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IfW-Prognose : Wirtschaft soll nächstes Jahr wieder stärker wachsen

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Nach einem schwächeren Jahr soll es 2020 wieder mehr Wirtschaftswachstum geben. Fachkräfte, wie hier bei Porsche, gibt es aber weiterhin zu wenige. Bild: dpa

Für 2019 hat das Institut für Weltwirtschaft seine Prognose nach unten korrigiert. Nächstes Jahr soll die Konjunktur aber wieder anziehen – trotz Fachkräftemangel.

          Die Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) sagen der deutschen Wirtschaft für das kommende Jahr ein deutlich stärkeres Wachstum voraus. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2020 um 1,8 Prozent zulegen, wie das IfW am Mittwoch mitteilte. „Diese Beschleunigung ist aber vor allem der deutlich höheren Zahl an Arbeitstagen geschuldet.“

          Für das laufende Jahr kappten die Regierungsberater wie zuletzt schon andere Banken und Forscher ihre Prognose dagegen kräftig von 1,8 auf 1,0 Prozent Wachstum. „Die deutsche Konjunktur hat einen Gang zurückgeschaltet.“ Dazu beigetragen hätten zwar vor allem Sondereffekte wie die Probleme der Autobauer mit dem neuen Abgasmessverfahren WLTP sowie die niedrigen Pegelstände des Rheins. „Allerdings hat sich die konjunkturelle Dynamik auch abgesehen davon verlangsamt.“

          Grund für schlechtere Geschäftsaussichten sei das außenwirtschaftliche Umfeld, „das von einer ausgesprochen hohen politischen Unsicherheit geprägt ist“. Dies belaste die Ausfuhren. „Auch die Investitionsfreude der Unternehmen hat sich trotz der weiterhin recht hohen Kapazitätsauslastung zuletzt eingetrübt.“ Zudem behinderten Kapazitätsengpässe offenbar die Produktion. So gebe es ungewöhnlich viele Unternehmen, „die über Produktionsbehinderungen aufgrund von Fachkräftemangel und Knappheiten bei Material und Ausrüstungen klagen“.

          Britische Einwanderer könnten helfen

          Trotz Konjunkturflaute und düsterer Aussichten wächst der Fachkräftemangel in der deutschen Wirtschaft. 49 Prozent der mehr als 23.000 befragten Unternehmen können offene Stellen längerfristig nicht besetzen, weil sie keine passenden Arbeitskräfte finden, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervorgeht. Vor einem Jahr sagten dies 48 Prozent. „Die zunehmende Entkopplung von Konjunkturverlauf und Personalnachfrage ist ein Zeichen der angespannten Fachkräftesituation in den Unternehmen“, erklärte der DIHK. „Sie versuchen, Personal zu gewinnen und zu halten.“ Besonders die Baubranche sucht händeringend nach Mitarbeitern, aber auch Industrie, Dienstleister und Handel.

          Besonders große Schwierigkeiten bei der Suche nach geeignetem Personal haben die Mittelständler. Stark zugenommen haben diese Probleme aber auch in Großunternehmen. „Da diese bei Bewerbern vielfach als attraktive Arbeitgeber gelten und zudem in der Regel über mehr Ressourcen für das Recruiting verfügen, ist diese Entwicklung ein Indiz für die Zunahme von Fachkräfteengpässen insgesamt“, betonte der DIHK. Gesucht werden vor allem beruflich Qualifizierte. Mehr die Hälfte der Betriebe ist grundsätzlich interessiert, Fachkräfte auch aus dem Nicht-EU-Ausland einzustellen.

          Um der Lage Herr zu werden, plädiert der DIHK für einen Ausbau der Kinderbetreuungsmöglichkeiten, um mehr Frauen in Lohn und Brot zu bringen. Auch sollten die Betriebe Älteren eine längere Erwerbstätigkeit ermöglichen. Ebenso müssten für die Integration Geflüchteter mehr Anstrengungen unternommen werden.

          Die deutschen Unternehmen schielen außerdem auch auf Fachkräfte aus Großbritannien, dessen geplanter EU-Austritt näher rückt. „Sie fangen vereinzelt an, ihre Fühler auszustrecken“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks. „Es kann durchaus attraktiv sein für deutsche Unternehmen.“ Wie viele EU-Bürger Großbritannien wegen des Brexit den Rücken kehren könnten, sei aber unklar.

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