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Umfrage des Ifo-Instituts : Immer mehr Unternehmen heben Preise an

  • Aktualisiert am

Leiden unter unterbrochenen Lieferketten: Der Hamburger Hafen und die deutsche Industrie. Bild: dpa

Weil die Kosten für Energie und Beschaffung von Vorprodukten weiter steigen, heben immer mehr Unternehmen ihre Preise an. Wegen den Engpässen ist zuletzt auch die Produktion unerwartet stark zurückgegangen.

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          Immer mehr Unternehmen in Deutschland wollen einer Umfrage zufolge ihre Preise weiter anheben. Das Barometer für die Preiserwartungen für die nächsten drei Monate stieg im Januar um 1,3 auf 46,0 Punkte und erreichte damit einen neuen Höchststand, wie das Ifo-Institut am Montag zu seiner aktuellen Befragung mitteilte. „Die Unternehmen geben die gestiegenen Kosten für Energie sowie bei der Beschaffung von Vorprodukten und Handelswaren an ihre Kunden weiter“, sagte der Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen, Timo Wollmershäuser. „Das wird bis auf die Verbraucherpreise durchschlagen.“

          Die Inflationsraten dürften daher noch eine Weile über der Marke von vier Prozent liegen. „Für das Jahr 2022 haben wir deshalb unsere Inflationsprognose auf vier Prozent angehoben“, sagte Wollmershäuser. Im Dezember waren die Münchner Forscher noch von einem Anstieg der Lebenshaltungskosten um 3,3 Prozent ausgegangen. Zum Vergleich: 2021 waren die Preise um 3,1 Prozent gestiegen und damit so stark wie seit 1993 mit damals 4,5 Prozent nicht mehr.

          Die sehr hohen Umfragewerte bei den Preiserwartungen ziehen sich durch alle Wirtschaftszweige, so das Institut. Besonders hoch lagen sie im Großhandel mit 60,3 Punkten, gefolgt vom Einzelhandel (57,7) und der Industrie (55,6). Einen neuen Höchststand erreichten die Dienstleister mit 41,9. Das Baugewerbe lag bei 41,5.

          Diese Saldenwerte bei den Preiserwartungen geben an, wie viel Prozent der Unternehmen ihre Preise erhöhen wollen. Abgezogen wird der Prozentwert derer, die ihre Preise senken wollen. Wenn alle befragten Unternehmen beabsichtigten, ihre Preise zu erhöhen, läge der Saldo bei plus 100 Punkten. Würden alle ihre Preise senken wollen, läge er bei minus 100. Neutrale Antworten bleiben unberücksichtigt. Der Saldo wurde saisonbereinigt. Das Ifo-Institut fragt die Unternehmen nicht nach der Höhe der geplanten Preisänderung.

          Produktion zuletzt gesunken

          Das von Materialengpässen und gestörten Lieferketten geprägte Jahr 2021 ist für die deutschen Unternehmen derweil mit einem unerwarteten Rückschlag bei der Produktion zu Ende gegangen. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 0,3 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Montag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen mit einer Zunahme um 0,4 Prozent gerechnet. Im November war die Produktion noch um revidiert 0,3 Prozent gewachsen, nachdem zunächst ein Minus von 0,2 Prozent ermittelt worden war. Im gesamten Jahr 2021 lag die Produktion zwar um 3,0 Prozent höher als im ersten Corona-Jahr 2020, allerdings blieb sie immer noch um 5,5 Prozent niedriger als im Vorkrisenjahr 2019.

          Es gibt allerdings auch einen Hoffnungsschimmer: Die Industrie allein weitete ihre Produktion im Dezember um 1,2 Prozent und damit den dritten Monat in Folge aus. Damit sei „eine positive Entwicklung sichtbar", erklärte das Bundeswirtschaftsministerium dazu. Die Versorger erzeugten dagegen 0,7 Prozent weniger, während die Bauproduktion sogar um 7,3 Prozent nachgab.

          Materialmangel etwas entschärft

          Die deutschen Industriebetriebe sitzen derzeit zwar auf prall gefüllten Auftragsbüchern. In den vergangenen Monaten konnten die Bestellungen jedoch nicht wie gewohnt abgearbeitet werden – etwa wegen akuter Engpässe bei Vorprodukten wie Mikrochips, durch die beispielsweise die Autobranche ausgebremst wird. Der Materialmangel in der Industrie hat sich zu Jahresbeginn etwas entschärft: 67,3 Prozent der Firmen klagten über Engpässe und Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen, wie das Ifo-Institut bei seiner Umfrage herausfand. Im Dezember waren es noch rund 82 Prozent.

          „Es ist noch nicht abzusehen, ob dies eine Trendwende ist“, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. Besonders angespannt ist die Situation nach wie vor für die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen, die Maschinenbauer und die Autoindustrie.

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