https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ifo-index-stimmung-in-unternehmen-sinkt-staerker-als-erwartet-18342900.html

Ifo-Geschäftsklimaindex : Stimmung in Unternehmen sinkt stärker als erwartet

  • Aktualisiert am

Passanten in Hamburg Bild: dpa

Die Führungskräfte in Deutschland schauen so skeptisch auf die Geschäftslage wie zuletzt zu Beginn der Corona-Pandemie. Die deutsche Wirtschaft rutsche in eine Rezession, sagt Ifo-Chef Fuest.

          1 Min.

          Die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen ist so schlecht wie seit den Anfängen der Corona-Krise nicht mehr. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im September auf 84,3 Zähler von 88,6 Punkten im Vormonat und damit auf den tiefsten Stand seit Mai 2020, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf 87 Punkte gerechnet.

          „Die deutsche Wirtschaft rutscht in eine Rezession“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. „Der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate hat deutlich zugenommen.“ Die Befragten äußerten sich zu Geschäftslage und Aussichten noch skeptischer als zuletzt.

          „Wir sehen ein dickes Minus auf allen Fronten“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. „Vor allem die energieintensiven Branchen blicken äußerst pessimistisch auf den Winter.“ Die Industrie schaue mit großer Sorge auf das nächste halbe Jahr, erläuterte Ifo-Chef Fuest. „Die Erwartungen waren zuletzt im April 2020 so pessimistisch.“ Die Stimmung habe sich in nahezu allen Branchen verschlechtert.

          Die Kaufkraft bricht ein

          Der gesamte Ifo-Index signalisiere mehr denn je eine Rezession im Winterhalbjahr, betonte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Der Energiepreisschock lasse die Kaufkraft der Konsumenten einbrechen und mache die Produktion vieler Unternehmen unrentabel. "Deutschland ist durch die massiv verteuerten Energieimporte ärmer geworden", sagte Krämer. "Wir stehen vor einem wirtschaftlich schwierigen Winter."

          Im Dienstleistungssektor brach das Ifo-Barometer ein. Insbesondere das Gastgewerbe befürchtet demnach schwere Zeiten. Im Handel hat sich das Geschäftsklima nochmals verschlechtert. "Im Einzelhandel fielen die Erwartungen sogar auf ein historisches Tief." Auch im Bauhauptgewerbe sank der Index merklich.

          Im Frühjahr hat die deutsche Wirtschaft trotz der Folgen des Ukraine-Krieges noch ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent geschafft. Derzeit sind die Perspektiven wegen der verschärften Energiekrise und der hohen Inflation aber düster. Die Bundesbank rechnet damit, dass die Wirtschaft im zu Ende gehenden Sommer-Quartal voraussichtlich etwas schrumpft, dann Ende 2022 und Anfang 2023 sogar merklich Fahrt verliert. 

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          DFB-Direktor in der Kritik : Deutschlands Scheitern und Bierhoffs Verantwortung

          Nur zwei Spieler sollen sich intern für die „Mund halten“-Geste ausgesprochen haben. Es folgte das Vorrunden-Aus. Nach Jahren des Niedergangs ist der Verdruss über Bierhoff groß. Die Dienstreise nach Qatar könnte seine letzte gewesen sein.
          Als Orte mutmaßlicher Fälle von Cancel Culture gelten oft amerikanische Universitäten. Hier zu sehen ist der Campus der Yale University.

          Cancel Culture : Das laute Schweigen

          Wovon die Rede ist und wovon nicht mehr: Der Literaturwissenschaftler Adrian Daub analysiert den Cancel-Culture-Diskurs als Kampf um Aufmerksamkeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.