dass die Breite des Fahrrads anzeigen soll. Dabei werden die Leuchten außen am Lenker montiert und projizieren entsprechende rote Linien auf den Boden. Ob solche Systeme in Deutschland überhaupt zugelassen werden, ist laut Branchenexperte Gunnar Fehlau aber unklar: „Der deutsche Gesetzgeber hat eine sehr strikte Regelung für die Beleuchtung“, sagt Fehlau. Manchmal gebe es Lösungen von Unternehmen, die sehr spannend seien, aber in Deutschland schlicht nicht erlaubt.

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