https://www.faz.net/-gqe-va7q

Im Interview: Kofi Annan : „Afrika stirbt“

  • Aktualisiert am

Kofi Annan Bild: AFP

Kofi Annan kämpft gegen Aids, Malaria und Tuberkulose. 2001 beschloss die Staatengemeinschaft, einen globalen Fonds zu gründen. Jetzt wirbt Annan in Deutschland um die Zukunft Afrikas. Im Interview mit der F.A.Z. spricht er über den Globalen Fonds, Aids und Rote Bete.

          Kofi Annan gilt als Vater des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose. Als Generalsekretär der Vereinten Nationen hatte er sich früh dafür eingesetzt, die drei Krankheiten entschiedener als bisher zu bekämpfen, die jedes Jahr sechs Millionen Menschen töten. Im Jahr 2001 beschloss die Staatengemeinschaft, den Fonds zu gründen. Seitdem wurden 11 Milliarden Dollar zugesagt. Allein in diesem Jahr verfügt der Fonds über 2,7 Milliarden Dollar. Der Gentleman aus Ghana, der nächstes Jahr siebzig Jahre alt wird, leitet die Geberkonferenz in Berlin, von der er sich neue Milliardenzusagen erhofft.

          Herr Annan, sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihres Sprösslings?

          Ja, ich bin sehr stolz. Wenn es losgeht, weiß man nie, wie es sich entwickeln wird. Der Fonds ist schneller gewachsen, als ich gedacht habe.

          „Ich hoffe, dass wir kriegen, was wir brauchen. Der Bedarf ist riesig”

          In Berlin sammeln Sie neue Zusagen ein. Was erhoffen Sie sich?

          Ich hoffe, dass wir kriegen, was wir brauchen. Der Bedarf ist riesig. Ich erwarte, dass wir wenigstens 7 bis 8 Milliarden Dollar zusammenbekommen werden, um unsere Arbeit fortsetzen zu können. Und auch das ist noch nicht das Ende der Geschichte, denn die Nöte wachsen weiter. Im nächsten und übernächsten Jahr sind weitere Zusagen zu erwarten, weil einige Regierungen sich nicht längerfristig binden können. Andere Regierungen haben sich dagegen bis zum Jahr 2015 festgelegt. Das sollte öfter geschehen. Wenn wir wissen, was wir bekommen, können wir besser planen und arbeiten.

          Was erwarten Sie von der deutschen Regierung?

          Die deutsche Regierung hat den Fonds über die ganze Zeit stark unterstützt. Deutschland gehört zu den führenden Nationen, wenn es darum geht, neue Mittel aufzubringen.

          In Ihrer Amtszeit als Generalsekretär der Vereinten Nationen war Amerika immer etwas zögerlich, wenn es darum ging, seine Verpflichtungen gegenüber der internationalen Organisation zu erfüllen. Gegenüber dem Globalen Fonds scheint seine Zahlungsmoral besser zu sein.

          Ich muss sagen, den Fonds haben sie durchaus angemessen unterstützt. Die amerikanische Regierung war die erste, die etwas gegeben hat. Als ich damals Präsident Bush im Weißen Haus traf, gab er mir einen Scheck über 200 Millionen Dollar. Einige Jahre später legte die amerikanische Regierung ein 15-Milliarden-Dollar-Programm auf. Leider arbeitet sie dabei nicht mit dem Fonds zusammen, sondern macht das direkt mit den einzelnen Ländern. Gleichwohl tragen die Amerikaner durchaus Beträchtliches zu unserer Arbeit bei. Wir wissen nicht, was sie in Berlin zusagen werden, aber ich bin mir sicher, es wird mehr sein, als sie bisher geben.

          Wir sprechen über Milliardensummen, die hier aufgebracht werden sollen. Das muss man vor den Steuerzahlern rechtfertigen. Was sagen Sie denen?

          Die absoluten Summen erscheinen enorm, aber gemessen an der Herausforderung, vor der wir stehen, ist es längst nicht mehr so viel. Wir müssen die Krankheiten eindämmen, unter denen Millionen Menschen leiden. Wenn Sie in einem Entwicklungsland in ein Krankenhaus gehen, schauen Sie in Augen, die nach Hilfe suchen. Die Menschen wissen, es gibt Medikamente, die denen helfen, die sie sich leisten können. Sie wissen, dass Aids in Europa und Amerika nicht länger ein Todesurteil ist, aber für sie ist es das immer noch oft. Wir haben daher bei weitem nicht zu viel Geld, sondern immer noch zu wenig.

          Was ist der Schlüssel zum Erfolg im Kampf gegen Aids?

          Entscheidend ist die internationale Solidarität. Die reichen Länder kommen zusammen, um partnerschaftlich über den Fonds mit den armen Länder zusammenzuarbeiten. Der Fonds ermöglicht es nicht nur, von Aids, Malaria, Tuberkulose Betroffene zu behandeln, sondern stärkt auch das Gesundheitssystem in vielen Ländern, das vielfach zusammengebrochen ist und wiederaufgebaut werden muss. Das ist im Interesse von allen. Jedes Jahr fliegen 800 Millionen Menschen durch die Welt, jeder von ihnen kann eine Infektionskrankheit mit sich tragen, ohne es zu wissen.

          Fühlen Sie sich in den betroffenen Ländern ausreichend unterstützt?

          Weitere Themen

          Links unterm Triumphbogen

          Wahlkampf in Amerika : Links unterm Triumphbogen

          Elizabeth Warren begeistert bei einem Auftritt Tausende New Yorker. Die Senatorin will für die Demokraten um das Präsidentenamt kandidieren, strenge Regeln für Lobbyisten und eine neue Vermögenssteuer.

          Indien verbietet E-Zigaretten Video-Seite öffnen

          Todesfälle durch Vaping : Indien verbietet E-Zigaretten

          In letzter Zeit kam es aber vermehrt zu Lungenkrankheiten und sogar Todesfällen, die Ärzte auf das sogenannte Vaping zurückführen. Viele Regierungen stören sich auch daran, dass die Industrie gezielt Jugendliche anspricht.

          Topmeldungen

          Künast hat sich bei zahlreichen Gelegenheiten von der früheren Position mancher Grüner distanziert.

          Hass-Posts gegen Renate Künast : Erlaubt ist alles

          „Stück Scheiße“, „Schlampe“, „Drecksau“ – solche und noch krassere Kommentare prasselten auf Renate Künast ein. Das Landgericht Berlin sieht darin keine persönliche Schmähung, sondern nur zulässige Sachkritik.
          Die Stadt Sassnitz auf der Insel Rügen hat etwa 9000 Einwohner.

          SPD kooperiert mit AfD : „Ich habe da kein schlechtes Gewissen“

          Immer wieder hat die SPD in Bund und Ländern bekräftigt, mit der AfD nicht zusammenarbeiten zu wollen. In Sassnitz auf Rügen reichen die beiden Parteien aber jetzt gleich sieben Anträge gemeinsam ein.

          Prozess um Steuerskandal : Streit über Rolle der Depotbank im Cum-Ex-Wirrwarr

          Der aktuelle Cum-Ex-Prozess am Landgericht Bonn wirft Fragen auf: Wer hätte wann Steuern einziehen sollen? Und wer hätte das wissen müssen? M.M.Warburg und die Deutsche Bank liegen in ihrer Einschätzung sehr weit auseinander.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.