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„Rückenwind flaut ab“ : Ifo-Index sinkt – aber nicht so stark wie erwartet

  • Aktualisiert am

Schließende Kaufhof-Filiale in Hof: Besonders im Handel ging der Ifo-Index zurück. Bild: dpa

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft trübt sich ein: Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juni wieder gesunken. Analysten hatten jedoch mit einem stärkeren Rückgang gerechnet.

          Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft ist angesichts des Handelsstreits mit Amerika so schlecht wie seit über einem Jahr nicht mehr. Der Geschäftsklima-Index fiel im Juni um 0,5 auf 101,8 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Managern mitteilte. „Die Unternehmer waren weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Die Erwartungen bleiben jedoch unverändert leicht optimistisch“, teilte das Institut mit.

          „Der Rückenwind für die deutsche Wirtschaft flaut ab“, hieß es von Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Manager beurteilten ihre Geschäftslage schlechter, die Aussichten für die kommenden sechs Monate blieben dagegen unverändert. Im Mai hatte sich der Index zuletzt kurzzeitig stabilisiert.

          Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten jedoch mit einem Rückgang auf 101,7 Zähler gerechnet. Angesichts des Handelsstreits mit den Vereinigten Staaten und des schwachen Jahresauftakts haben die führenden Institute ihre Prognosen für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in Deutschland deutlich gesenkt. Das Ifo-Institut nahm seine Vorhersage für dieses Jahr von 2,6 auf 1,8 Prozent zurück, für 2019 von 2,1 auf 1,8 Prozent.

          Normalisierung nach Boom

          In allen großen Wirtschaftszweigen ließ der Optimismus der Führungskräfte nach. „Der Boom ist vorbei“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe dazu. „Die
          deutsche Wirtschaft ist auf dem Weg in die Normalisierung.“ Der vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump angedrohte Handelskrieg belaste die Stimmung, ebenso die abflauende Weltkonjunktur.

          Trump drohte zuletzt mit Strafzöllen von 20 Prozent auf EU-Autoimporte, die besonders Deutschland treffen würden. Die aktuelle Regierungskrise in Deutschland – ausgelöst vom Streit zwischen CDU und CSU über die Asylpolitik – sei in dieser Umfrage noch nicht berücksichtigt worden.

          In der Industrie gab die Stimmung nach. Sie steckt in der längsten Auftragsflaute seit der weltweiten Finanzkrise in den Jahren 2008 bis 2009: Die Bestellungen schrumpften zuletzt vier Monate in Folge. Der Export-Europameister bekommt dabei den Zollstreit mit den Vereinigten Staaten, die Verunsicherung durch den näher rückenden EU-Austritt Großbritanniens und weltweit zunehmende Handelshürden wie höhere Zölle zu spüren.

          Stärkster Index-Rückgang im Handel

          Auch im Handel, in der Baubranche und bei den Dienstleistern trübte sich die Stimmung ein. Im Handel sank der Index merklich. Die sehr gute Lageeinschätzung nahmen die Händler etwas zurück. Der Ausblick auf die kommenden Monate ist erstmals seit mehr als drei Jahren (Februar 2015) leicht pessimistisch. Im Einzelhandel war der Rückgang der Indikatoren deutlich stärker ausgeprägt als im Großhandel.

          „Das hätte schlimmer kommen können“, sagte LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert jedoch. „Der nur leichte Rückgang gibt uns ein Gefühl dafür, dass die Story stimmen dürfte, wonach wir derzeit nur eine Konjunkturverlangsamung auf Normalmaß sehen, aber keinen Abschwung oder gar eine Rezession." Ähnlich sehen das auch andere Experten. „Die Lage ist nicht hoffnungslos, schon bald sieht es wieder besser aus", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. „Dazu passt auch, dass die Unternehmen den Daumen für die weiteren Geschäftsaussichten nicht weiter gesenkt haben."

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