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Kalender für Erwachsene : Durch den Advent mit Bier, Lakritz – oder Sexspielzeug

Ein Paradies – nicht nur für Naschkatzen: Adventskalender werden immer beliebter. Bild: Kerstin Papon

Der Weihnachtskommerz kennt kaum noch Grenzen. Immer mehr Adventskalender wenden sich jetzt auch an Erwachsene. Aber alles hat seinen Preis.

          4 Min.

          Die Weihnachtszeit und ihre Geschenke lassen nicht nur Kinderherzen höher schlagen. Mit einem Adventskalender gibt es gleich 24 mal Bescherung. Dem Charme dieser kleinen Freuden können sich auch immer mehr Erwachsene nicht entziehen. Die Kalender sind daher längst nicht mehr nur für Kinder gemacht. Der Markt boomt. Es ist ein lukratives Geschäft inmitten des ganzen Weihnachtsrummels. Der Phantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt: Flaschen mit Bier oder Whiskey, Sinnliches, Schmuck, Luxuskosmetik oder Werkzeug. All dies macht es dem Schenkenden einfach, falls er angesichts der riesigen Auswahl nicht gleich ganz resigniert. Doch die Sache hat ihren Preis. Die Anbieter lassen sich ihre Ideen und die schillernden Verpackungen oft gut bezahlen – von den Müllbergen, die dies nach sich zieht, ganz abgesehen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Im 19. Jahrhundert fing alles an: Mit 24 Bildern oder Kreidestrichen zum Wegwischen an Wänden. Adventskalender zählen zum christlichen Brauchtum und zeigen die verbleibenden Tage bis zum Fest. Den ersten „Weihnachtskalender“ mit Bildern zum Einkleben soll der Münchner Gerhard Lang 1903 erfunden haben. Später gab es Fenster zum Öffnen – zunächst mit Bildern, dann mit Schokolade. In den 1950ern wurde er zur Massenware.

          17,5 Millionen Schokoladenkalender im Vorjahr

          Inzwischen gibt es fast nichts, das es nicht gibt: Von Blinkern für Angelfreunde, Sämereien für Gartenfans und Münzen oder Briefmarken für Sammler über Variationen von Salz, Pfeffer, Öl, Essig, Wurst oder Grillsaucen bis hin zu Losen, Ostprodukten oder dem täglichen Poster. Auch hier ist Lifestyle wichtig. Es geht um Wellness, Proteinriegel, Müsli, Bio oder Veganes. Ein Kalender für die Weihnachtsstimmung des Hundes oder Hasen darf ebenfalls nicht fehlen. Langweilig klingt es schon fast, wenn es tatsächlich um Schokolade geht, um Literarisches, Musikalisches, Tee, Kaffee oder Kerzen.

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          Offizielle Zahlen gibt es kaum. Laut Marktforscher Nielsen wurden im Vorjahr im Lebensmitteleinzelhandel und in Drogeriemärkten rund 17,5 Millionen Schokoladenkalender verkauft. Alle übrigen Kalender kommen noch dazu. Gerade in diesem Jahr quellen die Geschäfte förmlich über mit all den bunten Stapeln. „Die Nachfrage nach Adventskalendern steigt schon seit einigen Jahren“, sagt Frank Bertsch, Geschäftsführer von Galeria Kaufhof in Frankfurt. Es werde oft das Ausgefallene gesucht. Davon profitierten auch Kalender aus dem Parfümerie-Bereich. Im Vorjahr gingen hier gut 15.000 Adventskalender gefüllt mit Schokolade oder Fruchtgummi über den Ladentisch. Insgesamt machten die Kalender etwa ein Siebtel des Weihnachtsgeschäfts aus. In diesem Jahr setzt das Kaufhaus an der Hauptwache, eine der umsatzstärksten Filialen Deutschlands, auf einen gesonderten Verkaufsraum voller Adventskalender. Bertsch rechnet mit minimalen Restanten, wenn der Advent in gut einer Woche tatsächlich beginnt.

          Eine feste Größe in dem Markt sind inzwischen Kalender mit Parfums, Pflegeprodukten, Seifen oder Schminkutensilien. Die Nachfrage danach sei hierzulande riesig, sagt Julia Sosnizka, Sprecherin von Douglas. Überwiegend sind die Kalender bunt gemischt. Bisweilen unterscheiden sich 24 Lippenstifte oder Nagellacke vor allem in ihrer Farbe. Was im Detail enthalten ist, wird längst nicht immer verraten. Der Haken: Nicht alle Produkte würde man sich auch einzeln kaufen. Vieles landet, neben der aufwendigen Verpackung, einfach im Müll. Wenig transparent ist auch der Preis. Häufig sind die Kalender vor allem mit Miniaturen oder Werbegrößen gefüllt und nur zum Teil mit Originalprodukten. Die weihnachtliche Verpackung kostet zudem.

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