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Kampf gegen das Coronavirus : Politik in der Pflicht

Die Kurse fallen, die Nervosität steigt. Ein Aktienhändler an der New Yorker Börse. Bild: dpa

An den Finanzmärkten wird ein gemeinsames Interesse der Regierungen schmerzlich vermisst. Das gilt für die transatlantische Zusammenarbeit, aber ebenso für die Zusammenarbeit der Europäer untereinander.

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          An den Finanzmärkten ist die zweite Stufe der Krise ausgebrochen. In der ersten Stufe wurden Ankündigungen von Notenbanken und Regierungen zur Stützung der Wirtschaft und der Börsen grundsätzlich positiv aufgenommen, aber als zu halbherzig bezeichnet. In der zweiten Stufe gelten solche Ankündigungen als Beweis von Hilflosigkeit oder Panik. Diese Erfahrung hat die amerikanische Notenbank zu Wochenbeginn gemacht, nachdem sie überraschend ihren Leitzins noch einmal gesenkt hat und zudem ankündigte, größere Bestände an Anleihen zu kaufen.

          Zwar bezeichnete Donald Trump in einer unmittelbaren Reaktion diese Ankündigungen als eine gute Nachricht für die Börsen. Aber die Anleger sahen das anders: Überall fielen die Aktienkurse ein weiteres Mal sehr deutlich. In Deutschland gab der Dax am Montag vorübergehend um mehr als 10 Prozent nach. An der New Yorker Börse musste der Aktienhandel schon wenige Sekunden nach der Eröffnung unterbrochen werden. Später erholten sich Kurse dann ein Stück weit.

          In dieser zweiten Stufe der Krise tendieren viele Anleger dazu, generell Kapitalanlagen zu verkaufen und ihr Geld auf Bankkonten zu parken, selbst wenn es dort keine Zinsen mehr gibt. Verkauft wurden zum Wochenanfang auch Gold, das entgegen einer Legende ein Krisenschutz von nur geringer Güte ist, sowie erstmals auch Anleihen sehr guter Bonität, darunter auch deutsche Bundesanleihen. Die Kursverluste sind zum Teil heftig, aber eine regelrechte Panik herrscht an den Finanzmärkten anders als nach dem Untergang von Lehman Brothers im Herbst 2008 derzeit nicht. Erste Finanzhäuser raten dazu, langsam wieder Aktien zu kaufen. Das werden sich viele Anleger aber noch nicht trauen.

          Ein guter Plan

          Jede Stabilisierung der Wirtschaft und der Finanzmärkte setzt eine erfolgreiche Bekämpfung des Virus voraus. Bis dahin ist es Ziel der Politik, vor allem Banken und Unternehmen durch Bereitstellung von Liquidität am Leben zu erhalten. Das ist ein guter Plan, aber anders als in der Finanzkrise vor rund zehn Jahren wird ein gemeinsames Handeln der führenden Länder schmerzlich vermisst. Dies gilt für die transatlantische Zusammenarbeit, aber ebenso für die Zusammenarbeit der Europäer untereinander. Auch wenn es aus medizinischen Gründen notwendig sein mag, Grenzen weniger durchlässig zu machen als bisher und auch wenn Gesundheitspolitik überwiegend in die Kompetenz von Nationalstaaten fällt, fehlen Signale für ein gemeinsames Handeln.

          Das hängt auch an Trump, dessen Versuch, sich über das deutsche Pharmaunternehmen Curevac alleinigen Zugriff auf einen in der Entwicklung befindlichen Impfstoff zu beschaffen, zeigt, dass sich der Amerikaner nur für sich interessiert. Aber auch die Europäer schaffen es bisher nicht, geschlossen zu wirken. Die Antwort kann nicht darin bestehen, einfach Geld zu verteilen. Setzt sich die Krise fort, werden an den Finanzmärkten Spekulationen beginnen, ob alle hochverschuldeten europäischen Länder in der Lage sind, in einer Rezession gleichzeitig gegen das Virus und gegen steigende Anleiherenditen zu bestehen.

          Die hohen Bestände an Staatsanleihen in den Büchern vieler europäischer Banken sind ein Grund, warum derzeit die Kurse der Bankaktien so stark fallen. Es wäre fatal, darauf zu vertrauen, dass die Europäische Zentralbank ein weiteres Mal allein die Kastanien aus dem Feuer holen könnte.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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