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Im Gespräch: Henning Kagermann : „Ganz ohne Förderung kommt kein Elektroauto“

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Der ehemalige SAP-Chef Henning Kagermann will die Elektromobilität zum Exportschlager machen Bild:

Seit Mai leitet der ehemalige SAP-Chef Henning Kagermann die Nationale Plattform Elektromobilität. Das Netzwerk aus Managern, Politikern und Wissenschaftlern soll Elektroautos in Deutschland den Weg ebnen.

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          Warum sind Sie dem Ruf von Bundeskanzlerin Angela Merkel gefolgt und haben den Vorsitz der Nationalen Plattform Elektromobilität übernommen?

          Die Aufgabe hat mich zum einen interessiert, weil Elektromobilität einfach eine spannende Sache ist. Zugleich hat dabei aber auch eine Rolle gespielt, dass diese Plattform nach meiner Auffassung ein für Deutschlands Zukunft wichtiges Thema mit der gebotenen Wichtigkeit behandelt: Elektromobilität ist eine tragende Säule der individuellen Mobilität von morgen, wird die Autoindustrie von Grund auf verändern und ist deshalb eminent wichtig für viele hunderttausend Arbeitsplätze in Deutschland. Mit unseren Weichenstellungen haben wir jetzt die Chance, Elektromobilität zu einem neuen Exportschlager zu machen. Außerdem passt die Rolle zu meiner Aufgabe als Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, die Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft voranzutreiben.

          Das erste Elektroauto, das jedermann in Deutschland kaufen kann, wird vom japanischen Autobauer Mitsubishi produziert (siehe: „Die Ära der Elektroautos hat begonnen“). Hat die deutsche Autoindustrie die technische Entwicklung verschlafen?

          Pauschale Aussagen bringen uns bei diesem Thema nicht weiter. Ich habe bei der Beschäftigung mit dem Thema gelernt, dass wir viele Faktoren betrachten müssen. Wir sind zwar in Deutschland momentan nicht bei allen Themen an der Spitze, haben sicherlich beispielsweise bei der Batterietechnik noch Aufholpotential. Aber: Es gibt kein anderes konkurrierendes Land, das in allen Bereichen stärker aufgestellt wäre. Wir müssen also dort, wo andere bisher an der Spitze stehen, konzertiert vorgehen, um den Vorsprung zu verkürzen, und gleichzeitig unsere eigenen Stärken ausspielen. Und die liegen ganz klar in der Systemintegration.

          Startschuss: Angela Merkel und das Elektroauto (im Foto auf der Hannover Messe am 19. April)
          Startschuss: Angela Merkel und das Elektroauto (im Foto auf der Hannover Messe am 19. April) : Bild: APN

          Warum liegt Deutschland in der Batterietechnik hinten?

          Zweifellos richtig ist, dass Deutschland bei den Batterien in den vergangenen Jahren keine führende Rolle gespielt hat. Richtig ist auch, dass wir in den vergangenen Jahren Schlüsselkompetenzen in der Bildung, also etwa die Lehrstühle für Elektrochemie, vernachlässigt haben. Das aber lässt sich korrigieren. Diese Kompetenzen brauchen wir in jedem Fall - ganz unabhängig davon, ob Deutschland auch in der Produktion von Batterien bald wieder eine andere Position einnehmen wird. Auch dafür sehe ich im Übrigen durchaus Perspektiven, denn eine Batterie für das System Elektromobilität muss komplexen Anforderungen genügen - womit wir wieder bei unseren Stärken auf dem Gebiet der Systemintegration wären.

          In China erhalten Käufer eines Elektroautos einen staatlichen Zuschuss von bis zu umgerechnet 6000 Euro. In Deutschland wird dagegen keinerlei Prämie gezahlt. Dennoch will die Bundesregierung bis 2020 mindestens eine Million Elektroautos auf die Straße bringen. Ist das ohne staatlich finanzierte Kaufanreize überhaupt zu schaffen?

          Ja, davon bin ich überzeugt. Prämien sind möglicherweise zwar geeignet, kurzfristige Nachfrageimpulse zu setzen. Was wir aber tatsächlich brauchen, ist eine langfristig wirksame Strategie, kein Strohfeuer. Nach aller Erfahrung gibt es heute schon einen Kernbestand an potentiellen Kunden, für die Elektromobilität mit den ganz konkreten Vorteilen wie lokaler Emissionsfreiheit, weniger Lärm und weniger Belastung durch Luftschadstoffe heute schon eine Alternative sein kann. Dieser Käufergruppe sind die Vorteile auch einen Mehrpreis wert. Wir stehen eben erst am Anfang der Markteinführung; es geht noch längst nicht um den Massenmarkt.

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