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Im Gespräch: Shai Agassi : „In zehn Jahren fährt jeder Zweite ein Elektroauto“

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Ein Better-Place-Mitarbeiter betankt seinen umgebauten Renault an der Ladesäule mit Strom. Bild: Frank Röth

Für etwa 300 Euro pro Monat will Shai Agassi Autos an Tankstellen mit sauberem Elektrostrom versorgen. Im F.A.S.-Interview erklärt er, warum man ohne Benzin nicht nur ökokorrekt, sondern auch billiger in den Urlaub fahren kann.

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          Herr Agassi, wann fährt die Welt mit Elektroautos?

          Da gebe ich Ihnen eine mutige Prognose: Im Jahr 2020 werden auf der Welt mehr Elektroautos als Benziner und Hybridautos verkauft, in Deutschland übrigens auch.

          Wie wollen Sie denn das schaffen? Elektroautos sind ja furchtbar unbequem: Man kommt nur 200 Kilometer weit, dann muss der Akku stundenlang laden.

          So ist die Physik. Und mit der Physik kann man nicht streiten. Aber wir machen Sie unabhängig davon, wie lange der Akku zum Laden braucht, weil Sie den Akku unterwegs wechseln können. Wir bauen ein Netz von Wechselstationen: Sie fahren hin, in zwei Minuten wird Ihr Akku gegen einen frischen ausgetauscht, und Sie können weiterfahren.

          Shai Agassi: „Wir sind der Dienstleister, der Sie immer mit Strom für Ihr Auto versorgt”

          Das heißt, Sie bauen schnelle Elektrotankstellen?

          Nicht nur. Wir sind der Dienstleister, der Sie immer mit Strom für Ihr Auto versorgt. Wir geben Ihnen eine Ladestation zu Hause und eine bei der Arbeit. Wir kaufen den Strom vom Stromversorger und kümmern uns darum, wann Ihre Batterie geladen wird. Wir kaufen sogar die Batterie, damit Sie sich keine Sorgen um die Batterie machen müssen. Und wir stellen sicher, dass der Strom sauber ist.

          Was kostet Ihr Dienst denn?

          Ungefähr 300 Euro im Monat – das hängt davon ab, wo der Benzinpreis ist, wenn wir auf den Markt kommen. Dafür können Sie bei uns so viel fahren, wie Sie wollen. Ein Viertel der Deutschen bezahlt heute schon mehr für Benzin. Aber vermutlich werden die meisten Deutschen das für ein gutes Geschäft halten, weil der Ölpreis noch weiter steigt.

          Aber das Elektroauto selbst ist teuer.

          Nein. Nehmen Sie mal die gesamten Kosten eines Benziners – also nicht nur die Kosten für Auto und Antrieb, sondern auch für acht Jahre Benzin. Und dann vergleichen Sie das mit den Kosten für ein Elektroauto: das Auto, den Antrieb, den Akku und den Strom. Heute schon hat das Elektroauto mindestens 5000 Euro Kostenvorteil, dazu kommen in einigen Ländern 10.000 Euro Steuervorteil.

          Der Strom wird teurer.

          Aber nicht so schnell wie Öl. Vergleichen Sie mal den Strompreis von 2000 mit dem heute, und dann machen Sie das Gleiche mit dem Ölpreis.

          In Deutschland haben sich Strom- und Benzinpreis gleich entwickelt: Beide haben sich ungefähr verdoppelt.

          Da ist Deutschland ein Sonderfall. In Amerika ist der Strompreis sogar etwas gesunken...

          ... nein, er ist ebenfalls leicht gestiegen.

          Dafür sinken die Kosten für die Akkus. Der richtige Hebel für unser Geschäft ist ein hoher Ölpreis, während die Akkus billig werden.

          Und wie finanzieren Sie Ihre Tankstellen?

          Die sind gar nicht so teuer. Für Deutschland bräuchten wir zum Beispiel 500 Stationen, das kostet ungefähr eine halbe Milliarde – so viel wie die Deutschen in einer Woche für Benzin ausgeben.

          Mit 500 Stationen kommen Sie nicht weit. Es gibt 14.000 Benzintankstellen in Deutschland.

          Wir brauchen gar nicht so viele, denn Sie haben ja noch eine Ladestation zu Hause und eine bei der Arbeit.

          Wie lange kann ich mit einer Batterieladung fahren?

          160 bis 200 Kilometer – das ist der Stand auf dem Markt, von solchen Akkus können wir hunderttausend kaufen. Die Spitzenforschung schafft 600 Kilometer. Aber sogar wenn das auf den Markt käme, würden wir wahrscheinlich trotzdem bei einer 200-Kilometer-Batterie bleiben, weil die billiger ist.

          Aber wenn ich 600 Kilometer in den Urlaub fahre, will ich nicht alle 200 Kilometer anhalten müssen.

          Ok, dann müssen Sie auf Ihrer Urlaubsfahrt ein paar Mal anhalten. Vielleicht passiert Ihnen das sogar fünf Mal. Aber dafür müssen Sie im Alltag gar nicht mehr tanken, weil Ihr Auto bei der Arbeit und zu Hause geladen wird. Heute tanken die meisten Leute einmal in der Woche, 50 Mal im Jahr. Wir versprechen Ihnen: Wenn Sie öfter als 50 Mal im Jahr anhalten müssen, zahlen wir Ihnen Geld – so viel Ihnen Ihre Zeit wert ist. Aber das wird nicht passieren.

          Und wo bekommen Sie so viel sauberen Strom her?

          Bis Ende des Jahres werden wir in zwei Ländern starten: in Israel und in Dänemark. In Israel gibt es genügend Sonne für Solarstrom, in Dänemark genügend Windkraft. Wir können unsere Autos ja dann laden, wenn der Wind weht.

          In Deutschland wird das schwieriger.

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