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Ifo-Barometer : Aussichten für deutsche Wirtschaft hellen sich überraschend auf

  • Aktualisiert am

Hellt sich die Konjunktur doch wieder auf? Bild: dpa

„Die deutsche Wirtschaft stemmt sich dem Abschwung entgegen“, meint Ifo-Präsident Fuest mit Blick auf die neuesten Zahlen. Ökonomen hatten mit einem weiteren Rückgang gerechnet. Geht es für die Wirtschaft wieder bergauf?

          Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im März erstmals seit einem halben Jahr aufgehellt. Das Barometer für das Geschäftsklima stieg überraschend auf 99,6 Punkte von 98,7 Zählern, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner monatlichen Umfrage unter ungefähr 9000 Managern mitteilte. Zuvor gab es sechs Rückgänge in Folge. Ökonomen hatten mit 98,5 Punkten gerechnet.

          „Die deutsche Wirtschaft stemmt sich dem Abschwung entgegen“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage besser, ebenso die Aussichten für die kommenden sechs Monate.

          Das Ifo-Institut bleibt allerdings trotz des überraschenden Stimmungsanstiegs bei seiner verhaltenen Wachstumsprognose. „Das aktuelle Geschäftsklima bestätigt unsere Einschätzung, dass sich das Wirtschaftswachstum deutlich abkühlen wird“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe am Montag.

          Die Münchner Wirtschaftsforscher hatten Mitte März ihre Wachstumserwartungen für die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr auf 0,6 Prozent gesenkt. Der Sachverständigenrat der Bundesregierung nahm seine Prognose für das Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) kürzlich auf 0,8 Prozent zurück, die Bundesregierung selbst hatte ihre Schätzung Anfang des Jahres auf ein Prozent ebenfalls fast halbiert.

          Auch wenn Dienstleister, Bau und Handel nun positive Impulse für das Geschäftsklima lieferten, sei die Industrie noch immer ein wesentlicher Faktor für die BIP-Entwicklung, sagte Wohlrabe. Und hier seien die Aussichten trüber. Als wesentliche Belastung nannte der Ifo-Experte abermals die Ungewissheit über den EU-Ausstieg Großbritanniens. „Die Brexit-Unsicherheit trifft vor allem die Industrie. Die übrigen Bereiche zeigen sich unbeeindruckt.“ Hinzu komme, dass die abflauende Weltwirtschaft keine Unterstützung biete. „Das Auslandsgeschäft macht der Industrie keine Freude“, sagte Wohlrabe.

          „Nur ein Hoffnungszeichen“

          “Die deutschen Unternehmen fassen wieder Vertrauen“, kommentiert Michael Holstein, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft der DZ Bank, die neuen Zahlen. Das sei ein gutes Zeichen dafür, dass sich die Konjunktur nach dem schwachen zweiten Halbjahr 2018 wieder fange. Er führt den Stimmungsumschwung auf die Nachfrage in Deutschland und die Entspannung im Handelskonflikt zwischen China und Amerika zurück.

          Jörg Zeuner, KFW-Chefvolkswirt, ist skeptischer: „Die Klimaaufhellung ist ein Hoffnungszeichen, aber nicht mehr. Denn der Konjunkturzug fährt weiter auf der Kriechspur – und der größte Bremsklotz ist die Industrie.“ Der drohende harte Brexit schade der Wirtschaft, vor allem der exportierenden Industrie.

          Für eine „Riesenüberraschung“ hält der Chefvolkswirt der Unicredit Andreas Rees die Zahlen des Ifo-Barometers: „Die Rezessions-Wahrscheinlichkeit ist von knapp 40 Prozent auf unter 30 Prozent zurückgegangen.“

          Am Freitag hatten Stimmungsindikatoren aus der deutschen Industrie, die vom Analysehaus Oxford Economics als „schockierend schlecht“ bezeichnet wurden, die Märkte belastet. Während in Deutschland die Binnennachfrage noch stand hält, verschlechtern sich die Aussichten im Export von Industriegütern immer mehr. Zwar waren die Daten in anderen Mitgliedsländern der Eurozone nicht so schlecht wie die deutschen Zahlen, doch bleibt der Eindruck einer tiefgreifenden Verunsicherung in der europäischen Industrie.

          Die Börse reagierte deutlich: Obwohl die EZB in einem sehr viel geringeren Umfang in den Anleihemärkten tätig ist, war die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen am Freitag wieder unter die Null-Linie gesunken. Im Nachmittagshandel rentierte die Anleihe mit minus 0,02 Prozent.

          Zinskurve in Amerika dreht sich um

          Gleichzeitig wurde in den Vereinigten Staaten ein Phänomen beobachtet, dass als ein klassischer Indikator für eine Rezession gilt, wenn es nicht bald verschwindet: In Amerika drehte sich die Zinskurve um. Normalerweise rentierten langlaufende Festverzinsliche höher als Papiere mit kurzer Laufzeit. Am Freitagnachmittag fiel die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen kräftig auf 2,44 Prozent. Damit lag sie leicht unter der Rendite dreimonatiger Geldmarktpapiere.

          Die amerikanische Notenbank hatte vergangene Woche eine überraschend vorsichtige geldpolitische Haltung eingenommen und einst für dieses Jahr avisierte Zinsanhebungen nicht mehr angedeutet. Zudem will sie den Abbau ihrer durch Wertpapierkäufe aufgeblähten Bilanz demnächst stoppen. Fed-Chef Jerome Powell begründete dies unter anderem mit Konjunkturrisiken außerhalb der Vereinigten Staaten. Er nannte vor allem Europa und China.

          Seit den Ankündigungen Powells werden am Markt Vermutungen laut, die EZB könne sich gezwungen sehen, ihr Anleihekaufprogramm im Herbst wieder aufzunehmen. Marktteilnehmer sind der Auffassung, dass es den Zentralbanken schwerer fallen wird, ihre um 2 Prozent liegenden Inflationsziele zu erreichen oder dort, wo die Inflationsrate noch nahe 2 Prozent liegt, zu halten.

          „Im Moment erscheinen die Abwärtsrisiken größer als die der Aufwärtsrisiken“, sagte Charles Evans, der Präsident der regionalen Notenbank von Chicago am Montag laut seinem Redetext in Hongkong. Sollte sich die Wirtschaft infolgedessen stärker abschwächen als erwartet oder die Inflation schwach ausfallen, könnte die Geldpolitik stabil gehalten oder sogar gelockert werden.

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