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„IKT 2020“ : Milliardenförderung für die Informationstechnik

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Bild: F.A.Z.

Bundeskanzlerin Merkel will mit einem weiteren Gipfeltreffen zur Informations- und Kommunikationstechnologie die gemeinsamen Anstrengungen von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zur Innovationsförderung voran treiben.

          Mit einem zweiten Gipfeltreffen zur Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) will die Bundesregierung die gemeinsamen Anstrengungen von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zur Innovationsförderung voran treiben. Dies kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) während der Eröffnung der Computermesse Cebit am Mittwoch Abend in Hannover laut Redetext an. Das Treffen soll Ende des Jahres stattfinden. Merkel sagte, es sei keine Selbstverständlichkeit, dass Hochtechnologie und innovative Dienstleistungen das Aushängeschild der deutschen Wirtschaft seien: „Schließlich kehren andere Länder ihre Innovationskraft nicht einfach unter den Teppich.“

          Merkel forderte eine Innovationsoffensive, in deren Rahmen der Informations- und Kommunikationstechnologie eine Schlüsselfunktion zukomme. „Diese Branche ist der Wachstumstreiber für nahezu alle Bereiche unserer Wirtschaft und sie ist einer der bedeutendsten Arbeitgeber in Deutschland.“

          „Sicher etwas mehr erwartet“

          Die Bundeskanzlerin nahm auch die Wirtschaft in die Pflicht. Wenn das Ziel, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bis zum Jahr 2010 auf drei Prozent der Wirtschaftsleistung zu erhöhen, erreicht werden solle, müsse die Wirtschaft zwei Drittel und damit den größeren Teil dazu beitragen. Die Bundesregierung selbst werde bis zum Jahr 2009 rund 15 Milliarden Euro dafür zur Verfügung stellen. So wird das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Informations- und Kommunikationstechnik in den kommenden fünf Jahren mit 1,5 Milliarden Euro fördern.

          Das Forschungsprogramm „IKT 2020“ soll besonders technische Entwicklungen im Automobil- und Maschinenbau, in der Medizintechnik, der Logistik sowie im Energiesektor fördern. Zudem stehen rund 1,5 Milliarden Euro bis Ende 2011 für die Förderung wissenschaftlicher Institute und bis 2013 weitere 1,3 Milliarden Euro aus EU-Fördertöpfen bereit. Der Präsident des Branchenverbandes Bitkom, Willi Berchtold, begrüßte das Förderprogramm grundsätzlich. Angesichts der strategischen Bedeutung der Informationstechnik habe sich die Branche aber „sicher etwas mehr erwartet“.

          Marktvolumen soll steigen

          Der deutsche IKT-Markt wächst so stark wie seit langem nicht mehr. Zu dieser Einschätzung kommt der Branchenverband Bitkom, der vor Eröffnung der Cebit seine Marktprognose für dieses Jahr erhöht hat. Statt eines Wachstums von 1,6 Prozent rechnet Bitkom-Präsident Berchtold nun mit 2 Prozent Zuwachs und mit einer Marktgröße von 149 Milliarden Euro. Und im kommenden Jahr soll bei konstanter Wachstumsrate das Marktvolumen auf 152 Milliarden Euro steigen.

          Während der Umsatz im Telekommunikationsmarkt trotz steigender Absatzzahlen stagniere, sei die Informationstechnik mit einem Marktanteil von 49 Prozent und Zuwachsraten von 3,5 Prozent Wachstumstreiber für die Gesamtbranche, sagte Berchtold. Besonders stark würden Software und Dienstleistungen nachgefragt. Aber auch digitale Unterhaltungselektronik verzeichneten Zuwächse von 6,5 Prozent. Geschäftskunden und Privatkunden zeigten sich gleichermaßen kaufbereit, sagte Berchtold, der keinen Grund für eine abnehmende Investitionsbereitschaft für das Jahr 2008 sieht. Einzig die Nachwuchssorgen würden das Bild trüben. Von derzeit 20.000 offenen Stellen in der Informationstechnik ist die Rede.

          Ingenieure: 22.000 offene Ingenieurstellen

          Den Hauptgrund für den Fachkräftemangel sieht Berchtold in der Nachwuchsausbildung: Zu wenig Schulabgänger hätten Interesse an einem Informatikstudium oder würden ein begonnenes Studium wieder abbrechen. Berchtold fordert stärkere Investitionen in das Bildungssystem: „Die Wirtschaft braucht mehr technisch orientierte Hochschulabsolventen.“

          Auch die Ingenieure klagen über Nachwuchssorgen. „Wir haben 22.000 offene Ingenieurstellen“, sagte Willi Fuchs, Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), in Hannover. Vor allem Maschinenbauer, Elektroingenieure sowie Architekten und Bauingenieure würden gesucht. Auch in den Ingenieurswissenschaften sei die Zahle der Studienanfänger rückläufig.

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