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Im Gespräch: Gerhard Cromme : „Ich rate den Managern nur: Mäßigt euch!“

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Den Managern geht es nur gut, weil der Staat mit dem Geld der Steuerzahler die Wirtschaft gerettet hat, sagt Cromme Bild: Edgar Schoepal

Gerhard Cromme ist einer der mächtigsten Männer der deutschen Wirtschaft. Der Multi-Aufsichtsrat lobt den Euro, warnt vor der Linken und verdammt die Frauenquote. Trotz aller Mahnungen: Gesetzliche Gehaltsobergrenzen lehnt er ab.

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          Herr Cromme, wie ernst nimmt die deutsche Industrie die Euro-Turbulenzen?

          Sehr ernst, keine Frage. Das ist sehr besorgniserregend. Gott sei Dank hat die Politik nach einigem Zögern entschlossen gehandelt. Nun haben die Länder mit den größten Verwerfungen hoffentlich genug Zeit, ihre Hausaufgaben zu machen.

          Fürchten Sie einen Börsencrash?

          Entscheidend wird sein, ob die Staaten ihre Defizite und Schulden in den Griff bekommen. Ohne Rettungsschirm wäre die Lage jedenfalls um ein Vielfaches schlimmer, vergleichbar nur mit den Tagen nach Lehman: Die Firmen hätten wohl schlagartig aufgehört zu bestellen, aus purer Unsicherheit.

          Das 750-Milliarden-Rettungspaket war unvermeidlich?

          Es gab keine Alternative. Die Bundesregierung hat richtig gehandelt. Jetzt müssen darüber hinaus allerdings auch die Stabilitätskriterien gestärkt und deren Beachtung besser kontrolliert werden. Außerdem gilt es, bei deren Nichtbeachtung Strafen auszusprechen und die Hilfsmechanismen zu verbessern, wenn es doch noch Probleme gibt.

          Glauben Sie der Politik die Rede von den bösen Spekulanten, gegen deren Angriff der Euro zu verteidigen ist?

          Der Euro ist in der angelsächsischen Welt nie populär gewesen, im Grunde hat man dort immer gehofft, dass er Schwäche zeigen würde. Erfreulicherweise hat er das in den letzten zehn Jahren nie getan, im Gegenteil, der Euro ist trotz der gegenwärtigen Krise eine großartige Erfolgsgeschichte. Im Übrigen bin ich kein Freund von Verschwörungstheorien.

          Steht der Euro nun am Ende?

          Nein. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass der Euro für Deutschland gut, notwendig und richtig ist. Ich mag gar nicht daran denken, was mit der alten D-Mark in dieser Krisenlage passiert wäre: Alle Spekulanten würden in die D-Mark flüchten, die Kurse würden so hochschießen, dass wir als Industrie draußen in der Welt nichts mehr verkaufen könnten.

          Sie halten wacker die Fahne für die Einheitswährung hoch?

          Ja, aus voller Überzeugung. Europa wurde seit jeher durch Krisen geschaffen. Und bei jedem unerfreulichen Ereignis haben diejenigen, denen die europäische Richtung insgesamt nicht passt, gesagt: Jetzt ist es das Ende. Es ist immer anders gekommen. Aus jeder Krise ist Europa gestärkt hervorgegangen.

          Sie glauben nicht, dass die Euro-Zone auseinanderfällt?

          Definitiv nicht. Der Euro wird nicht platzen. Politik und Notenbanker werden alles tun, ein solches Szenario abzuwenden.

          Viele Deutsche fürchten um ihr Geld. Sind wir nicht irgendwann überfordert als Zahlmeister?

          Gerade wir in Deutschland sind die Hauptprofiteure des Euro und der europäischen Einigung. Sie hat uns die friedliche Wiedervereinigung gebracht und wirtschaftlichen Wohlstand. Die Schulden Griechenlands sind auch durch Produkte entstanden, die die Griechen bei uns gekauft haben.

          Speziell bei Thyssen-Krupp.

          Die gesamte Exportindustrie lebt davon, auch Autobranche, Maschinenbau und so weiter.

          Die Exportstärke wird uns von den Nachbarn jetzt vorgehalten, als eine Ursache für die Krise.

          Seien wir froh, dass wir den großen Exportüberschuss in Deutschland haben. Nur deshalb sind wir in der Lage, seit Jahrzehnten dem einen oder anderen in kritischer Situation zu helfen. Außerdem haben wir unsere Wettbewerbsfähigkeit in den vergangenen Jahren auch deshalb verbessert, weil unsere Nachbarn uns dazu intensiv aufgefordert haben. Und drittens verdienen wir so das Geld, das wir als Weltmeister im Reisen in andere Länder tragen.

          Die Euro-Krise hat die NRW-Wahl in den Hintergrund gedrängt. Was wäre Ihre Wunschregierung in Düsseldorf?

          Wir brauchen in jedem Fall eine stabile Regierung, gerade in diesen unsicheren Zeiten.

          Also eine große Koalition?

          Das wäre mit Sicherheit besser als andere Varianten, etwa Rot-Rot-Grün, oder eine Minderheitsregierung, toleriert von der Linken. Diese disparate Truppe können wir uns an der Regierung nicht leisten.

          Wer wäre Ihnen als Ministerpräsident lieber? Herr Rüttgers oder Frau Kraft?

          Wen auch immer die Politik wählt, wir werden mit jedem Ministerpräsidenten konstruktiv zusammenarbeiten. Das war schon immer so.

          (...)

          Die Deutschland AG als Netz gegenseitiger Beteiligungen ist aufgelöst. Wird sie ersetzt durch das Geflecht von Aufsichtsräten? Sie kontrollieren neben Thyssen-Krupp noch Allianz, Siemens und Axel Springer.

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