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Im Porträt: Postchef Frank Appel : Der Logistiker

Frank Appel möchte, dass sich die Post auf ihr Kerngeschäft konzentriert Bild: REUTERS

Frank Appel, der Vorstandsvorsitzende der Post, hält nichts von Schönrednern. Das passt: Der Konzern macht großen Verlust in Amerika und baut 15.000 Stellen ab. Appel arbeitet nun die Schwachstellen im Konzern konsequent ab.

          Eines mag Frank Appel, der 47 Jahre alte Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, überhaupt nicht: „Wenn Manager Fehler, statt sie einzugestehen und zu korrigieren, schönreden.“ Von dem Verdacht, sich so zu verhalten, wie er selbst es nicht schätzt, kann man Appel in seinem bisherigen Wirken an der Spitze der Post freisprechen: Der promovierte Neurobiologe arbeitet die Schwachstellen im Konzern, der sich unter seiner Führung allein auf sein profitables Kerngeschäft konzentrieren soll, konsequent ab.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Den lange verzögerten Verkauf der Postbank hat er vor einigen Wochen trotz aller Schwierigkeiten an den Weltfinanzmärkten ebenso unter Dach und Fach gebracht wie die für viele tausend Mitarbeiter schreckliche Mitteilung, die Post ziehe sich aus den größten Teilen des Paket- und Expressgeschäfts in den Vereinigten Staaten zurück.

          Qualitätsprobleme verärgerten die Kunden

          Die Stellenabbaupläne der Post waren sogar Thema im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf gewesen; wenige Tage nach der Wahl schafft Appel Tatsachen, denn vom Schönreden hält er ja nichts. Mit diesen Schritten tritt Appel endgültig aus dem Schatten seines Ziehvaters und Vorgängers Klaus Zumwinkel, der am 15. Februar wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung nach 18 Jahren an der Spitze des Konzerns von seinem Posten zurücktreten musste. Denn Zumwinkel hatte die Postbank lange für unverkäuflich erklärt und in Amerika, einem Geschäft, das ihm lieb und vor allem teuer war, immer wieder von der bevorstehenden Wende gesprochen. Das war blauäugig, die Wende ist nie gelungen.

          Eine solche Wende wäre ein Herzensanliegen Zumwinkels gewesen, denn die Aktivitäten in Amerika hatte er sich Schritt für Schritt aufgebaut: 1998 war die Post beim Expressversender DHL eingestiegen und hatte die Tochtergesellschaft 2002 vollständig übernommen. 1999 hatte der Konzern in Amerika zudem Air Express International geschluckt, 2003 folgte die Übernahme von Airborne Express. Der Versuch, den Platzhirschen UPS und FedEx mit diesem Sammelsurium an Übernahmen in ihrem Heimatmarkt Konkurrenz zu machen, scheiterte aber. Qualitätsprobleme verärgerten die Kunden. Als diese behoben waren, sorgte die beginnende Rezession für neue Verluste.

          Frei von jeglicher menschlichen Kälte

          Die Verluste - 5 Millionen Dollar am Tag - waren für das Unternehmen schon lange nicht mehr tragbar. Jetzt zieht Appel einen Schlussstrich, will den Konzern in „schwieriger Zeit wetterfest“ machen. Dazu soll das nationale Luft- und Boden-Express-Geschäft in den Vereinigten Staaten eingestellt werden: Von ursprünglich 18.000 Beschäftigten sollen dort noch 3000 bis 4000 bleiben.

          Die Schicksale, die damit verbunden sind, werden ihn nicht kalt lassen. Denn Appel ist frei von jeglicher menschlichen Kälte: „Ich gehe nicht morgens von zu Hause weg und wechsele den Anzug und sage, jetzt bin ich Manager, und wenn ich abends zur Familie komme, bin ich dann wieder ein anderer Mensch“, hat er einmal gesagt.

          Appel kann sich zugute halten, im Post-Vorstand recht früh erkannt zu haben, dass im Amerika-Geschäft etwas schiefläuft. Doch konnte dagegen unter der Ägide Zumwinkels offenbar zu wenig unternommen werden. Appel handelt nun beherzter und konsequenter als sein Vorgänger, der ihn systematisch zum Nachfolger aufgebaut hatte. Im Jahr 2000 hatte ihn Zumwinkel, der seine Karriere ebenfalls bei McKinsey begonnen hatte, zur Post geholt.

          Vertreter der neuen, jungen deutschen Managerelite

          Mit Hochdruck hat der aus Hamburg stammende Zwei-Meter-Mann in den vergangenen Wochen die Führungs- und Konzernstruktur nun neu organisiert, um das aus vielen Einzelteilen zusammengekaufte Gebilde zu straffen und einfacher lenkbar zu machen. Appel sieht die Zukunft der Post in der Logistik. Um die Logistik zukunftsfähig zu machen, war das Amerika-Geschäft in der alten Form nicht mehr tragbar. Die Logistik liegt Appel naturgemäß am Herzen, hierfür war er schon bei McKinsey zuständig, und nach nur zwei Jahren als Leiter der Konzernentwicklung war Appel auch bei der Post in den Vorstand aufgestiegen, zunächst als Chef der Logistiksparte, dann mit der Zuständigkeit für konzernübergreifende Querschnittsaufgaben. Es war im Wesentlichen Appel, der im Jahr 2005 die Übernahme des britischen Logistikriesen Exel einfädelte und organisierte, mit der sich die Deutsche Post zum größten Logistikkonzern der Welt mauserte.

          Über seinen persönlichen Erfolg ist Appel bescheiden geblieben: Statussymbole mag er nicht. Als er zum Nachfolger Zumwinkels berufen wurde, hieß es gleich, er sei ein Vertreter der neuen, jungen deutschen Managerelite, denen gern die Eigenschaften Internationalität, soziale Kompetenz, analytische Stärke und Teamfähigkeit zugeschrieben werden. Den Gegenbeweis hierzu hat Appel noch nicht erbracht.

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