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Ifo-Index : „Warnschuß für die Konjunktur“

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Der Ifo-Geschäftsklima-Index für die Wirtschaft in Deutschland ist im Februar erstmals seit April 2003 wieder zurückgegangen. Ifo-Präsident Sinn sprach von einem „Warnschuß für die Konjunktur“.

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          Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Februar erstmals seit neun Monaten wieder gesunken. Dabei beurteilten die befragten Firmen ihre gegenwärtige Lage nur minimal positiver als im Januar, blickten jedoch deutlich skeptischer in die Zukunft.

          Der Ifo-Index für Gesamtdeutschland gab auf 96,4 Punkte von 97,5 Zählern im Januar nach, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag mitteilte. Zuletzt hatte es im April 2003 einen Rückgang gegeben. Von vwd befragte Volkswirte hatten einen Rückgang auf 97,4 erwartet. Bereits die jüngste Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hatte eine Eintrübung der Erwartungen signalisiert. Auch in Amerika ist das Vertrauen der Verbraucher in die Wirtschaft ihres Landes ist im Februar überraschend stark eingebrochen (Enttäuschende Konjunkturdaten drücken den Dax ) .

          „Warnschuß für die Konjunktur“

          Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn bezeichnete den Index-Rückgang als “kleinen Warnschuß für die Konjunktur“. Um so wichtiger sei es nun, den Investoren Vertrauen in eine Fortsetzung der Reformpolitik zu geben und den Wechselkurs unter Kontrolle zu halten.

          Der Teilindex für die Lagebeurteilung kletterte auf 92,6 von 92,5 Zählern, die Komponente der Zukunftserwartungen sank auf 100,4 von 102,9 Punkten.

          Unternehmen verlangen Sicherheit bei den Reformen

          “Wir brauchen ein klares Signal, daß die Reformen weiter gehen“, sagte Ifo-Volkswirt Gernot Nerb. Um von einem wirklichen Konjunkturaufschwung sprechen zu können, müßten sich in den kommenden Monaten sowohl die Lageeinschätzung als auch die Beurteilung der Erwartungen stabilisieren. Die Unternehmen verlangten Sicherheit bei der Einschätzung ihrer künftigen Entwicklungsmöglichkeiten, sagte Nerb.

          Zugleich sprach sich der Ifo-Volkswirt dafür aus, den Wechselkurs des Euro gegenüber dem Dollar wie auch gegenüber anderen Währungen „unter Kontrolle“ zu halten. Die Verunsicherung der Wirtschaft habe sich in den rückläufigen Exporterwartungen niedergeschlagen.

          Ökonomen sehen Ifo-Daten als Korrektur übertriebener Erwartungen

          Bankenvolkswirte zeigten sich überzeugt, daß der schwächere Februar-Wert keinesfalls ein Ende der Erholung signalisiert, wenngleich er sehr wohl darauf deute, daß allzu optimistische Wachstumsszenarien fehl am Platze sind. “Das ist der Anfang vom Ende übertriebener Erwartungen, nicht aber der Anfang vom Ende der Erholung“, kommentiert etwa der Londoner Citigroup-Ökonom Jürgen Michels.

          „Das ist eine schlechte Zahl. Die Ursache ist einerseits der Sieg der Anti-Reform-Kräfte über Kanzler Schröder und andererseits die hohe Unsicherheit über den Euro-Dollar-Wechselkurs", sagte Jörg Krämer von Invesco Asset Management. Ralph Solveen von der Commerzbank nannte besonders die Entwicklung der Lage enttäuschend: „Ich hätte erwartet, daß die positive Produktion und die Auftragseingänge eine stärkere Wirkung entfalten.“

          Einzelhandel zeigt sich optimistischer, Euro-Stärke dämpft Erwartungen an den Export

          Wie Ifo-Präsident Sinn weiter erklärte, trübte sich das Geschäftsklima im Westen Deutschlands etwas stärker ein als im Osten. Die ungünstigere Entwicklung betreffe vor allem den Großhandel und das Verarbeitende Gewerbe, wo sich sowohl Lage als auch Erwartungen verschlechtert hätten. Im Bauhauptgewerbe habe sich das Geschäftsklima dagegen nur leicht eingetrübt und im Einzelhandel sogar verbessert.

          „Bei den Exporterwartungen der Industrie hat die Aufwertung des Euro erneut Spuren hinterlassen“, sagte Sinn. Es überwögen aber noch deutlich die positiven Meldungen. Wichtig sei jetzt, den Investoren Vertrauen in die Fortführung der Reformen zu geben und den Wechselkurs unter Kontrolle zu halten, betonte der Ifo-Präsident.

          Bisher hatte das Ifo seinen Index getrennt für West- und Ostdeutschland ausgewiesen, wobei der westdeutsche Index maßgeblich für die Konjunktureinschätzung der Finanzmärkte war. Ab diesem Monat meldet das Institut den Index für Gesamtdeutschland.

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