https://www.faz.net/-gqe-8yoy9

Im Bankenviertel : Vier neue Wolkenkratzer für Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Projekt „Four“: Der holländische Architekt Ben van Berkel hat sich mit seinem Entwurf gegen 15 Konkurrenten durchgesetzt und baut nun vier neue Hochhäuser. In der Foto-Simulation existieren sie schon. Bild: Wolfgang Eilmes

Lange Zeit war das Frankfurter Bankenviertel nach Feierabend menschenleer. Ein neues Großprojekt will das nun ändern – und der Innenstadt neues Leben einhauchen.

          Fast ein halbes Jahrhundert – so lange wurde ein großes Stück im Herzen Frankfurts unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten. Ein über 16.000 Quadratmeter großes Areal, das sich im Privatbesitz der Deutschen Bank befand, direkt am Roßmarkt, nahe der großen Einkaufsstraße Zeil. Anfang der 1970er Jahre entstand dort ein Gebäudekomplex mit düsterer Fassade – ganz dem damaligen Zeitgeist folgend, über den sich die Geister schieden. „An Neues muß man sich halt oft erst gewöhnen, bis es gefällt“, hieß es damals lapidar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Doch diese Episode ist bald Geschichte. Ende des Jahres beginnt auf dem Areal mitten in Frankfurt der Abriss.

          Ben van Berkel ist der Mann, nach dessen Entwurf an dieser Stelle nun etwas ganz Neues entstehen soll. „Das Projekt wird das Frankfurter Zentrum stark verändern“, sagt der holländische Architekt. Hochhäuser sieht er aus seinem eigenen kleinen Bürozimmer in Amsterdam zwar keine. Dafür haben er und sein Team vom „UNStudio“ Tag und Nacht hier gearbeitet, damit in Frankfurt bald vier neue Wolkenkratzer in den Himmel ragen. „Four“ nennt sich passenderweise das Projekt, in das der Immobilienentwickler „Groß & Partner“ knapp eine Milliarde Euro investiert.

          Ein Star der Architekten-Szene

          Van Berkel ist ein Star in der Architekten-Szene und hat Gebäude in über 30 Ländern gebaut, in Deutschland zum Beispiel das Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart. Und doch ist dieses Projekt in Frankfurt etwas ganz Besonderes für den 60-Jährigen: „Frankfurt ist eine wundervolle, kosmopolitische Stadt.“ Seit gut zehn Jahren ist van Berkel mit der Metropole am Main eng verbunden, hat als Dozent in der Städel-Schule Architektur gelehrt und noch immer Freunde und Familienangehörige in der Stadt. Auch dank dieser persönlichen Verbundenheit freut es ihn, dass er den Wettbewerb um das prestigeträchtige Bauprojekt gewonnen hat und das Herz von Frankfurt neu gestalten darf.

          Die Konkurrenz war international und hart, der Holländer setzte sich mit seinem Entwurf schließlich gegen 15 andere Architekturbüros durch. „Ich war mir überhaupt nicht sicher, dass wir den Wettbewerb gewinnen werden“, sagt van Berkel. Doch die Entscheidung der Jury war eindeutig. Als van Berkel die gute Nachricht erhielt, begoss er sie zusammen mit seinem Amsterdamer Team mit ein paar Flaschen Champagner. Frankfurt, so ist van Berkel überzeugt, ist auf einem guten Weg. „Eine Stadt kann Höhen und Tiefen haben. Ich glaube, dass Frankfurt seit ein paar Jahren auf dem Weg nach oben ist.“

          Hier - mitten im Bankenviertel, zwischen Maintower und Commerzbank - sollen die vier neuen Hochhäuser entstehen. Bilderstrecke

          Das Projekt steht symbolisch für den Neuanfang des gesamten Bankenviertels, bei dem der Entwickler „Groß & Partner“, die Stadt Frankfurt und Architekt van Berkel eng zusammenarbeiten. Das Quartier war bisher stark der Arbeit und kaum dem Leben verschrieben. In den Abendstunden sind die Straßen oft menschenleer, und das mitten in der Stadt. Es gibt wenig in der Umgebung, das zum Verweilen einlädt. Diese Atmosphäre steht im völligen Gegensatz zu einem lauen Sommerabend an den Ufern des Mains – van Berkel nennt diese Szenerie den „gespiegelten Strand“. Dieses pulsierende Leben möchte er gerne auf die Innenstadt übertragen und den bisher verschlossenen Komplex am Roßmarkt für alle Bewohner und Besucher Frankfurts öffnen.

          Weitere Themen

          Kuren nach der Schlacht

          Bad Kissingen : Kuren nach der Schlacht

          Eine Wandelhalle, Zwerggalerien, sieben Quellen, 130 Palmen und Offiziere, die zu viel Heilwasser tranken. Ein Besuch im fränkischen Bad Kissingen.

          Topmeldungen

          Die aufgewendete Energie ist enorm, der Ertrag mager: Geförderte Humboldt-Universität in Berlin.

          Exzellenz-Förderung : Noch so ein Sieg

          Ein Wettbewerb, in dem es nur Sieger gibt, ist eigentlich keiner: Welche Universitäten über die Exzellenzinitiative gefördert werden und welche nicht, sagt so gut wie nichts aus.

          Persischer Golf : Vermisst irgendjemand eine Drohne?

          Ein weiterer Zwischenfall im Golf schafft Verwirrung. Iran dementiert amerikanische Angaben über einen Drohnenabschuss. Zugleich macht Teheran ein neues Gesprächsangebot.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.