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Plastik : Illegale Müllexporte auch aus Deutschland?

Ein Junge schwimmt während der Regenzeit im Fluss Mekong in der Stadt Phnom Penh (Kambodscha) neben Müll. Bild: dpa

Immer mehr Länder in Südostasien wehren sich dagegen, die Müllhalde der westlichen Welt zu sein. Dabei geht es vor allem um verbotene Exporte. Auch Deutschland steht unter Verdacht.

          Südostasiatische Länder schicken containerweise Plastikmüll zurück, auch nach Deutschland: Diese Nachricht hat hierzulande zuletzt für Diskussionen gesorgt, denn mit einer Quote von mehr als 30 Prozent gilt Deutschland eigentlich als Recyclingweltmeister und trotz des hohen Abfallaufkommens als vorbildliche Müllnation. Doch auch Deutschland exportiert jährlich rund eine Million Tonnen Kunststoffabfälle ins Ausland, das ist etwa ein Sechstel des Gesamtaufkommens. Damit liegt das Land hinter Japan und Amerika auf Platz drei der größten Plastikmüllexporteure der Welt. Das ist nicht grundsätzlich verboten: Die Ausfuhr von Recyclingrohstoffen ist erlaubt, solange diese im Zielland weder die Gesundheit von Menschen noch die Umwelt gefährden.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seit China die Einfuhr von Plastikabfällen drastisch eingeschränkt hat, werden die Abfälle vermehrt nach Südostasien gebracht. Malaysia avancierte innerhalb kürzester Zeit zum größten Plastikmüllimporteur der Welt, mehr als 130.000 Tonnen kamen im Jahr 2018 allein aus Deutschland. Doch nach der ersten Euphorie häufen sich inzwischen die Berichte von ganzen Schiffsladungen an illegalen Abfällen, die, als wiederverwertbar deklariert, in die Länder geschmuggelt werden. Erst diese Woche forderte Kambodscha Kanada und die Vereinigten Staaten auf, 1600 Tonnen Plastikmüll zurückzunehmen.

          In welchem Ausmaß Deutschland in all diese Fälle verwickelt ist, ist nicht ganz klar. Fest steht: Nichtregierungsorganisationen und Umweltverbände haben auch deutschen Müll auf Deponien entdeckt, vor allem in Malaysia. Sowohl das Bundesumweltministerium als auch das Umweltbundesamt (UBA) machen auf Anfrage der F.A.Z. dazu keine genaueren Angaben. „Bei den Abfällen handelt es sich auch um illegale Verschiffungen“, sagt ein Sprecher des Ministeriums. „Dieser Müll muss zurückgenommen werden und wir fordern die Länder auch dazu auf, ihn zurückzuschicken.“ Das Ministerium stehe in engem Austausch mit den Botschaften der betroffenen Staaten. Müllexporte beträfen zudem vor allem Abfälle aus Gewerbe und Industrie und weniger Verpackungsabfälle, wie es immer wieder suggeriert würde. Ein Sprecher des UBA sagt, man sei von keiner Behörde eines südostasiatischen Landes über illegale Müllexporte aus Deutschland informiert worden. Eine Kontaktaufnahme mit Malaysia habe bislang zu keinem Ergebnis geführt.

          Hoffnung „Basler Übereinkommen“

          Laut dem Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) ist Deutschland bis auf einen Fall in Indonesien von keinen Rücksendungen betroffen. „Grundsätzlich gilt, dass der Export von Müll verboten ist“, teilt ein Sprecher mit. Um illegale Exporte zu unterbinden, müssten der Vollzug und die Kontrollen verschärft werden.

          Ein Sprecher des deutschen Recyclingunternehmens Remondis sagt auf Anfrage der F.A.Z., die Reaktionen der südostasiatischen Länder seien ein „Weckruf für die europäische Kreislaufwirtschaft“. Es sei unsinnig, Kunststoffabfälle zu exportieren, denn sie seien wichtige Wertstoffe. „Das Problem ist die Recyclingkapazität: Die Anlagen in Deutschland arbeiten am Anschlag.“ 

          Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der zahlreiche städtische Müllentsorger vertritt, macht sich sogar für ein Verbot von Plastikmüllexporten stark, wenn die Recyclingstandards im Zielland nicht den deutschen Standards entsprechen. „,Aus den Augen, aus dem Sinn‘ ist keine Lösung“, sagt ein Sprecher des Verbands. Als guten Schritt begrüßt der Verband das „Basler Übereinkommen“, das im Mai auf Ebene der Vereinten Nationen ausgehandelt wurde. Ihm zufolge soll ab 2021 der Export von schwer recycelbarem Plastikmüll in Entwicklungs- und Schwellenländer verboten werden. Als schwer recycelbar gilt Müll, der nicht sortiert, verunreinigt oder mit anderen Abfallarten vermischt ist.

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