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Neue Ifo-Zahlen : Noch eine Million Menschen in Kurzarbeit

In der Porsche-Produktion: Viele Autohersteller leiden unter einem Mangel an Halbleitern. Bild: dpa

Besonders das Gastgewerbe ist weiter stark betroffen – und in der Industrie nimmt die Kurzarbeit sogar wieder zu. Woran liegt das?

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          Die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland sinkt derzeit Monat für Monat deutlich – trotz aller Lockerungen ist sie im historischen Vergleich aber nach wie vor recht hoch. So waren im Juli noch etwas mehr als eine Million Menschen in Deutschland in Kurzarbeit, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Schätzung des Münchener Ifo-Instituts hervorgeht. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2009 gab es hierzulande mehr als 1,4 Millionen Kurzarbeiter.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Besonders kräftig geht die Kurzarbeit derzeit in Branchen zurück, die von den Corona-Einschränkungen stark betroffen waren, wie das Gastgewerbe und der Einzelhandel. Dennoch verzeichnet das Gastgewerbe trotz der Meldungen über einen Personalmangel weiter den mit Abstand größten Anteil an Kurzarbeitern: Im Juli waren es laut den Ifo-Daten, die auf einer monatlichen Konjunkturumfrage unter rund 9000 Unternehmen beruhen, noch 183.000 und damit etwas mehr als jeder sechste Beschäftigte.

          „Massive Einbußen“

          Gerade in dieser Branche hätten viele Betriebe noch mit den Hygieneauflagen zu kämpfen und könnten daher noch nicht mit voller Kapazität arbeiten, sagte Ifo-Forscher Stefan Sauer. Auch Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, bestätigt, die Branche erhole sich nur langsam von den Folgen der Pandemie. In Ferienregionen berichteten Hotels und Restaurants von einer guten Nachfrage, in den Städten sei die Lage aber weiter angespannt. „Stadt- und Tagungshotellerie sowie der Eventcateringbereich leider weiter unter massiven Einbußen. Große Veranstaltungen, Messen und Kongresse finden noch nicht statt, internationale Touristen fehlen.“ Dramatisch sei auch die Lage der Clubs und Diskotheken.

          Etwas anders stellt sich das Bild in der Industrie dar. Hier schlägt – wie auch im Baugewerbe – seit einigen Monaten der große Mangel an Material und Halbleitern durch, sodass die Zahl der Kurzarbeiter sogar wieder gestiegen ist: auf 249.000 nach 214.000 im Juni, was vor allem auf eine kräftige Zunahme in der Autoindustrie zurückzuführen ist. Auch die Bundesagentur für Arbeit verzeichnet wieder mehr Anzeigen von Autoherstellern und -zulieferern.

          Die Zahl der Kurzarbeiter aus der Industrie falle aber auch deshalb relativ stark ins Gewicht, weil die Branche so groß sei, so Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Prozentual gesehen sei die Lage nicht dramatisch. Tatsächlich waren zuletzt 3,6 Prozent der Industrie-Beschäftigten in Kurzarbeit. Nach der Rezession 2009 sei es ein Jahr nach dem Höhepunkt der Krise immer noch ein Drittel gewesen, so Weber. Im Vergleich dazu sei die aktuelle Entwicklung nicht besorgniserregend.

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