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IfW Kiel : Deutschland gibt zu wenig für Bildung, Forschung und Infrastruktur aus

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Mehr Mittel für Bildung, Forschung und die Infrastruktur: Das fordert das Kieler Institut für Weltwirtschaft. Bild: dpa

In Deutschlands Haushaltspolitik spielen wichtige Investitionen eine untergeordnete Rolle. Zu diesem Schluss kommt das Kieler Institut für Weltwirtschaft. Es empfiehlt eine agilere und experimentierfreudigere Innovationspolitik.

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          Die Bundesregierungen seit dem Jahr 2000 haben einer Studie zufolge in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich mehr Haushaltsmittel in Sozialausgaben und Finanzhilfen statt in Infrastruktur und Bildung gesteckt. Dominierender Posten seit 2000 seien Sozialausgaben mit einem Anteil zwischen 35 und teils mehr als 40 Prozent gewesen, geht aus der am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) hervor. Dagegen seien etwa im vergangenen Jahr weniger als ein Viertel aller Haushaltsmittel für unmittelbar produktive Zwecke in Gegenwart oder Zukunft eingeplant worden. Einen sprunghaften Anstieg habe es bei Subventionen in Form von Finanzhilfen gegeben.

          „Der Staat steht gegenüber seiner Bevölkerung in der Pflicht, seine knappen Mittel so einzusetzen, dass Wohlstand erhalten oder vermehrt wird und kontraproduktive Effekte durch öffentliche Ausgaben vermieden werden“, sagte IfW-Subventionsexperte Claus-Friedrich Laase. „Unsere Analyse zeigt, dass gerade die für einen hohen Lebensstandard nötigen Investitionen in Bildung und Forschung nur eine sehr untergeordnete Rolle in Deutschlands Haushaltspolitik spielen.“ Auch für den Standort wichtige Ausgaben für die Infrastruktur würden vergleichsweise gering ausfallen – „was sich an ihrem teils besorgniserregenden Zustand anschaulich widerspiegelt“. Mehr Mittel für Bildung und Forschung, die Infrastruktur sowie für Staatsorgane und Verwaltung seien angebracht.

          „Deutschland muss auf seine Stärken aufbauen“

          Auch die Industriestaaten-Organisation OECD hat in dieser Woche mehr Investitionen empfohlen, etwa in die digitale Infrastruktur. Nur so sei die Führungsposition in traditionellen Kernbranchen wie der Autoindustrie, dem Maschinenbau sowie der chemischen und pharmazeutischen Industrie zu verteidigen, geht aus dem Länderbericht hervor. „Deutschland muss auf seinen Stärken aufbauen und eine agilere, risikotolerantere und experimentierfreudigere Innovationspolitik entwickeln, die Risikobereitschaft fördert und das Land in die Lage versetzt, in den digitalisierten und ökologischen Branchen der Zukunft eine Führungsrolle zu übernehmen“, sagte OECD-Generalsekretär Mathias Cormann.

          Dem von den Kieler Forschern herausgegebenen Ausgabenmonitor zufolge umfassen die Umverteilungsausgaben im vergangenen Jahr (Planhaushalt) 269,5 Milliarden Euro. Das entspreche 57,5 Prozent aller Ausgaben. Davon seien 173,1 Milliarden Euro oder 36,9 Prozent auf die Sozialausgaben entfallen. 87,2 Milliarden oder 18,6 Prozent flossen als Subventionen in Form von Finanzhilfen. Die Bundesausgaben mit Produktionseffekten in der laufenden Periode summieren sich demnach auf 76,2 Milliarden Euro (16,3 Prozent).

          Davon seien 41,6 Milliarden für äußere und innere Sicherheit vorgesehen (Verteidigung und Polizei). 18,8 Milliarden Euro fließen in die Infrastruktur, davon beispielsweise 11,3 Milliarden in Bundesfernstraßen und 1,4 Milliarden in Digitalisierungsprojekte des Bundes wie eine moderne Verwaltung. Bundesausgaben mit Produktionseffekten für die Zukunft – das sind im Wesentlichen Mittel für Grundlagenforschung und Bildung – wurden 2021 mit 30,2 Milliarden Euro veranschlagt, was einem Anteil von 6,4 Prozent entspricht.

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