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Imagekampagne 2006 : Deutschland - Land der Streithähne

Mit der WM 2006 will Otto Schily das Image Deutschlands aufbessern Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

„Land der Ideen“ - so wollen Regierung und Industrie zur WM 2006 für den Standort werben. Das Projekt könnte scheitern: Die Industrie hat noch keinen Euro zugesagt. Am 28. Februar kommt es zum Schwur.

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          Michael Rogowski ist ein umtriebiger Mensch. Bis Ende 2004 war der Schwabe Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Doch als Ruheständler fühlt der 65jährige sich noch lange nicht. Zumal er am politischen Leben in Berlin Gefallen gefunden hat, als willkommene Abwechslung zur provinziellen Langeweile seiner ostälblerischen Heimat in Heidenheim an der Brenz.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kein Wunder, daß Rogowski ein glühender Verfechter für eine nationale Standortkampagne im Jahr der Fußballweltmeisterschaft ist - gemeinsam getragen von Industrie und Bundesregierung. Denn als Ex-Industriepräsident soll er die deutsche Wirtschaft beim Projekt „1. FC Deutschland 06“ vertreten. Kein Wunder auch, daß, wenn es Streit gibt, Rogowski schon zum Kompromiß bereit ist, wo andere noch lange hart bleiben würden.

          Von Peinlichkeit zu Peinlichkeit

          Streit um die Initiative gibt es nicht zu knapp. Immerhin müssen mindestens ein Dutzend Interessen unter einen Hut gebracht werden. Noch ist längst nicht ausgemacht, ob die 20 Millionen Euro schwere Kampagne tatsächlich im kommenden Jahr das nahe und ferne Ausland von den Vorzügen Deutschlands überzeugen wird. Zu lange schon schleppt man sich dilettantisch von Peinlichkeit zu Peinlichkeit, immer knapp vorbei am Fiasko.

          Für Deutschland am Ball: Innenminister Otto Schily

          In der kommenden Woche sollen endlich wichtige Entscheidungen fallen: Am Mittwoch wird der Sportausschuß des Deutschen Bundestages informiert - immerhin zehn Millionen Euro soll Sportminister Otto Schily beisteuern. Mindestens den gleichen Betrag verspricht die Industrie. Am 28. Februar schließlich fällt die Entscheidung.

          Präsentation „gnadenlos durchgefallen“

          Das Zanken fängt schon beim Namen „1. FC Deutschland 06“ an. Der ist unterdessen irgendwie politisch verbrannt. Erfunden hat ihn der Regisseur Sönke Wortmann (“Das Wunder von Bern“) zusammen mit der Werbeagentur „Zum Goldenen Hirschen“, die seit Jahren Wahlkampf für die Grünen macht. Anfang November vergangenen Jahres hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder bei einem kleinen Abendessen das Projekt einer Gruppe großkopfiger Unternehmenschefs vorgestellt. Doch die Präsentation der Hirschen war, nach Darstellung mehrerer Teilnehmer, „gnadenlos durchgefallen“.

          Als das Treffen dann auch noch öffentlich bekannt wurde, zuckte die Industrie zurück: Nichts fürchten Manager in Deutschland mehr, denn als Wahlhelfer einer bestimmten Partei geoutet zu werden. Fußball und Bosse - das hätte allzusehr nach Applaus für den Genossen Schröder geklungen. Entsprechend säuerlich reagierte die CDU-Vorsitzende Angela Merkel.

          Wettrennen vor 40köpfiger Jury

          Doch Rogowski gab nicht auf. Gemeinsam mit Schily gelang es ihm, den Bundespräsidenten als Schirmherrn einzubinden, um dem Projekt den Anschein der Neutralität zu geben. Auch die Architektur der Kampagne hat Rogowski längst skizziert. Herausgekommen ist ein ziemlich bürokratischer Wasserkopf. Träger soll eine GmbH werden, geführt von Peter Zühlsdorff und Mike de Vries, den Ex-Managern der gescheiterten Leipziger Olympia-Bewerbung. Während der Personalvorschlag von der Industrie sogleich zerpflückt wurde, beteuert Rogowski: „Herr Zühlsdorff und Herr de Vries haben für die Olympia-Bewerbung Leipzigs einen großartigen Job gemacht.“ Beide seien ideal geeignet, ein Projekt zu steuern, das von Politik und Unternehmen rund um ein großes Sportereignis aufgezogen werde.

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