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Metall-Tarifstreit : „Null Komma null ist keine Verhandlungsbasis“

  • Aktualisiert am

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann auf einer Protestkundgebung in Baden-Württemberg Bild: dpa

In drei Wochen soll es einen Tarifabschluss für die Metallbranche geben. Die Gewerkschaften trommeln, dass sich die Arbeitgeberseite endlich bewegen soll. Doch die schweigt.

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          Unmittelbar vor der nächsten Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall abermals ein Angebot von den Arbeitgebern verlangt. „Wir wollen bis Ostern zu einem Ergebnis kommen“, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft, Jörg Hofmann, der „Bild am Sonntag“. „Aber die Arbeitgeber müssen jetzt endlich mal ein Angebot vorlegen. Null Komma null ist keine Verhandlungsbasis.“

          An diesem Montag (15.3.) könnte sich herausstellen, wo die Verhandlungen vertieft werden sollen. Dann wird in Düsseldorf wieder verhandelt – erstmals in einer fünften Verhandlungsrunde. Das Tarifgebiet Nordrhein-Westfalen gilt als möglicher Pilotbezirk für eine Einigung, die dann auch in den anderen Gebieten übernommen werden könnte.

          Die Gewerkschaft fordert für die bundesweit rund 3,8 Millionen Beschäftigten vier Prozent mehr Lohn – wo es in einem Betrieb schlecht läuft, auch in Form von Lohnausgleich bei einer auf vier Tage abgesenkten Arbeitszeit. Die Arbeitgeber haben in den regional geführten Verhandlungen bislang Lohnerhöhungen frühestens für das Jahr 2022 in Aussicht gestellt und automatische Abweichungen vom Tarifniveau für schwächere Betriebe verlangt.

          Warnstreiks trotz Corona

          Trotz Corona hat Deutschlands größte Gewerkschaft seit dem Ende der Friedenspflicht Anfang März bereits mehr als 400.000 Beschäftigte für Warnstreiks mobilisiert. Die Protestaktionen gegen den Kurs der Arbeitgeber gehen nun in die dritte Woche. Die Gewerkschaft sieht sich damit auch unter den Bedingungen der Pandemie handlungsfähig. „Das werden wir in den nächsten Wochen noch deutlicher machen“, kündigte Hofmann an.

          Er machte deutlich, dass sich die Unternehmen höhere Entgelte leisten könnten. „Die Krise ist für viele Unternehmen vorbei. Deren Kapazitäten sind fast vollständig ausgelastet, viele fahren Sonderschichten. Die Kernbranchen wie Fahrzeugbau oder Stahl verdienen wieder kräftig“, sagte Hofmann. Die Arbeitgeber argumentieren dagegen bislang mit einer starken wirtschaftlichen Spreizung zwischen einigen florierenden Betrieben und einer größeren Mehrheit, die eine problematische Geschäftsentwicklung aufweise.

          Festhalten will die IG Metall auch an ihrem Ziel, auch in Ostdeutschland die Angleichung der Tarifbedingungen durchzusetzen. „Es kann nicht sein, dass selbst in der wirtschaftsstarken Metall- und Elektrobranche ein Arbeiter im Osten für weniger Geld in der Stunde rackern muss als ein Arbeiter im Westen“, sagte Hofmann. „Dieses Relikt aus der Wendezeit gehört in dieser Tarifrunde endlich abgeräumt.“

          Seit mehr als zwei Jahrzehnten kämpft die IG Metall für die 35-Stunden-Woche im Osten, denn so lange schon gibt es sie in den westdeutschen Bundesländern. Doch selbst Streik-Aktionen wie zuletzt im Jahr 2003 brachten keinen Durchbruch: Auch im derzeit gültigen Flächentarifvertrag sind weiter 38 Wochenarbeitsstunden festgeschrieben und damit drei Stunden mehr als im Westen. Zuletzt war darüber 2019 ohne Ergebnis verhandelt worden.

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