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Tarifrunde : IG Metall verzichtet auf konkrete Lohnforderung

Produktion des Porsche 718 Cayman: Die Autoindustrie steht vor einem gewaltigen Umbruch. Bild: dpa

Angesichts des schwierigen Umbruchs insbesondere in der Automobilindustrie schlägt die Gewerkschaft den Arbeitgebern ein ungewöhnliches Vorgehen vor. Das Ziel: Arbeitsplätze sichern.

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          Die Gewerkschaft IG Metall ist angesichts des schwierigen Umbruchs insbesondere in der Automobilindustrie bereit, in der anstehenden Tarifrunde zunächst auf eine konkrete Lohnforderung zu verzichten. Stattdessen will sie mit den Arbeitgebern möglichst zügig darüber verhandeln, wie die Arbeitsplätze in der Metall- und Elektroindustrie mit ihren insgesamt rund 4 Millionen Beschäftigten gesichert und die Mitarbeiter weitergebildet werden können. Zu diesem Zweck schlage die Gewerkschaft den Arbeitgebern ein „Moratorium für einen fairen Wandel“ vor, sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann am Freitag in Frankfurt.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Im Zuge eines solchen Stillhalteabkommens sollen die Arbeitgeber darauf verzichten, einseitig Personal abzubauen, Produkte zu verlagern oder Standorte zu schließen. Wenn Unternehmen den Arbeitsumfang ihrer Mitarbeiter reduzieren, soll dies zunächst über Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit erfolgen, wobei die Arbeitgeber das von der Arbeitslosenversicherung finanzierte Kurzarbeitergeld aufstocken sollen. Im Gegenzug sei die Gewerkschaft bereit, in allen Tarifbezirken sofort in Verhandlungen einzusteigen, sagte Hofmann. Das Ziel seien betriebliche Zukunftstarifverträge, in denen konkrete Investitionen und die Herstellung bestimmter Produkte festgelegt werden sollen.

          Frist bis zum 3. Februar

          Hofmann setzte den Arbeitgebern eine Frist bis zur nächsten Vorstandssitzung der IG Metall am 3. Februar. Sollten diese sich nicht auf das Moratorium einlassen, sei der Verzicht auf eine Lohnforderung vom Tisch, sagte er. Die Tarifrunde nehme dann ihren gewohnten Gang und könne nach Ablauf der Friedenspflicht Ende April auch Streiks beinhalten.

          Erste Reaktionen der Arbeitgeberverbände deuten allerdings darauf hin, dass sie den Vorschlag der Gewerkschaft wohlwollend aufnehmen, wenngleich sie darüber noch in ihren jeweiligen Gremien beraten müssen. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall teilte mit, der Wandel könne gelingen, wenn die Sozialpartner „zusammen weiterdenken“. Auch der Chef der nordrhein-westfälischen Arbeitgeberverbände Arndt G. Kirchhoff lobte, das Vorgehen der IG Metall berge nach den Erfahrungen aus den Jahren 2009 und 2010 „eine Chance für die Unternehmen und die Beschäftigten unserer Branche“. Damals hatte die Gewerkschaft im Zuge der großen Wirtschaftskrise schon einmal auf eine konkrete Lohnforderung verzichtet.

          IG-Metall-Chef Jörg Hofmann

          Etwas zurückhaltender fiel das Statement von Bertram Brossardt aus, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Stillhalten bedeute, „dass es zu keinen Kostensteigerungen kommen darf und der unausweichliche Strukturwandel nicht behindert wird“, sagte er.

          Für einen neuen Weg in den Tarifverhandlungen spricht auch, dass IG Metall und Gesamtmetall vergangene Woche in einem ungewöhnlichen Schritt gemeinsame Forderungen an die Politik formuliert haben. Sie pochen vor allem auf einen leichteren Zugang zur Kurzarbeit und mehr Weiterbildungsförderung für die Beschäftigten, um die Digitalisierung und den Wandel zur Elektromobilität zu bewältigen. Hofmann machte in Frankfurt aber deutlich, dass er in den Tarifgesprächen auch auf eine Entgelterhöhung pochen wird. Die Kaufkraft der Beschäftigten müsse gestärkt werden, sagte er, und stellte auch klar: „Das kann ein Streitpunkt werden“. Die IG Metall zählte Ende 2019 rund 2,26 Millionen Mitglieder, 8000 weniger als ein Jahr zuvor.

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