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Im Porträt: Ron Sommer : Der Schattenkönig

  • -Aktualisiert am

„Emotionen haben im Geschäftsleben nichts zu suchen”, sagt Ron Sommer Bild: AP

Am Montag muss der ehemalige Telekom-Chef Ron Sommer im Telekom-Prozess aussagen. „Er hat nie behauptet, dass die T-Aktie eine Volksaktie ist“, sagt einer aus seinem Dunstkreis. Viele Aktionäre sehen das anders.

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          Keiner geht verloren, sagt ein Sprichwort. Und Sprichworte haben immer recht. Alle dachten, das war's, als Ron Sommer im Juli 2002 als Chef der Telekom abtreten musste. Damals hatten sich die Bundesregierung, das Aktionärsvolk und irgendwie auch der Rest der Welt gegen den smarten Mr. Telekom verschworen. Der Kurs der Volksaktie in Magenta war gestürzt und Sommer gleich mit. Fortan stand der Buchstabe T für Trauma, und das Schicksal von Ron Sommer schien besiegelt: Rente mit 51.

          Denn wer würde noch diesen glücklosen Manager einstellen, der dem ehemaligen Staatskonzern einen Schuldenberg von knapp 70 Milliarden Euro aufgebürdet hatte? Der davon träumte, wie aus dem ehemaligen Staatsbetrieb ein internationaler Konzern würde, aber mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit immer nach den falschen Geschäftspartnern dafür griff? Aber auf manches ist eben Verlass. Zum Beispiel darauf, dass Ron Sommer - der Medienstar unter den Managern, der Vorzeigevorstand der New Economy - eben nicht einfach so sang- und klanglos von der Bildfläche verschwinden würde. Obwohl es zuerst sehr still um ihn wurde und viele erwarteten, dass es so bliebe.

          Ron Sommer hat jetzt mehr Einfluss als früher

          Doch dafür ist Sommer viel zu sehr Stratege. Er weiß, wie man Marken erschafft, und wie man an ihrem Image arbeitet. Er hält heute sogar Vorträge darüber. Freilich lieber im kleinen Kreis. Aber wenn er bei kleineren Firmenevents am Rednerpult steht und sich darüber auslässt, "wie Unternehmen sich ein klares Profil schaffen", wie sie "Mut haben müssen, Zeit und langen Atem auch in turbulenten Zeiten", wenn man in sein entspanntes Gesicht blickt, den fast staatsmännischen Habitus beobachtet und den österreichischen Schmäh hört, weiß man: Manche Dinge ändern sich nicht. Zumindest nicht dieser Mann.

          Ron Sommer brachte die „Volksaktie” 1996 an die Börse

          Er tritt nicht mehr oft öffentlich auf, wie damals, als man ihm nachsagte, er sei über seine Arroganz gestolpert und seine permanente Medienpräsenz. Jetzt macht er wieder Schlagzeilen: Weil er ab morgen, Montag, im Mammutprozess von 16.000 Anlegern gegen die Telekom im Zeugenstand sitzt. Dann muss er sich für das T-Bakel verantworten, und das sei für ihn "kein Spaziergang", sagen Freunde. Er hat viel zu verlieren. Denn er ist nicht der Gestürzte, der jetzt nur noch vor Provinzvorständen seine Reden schwingt. Man kann ihn zwar als Gastredner mieten. Aber Ron Sommer hat jetzt mehr Einfluss als früher. Viel mehr.

          Sommer ist Aufsichtsrat in namhaften Unternehmen

          Er ist nicht mehr am Ruder bei der Telekom, dafür sitzt er als Berater und Aufsichtsrat in namhaften Unternehmen: Motorola, Celanese, Münchener Rück, Blackstone, die traditionsreichste indische Unternehmensgruppe Tata und der russische Mischkonzern Sistema, die Liste seiner jetzigen Arbeitgeber liest sich wie das Who's who der Weltwirtschaft von Europa bis Amerika, von Russland bis Asien. Wie er das geschafft hat?

          Im Grunde ist Ron Sommer selbst eine Marke, ein gut ausgeklügeltes und geschickt am Markt plaziertes Produkt. Seine Markenzeichen heute wie einst: Sommer ist zu allen Jahreszeiten angenehm braungebrannt, trägt tadellose Maßanzüge, "und er sieht auch nach einem 12-Stunden-Arbeitstag so frisch gestylt aus, als habe er gerade erst begonnen", sagen Mitstreiter nicht ohne Bewunderung. "Und er ist absolut integer", sagt ein Freund. Nur magentafarbene Krawatten wird man an ihm heute seltener sehen.

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