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Ifo-Index : Stimmung der Wirtschaft trotzt Schuldenkrise

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Trotz Schuldenkrise hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft leicht gebessert. Der monatliche ifo-Index steigt erstmals nach vier Rückgängen wieder. Deutschland schlage sich besser als der Rest Europas, sagen die Konjunkturforscher.

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          Deutschlands Firmenchefs sind trotz der Euro-Krise überraschend besserer Laune und dämpfen damit Sorgen vor einer Rezession. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für November stieg leicht um 0,2 auf 106,6 Zähler, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte. Zuvor hatte es vier Rückgänge in Folge gegeben. Die Experten wurden allesamt auf dem falschen Fuß erwischt, da sie mit einer erneuten Eintrübung gerechnet hatten.

          "Wir sind nicht im freien Fall", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger zu Reuters. "Deutschland schlägt sich merklich besser als der Rest von Europa. Wir haben gute Chancen, eine Rezession im Winter vermeiden zu können." Sein Fazit: Die Schuldenkrise schlägt noch nicht auf die Realwirtschaft durch und trifft hauptsächlich den Finanzsektor.

          Dank des überraschenden Anstiegs stoppte der Deutsche Aktienindex Dax nach acht Tagen seine Talfahrt: Der Leitindex stieg um 1,8 Prozent auf 5554 Zähler. Auch die meisten europäischen Börsen legten zu. Der Euro kletterte um einen viertel US-Cent auf rund 1,34 Dollar.

          „Guter Start für Weihnachtsgeschäft“

          Die Märkte beeindruckte vor allem, dass die rund 7000 vom Ifo befragten Manager ihre Aussichten für die kommenden sechs Monate besser beurteilten. Ihre Geschäftslage schätzten sie unverändert ein. Das Barometer für die Erwartungen stieg auf 97,3 Zähler, das für die Lage verharrte bei 116,7 Punkten. Der Ifo-Index ist das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, das die Entwicklung der kommenden Monate zuverlässig vorhersagt.

          In den einzelnen Wirtschaftsbereichen entwickelte sich die Stimmung unterschiedlich: In der Baubranche besserte sie sich, im Verarbeitenden Gewerbe und auch im Einzelhandel trübte sie sich hingegen leicht ein. Allerdings beurteilten die Einzelhändler die Lage günstiger als im Vormonat. "Der Start ins Weihnachtsgeschäft ist also gut gelaufen", sagte Abberger. Nun sei die Branche vorsichtig optimistisch. "Die Grundvoraussetzungen sind gut. Das Wetter bisher auch."

          „Kein Lehman 2.0“

          Die Verbraucher hatten der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal zu deutlich mehr Wachstum verholfen. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Juli bis September um 0,5 Prozent zum Vorquartal zu, wie aus den jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht.

          "Die deutschen Unternehmen behalten die Nerven. Trotz der ganzen Negativschlagzeilen über die Eskalation der Schuldenkrise bewahren sie Ruhe", sagte Ökonom Andreas Rees von Unicredit zu der Ifo-Umfrage. Es drohe keine ungebremste Abwärtsbewegung wie nach der Lehman-Pleite in Richtung Rezession: "Es wird kein Lehman 2.0 geben." Auch Ifo-Chef Hans-Werner Sinn sieht keinen Grund für Schwarzmalerei: "Die deutsche Wirtschaft schlägt sich vor dem Hintergrund der internationalen Verwerfungen weiterhin vergleichsweise gut."

          „Schwieriges Fahrwasser“

          Die Bundesbank warnte jedoch, dass die Wirtschaft in den kommenden Monaten in "schwieriges Fahrwasser" geraten könnte. Die schwächere Auslandsnachfrage und die Nervosität an den Finanzmärkten bildeten ein gefährliches Gemisch. Die Bundesregierung geht davon aus, dass Wirtschaftsleistung am Jahresende stagniert. Eine Rezession befürchtet sie aber nicht. Für 2012 sagt sie ein Wachstum von 1,0 Prozent voraus, für das zu Ende gehende Jahr werden 2,9 Prozent prognostiziert.

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