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Furcht vor Übernahmen : „China kann uns überrollen“

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Kuka wurde 2016 vom chinesischen Konzern Midea übernommen. Bild: dpa

Chinesische Investoren greifen nach immer mehr deutschen Unternehmen, gerade in Schlüsselindustrien. Nicht nur die IG Metall fordert jetzt eine Gegenstrategie.

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          Die Gewerkschaft IG Metall fordert angesichts der Einkaufstour chinesischer Investoren bei deutschen Hightech-Unternehmen eine zügige und wirksame Gegenstrategie. „Die zunehmenden Übernahmen deutscher Unternehmen in Schlüsselindustrien können gefährlich werden“, sagt Wolfgang Lemb, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. „Dahinter steckt eine strategische Ausrichtung Chinas. Das darf man nicht unterschätzen.“

          Die Politik müsse bei Übernahmen sehr viel genauer hinschauen, sagt Mikko Huotari, Leiter des Programms internationale Beziehungen beim China-Forschungsinstituts Merics in Berlin. „Es ist der letzte Moment zu handeln. China kann uns überrollen. Das haben wir bei der Solarenergie gesehen. Das ist ein Muster, das sich jetzt vielfach auch in anderen Industrien, wie beispielsweise in der Robotik-Branche, wiederholen kann.“ Europa und Deutschland müssten sich stärker Gedanken machen über sicherheitsrelevante Bereiche etwa in der Halbleitertechnologie, bei kritischer Infrastruktur, Schlüsseltechnologien oder im Bereich der Datensicherheit.

          Gegen manche Übernahmen kann der Bund ein Veto einlegen

          Chinesische Investoren greifen immer mehr nach deutschen Unternehmen, vor allem in Schlüsseltechnologien wie der Robotik, im Maschinen- und Anlagenbau oder in der Biomedizin. Am meisten Aufsehen erregte bislang 2016 die milliardenschwere Übernahme von Kuka, einem der technologisch führenden Hersteller von Robotern für die Industrie. Käufer war der chinesische Konzern Midea. Aktuell will ein chinesischer Großaktionär den Autozulieferer Grammer übernehmen.

          Sowohl auf deutscher als auch EU-Ebene wird derzeit darüber diskutiert, Firmenübernahmen durch chinesische Investoren zu erschweren. Der Bund kann bisher über das Außenwirtschaftsgesetz ein Veto gegen Übernahmen einlegen, wenn sicherheitspolitische Interessen berührt sind. Geprüft werden darf, wenn Anteile von 25 Prozent an einer deutschen Firma zum Verkauf stehen. Das Wirtschaftsministerium prüft nun, diese Schwelle zu senken. Lemb sprach sich dafür aus, dass künftig schon bei einer Beteiligung von zehn Prozent der Einstieg eines ausländischen Investors geprüft werden kann.

          Nötig seien aber außerdem massive industriepolitische Anstrengungen in Deutschland und Europa, sagte Lemb. Noch gebe es einen Vorsprung bei Hochtechnologien, etwa im Maschinen- und Anlagenbau. „Wenn wir diesen verlieren würden, dann hätte das substanzielle Auswirkungen auf die Industrie in Deutschland insgesamt.“ Die Politik müsse mehr tun, der Handlungsdruck sei sehr hoch. „Wir brauchen eine zielgerichtete Gegenstrategie, unter Beteiligung der Gewerkschaften und Arbeitgeber. Eine solche Strategie könnte zum Beispiel im Bündnis Zukunft der Industrie entwickelt werden.“

          Elf Milliarden Euro für deutsche Unternehmen

          Huotari sagte, die EU könne der chinesischen Strategie „Made in China 2025“ bisher nur wenig entgegensetzen. Europa aber müsse die Anstrengungen bei der Künstlichen Intelligenz und anderen Zukunftstechnologien massiv ausbauen.

          China will in vielen Sektoren mit massiven staatlichen Subventionen die Technologielücke zu westlichen Firmen zu schließen und selbst Weltmarktführer hervorbringen. Bis 2049, zum 100. Geburtstag der Volksrepublik, soll das Land zu einer Industrie-Supermacht aufsteigen. 2017 gaben chinesische Investoren mit insgesamt umgerechnet rund 11 Milliarden Euro eine Rekordsumme für Firmenübernahmen und -beteiligungen in Deutschland aus, wie eine Untersuchung der Beratungsgesellschaft EY ergeben hatte. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ergab, mehr denn je seien Technologiefirmen das Ziel chinesischer Investoren.

          Lemb sagte außerdem, die IG Metall sehe chinesische Investitionen in deutsche Unternehmen heute wesentlich kritischer als noch vor zwei oder drei Jahren. Die Gewerkschaft stelle mittlerweile fest, dass die Zusammenarbeit mit chinesischen Investoren und Eignern in den Betrieben schwieriger werde. Es gehe etwa um Tarifbindung und Akzeptanz der Mitbestimmung.

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