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Im Gespräch: Bahn-Chef Grube : „Gewinnen wir am Sonntag, bauen wir sofort weiter“

  • Aktualisiert am

Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube Bild: Jens Gyarmaty

Bahn-Chef Rüdiger Grube über die Volksabstimmung zu Stuttgart 21 in einer Woche, seine Hoffnung auf die Grünen und 8000 neue Schneeschipper.

          Herr Grube, nächsten Sonntag stimmt Baden-Württemberg über Stuttgart 21 ab. Eine Zäsur in der Geschichte der deutschen Eisenbahn?

          Es ist eine Entscheidung mit erheblichen Auswirkungen. Nicht nur für die Bahn, auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt.

          Aber für die Bahn besonders. Zu Kaisers Zeiten wurden Bahnstrecken einfach quer durch die Landschaft geschlagen. In der Bundesrepublik entschieden darüber sechs Jahrzehnte lang Parlamente. Und in diesem Fall das Volk direkt.

          Ich sehe diese Volksbefragung durchaus positiv. Es ist wichtig, dass es bei Stuttgart 21 endlich einen Schlussstrich gibt. Allerdings gibt es bindende Verträge. Wer die bricht, muss auch die Konsequenzen tragen. Das müssen alle wissen.

          Mit welchem Ergebnis der Abstimmung rechnen Sie denn?

          Alle Umfragen sagen: Eine Mehrheit, 55 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg, ist für Stuttgart 21. In Stuttgart selbst sind es sogar 60 Prozent. Jetzt kommt es darauf an, dass viele dieser Befürworter auch zur Wahl gehen. Dafür kämpfe ich bis zum Schluss!

          Was machen Sie denn, wenn das Volk Stuttgart 21 kippt?

          Da müsste ein Drittel aller Wahlberechtigten in Baden-Württemberg dafür stimmen, dass das Land seine Zusage für die Finanzierung zurückzieht. Das glaube ich wirklich nicht. Aber wenn, dann muss die Landesregierung entscheiden. Wenn sie bereit ist, rund 1,5 Milliarden Euro für nix und Schadensersatz zu zahlen, dann wird der Bahnhof eben nicht gebaut. Ohne das Land ist der Bau nicht möglich.

          Unter Polizeischutz fährt Mitte November ein Bagger in den Stuttgarter Schlossgarten

          Die Gegner von Stuttgart 21 behaupten, weniger als 350 Millionen Euro...

          Das ist nicht korrekt. Sie haben die Verträge nicht gelesen und den Faktencheck der Schlichtung ignoriert - oder behaupten bewusst das Falsche.

          Vor Gericht würde man sich vermutlich auf einen Wert irgendwo in der Mitte einigen?

          Nein, ein Vergleich in dieser Frage wäre nicht möglich. Bahn, Bund, Stadt und Region Stuttgart müssten schon rein rechtlich auf ihren Forderungen bestehen. Die Menschen in Baden-Württemberg können sich deshalb entscheiden, ob sie 1,5 Milliarden Euro ausgeben und nichts dafür bekommen. Oder 930 Millionen Euro ausgeben und einen der modernsten Bahnhöfe der Welt bekommen. Übrigens die Neubaustrecke nach Ulm käme dann auch nicht.

          Um Stuttgart 21 zu kippen, müssten die Gegner nicht nur die Mehrheit aller Abstimmenden bekommen, sondern ein Drittel aller theoretisch Wahlberechtigten. Was machen Sie denn, wenn die Mehrheit gegen das Projekt stimmt, aber weniger als ein Drittel aller Wahlberechtigten?

          Wenn bei der Volksbefragung dieses sogenannte Quorum nicht erreicht wird, dann ist die Volksabstimmung gescheitert, und der Bahnhof wird gebaut.

          Hält die Bahn das aus, so ein Projekt gegen große Teile der Bevölkerung durchzuziehen?

          Ich gehe davon aus: Wenn die Volksbefragung scheitert, unterstützt uns die Landesregierung bei Stuttgart 21. Das hat der Ministerpräsident zugesagt. Ich nehme ihn da beim Wort. Und wenn die Grünen uns in der Frage unterstützen, wird das den Konflikt befrieden - viele der Projektgegner gehören schließlich zu ihnen.

          Anhänger des Tiefbahnhofs auf dem CDU-Parteitag in Leipzig

          Wie schnell bauen Sie in dem Fall den neuen Bahnhof?

          Wir würden sofort weitermachen. Als Erstes würden wir uns um das Grundwassermanagement kümmern und Anfang kommenden Jahres den Südflügel abreißen. Mit den eigentlichen Tiefbauarbeiten für die Tunnel würden wir im Juli nächsten Jahres beginnen. Der Zeitplan sieht vor, dass wir in zehn Jahren fertig sind. Aber nageln Sie mich da nicht auf den Tag fest.

          Wie groß ist die Gefahr, dass das Projekt an einer Kostenexplosion scheitert - selbst wenn das Volk zustimmt?

          Ich habe dazu immer gesagt, eine Sollbruchstelle in den Verträgen wäre erreicht, wenn die Kosten 4,526 Milliarden Euro übersteigen. Aber da haben wir noch einen Puffer von mehreren hundert Millionen Euro. Jeder, der solche Großprojekte kennt, weiß, dass die Kosten steigen können. Etwa, wenn Stahl erheblich teurer werden sollte. Aber eine ernsthafte Gefahr, dass das Projekt daran scheitern könnte, sehe ich nicht.

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