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Ifo-Präsident Fuest : „Die Rezession dürfte weniger tief ausfallen“

  • -Aktualisiert am

Containerschiffe im Hamburger Hafen: Zuletzt haben die internationalen Lieferengpässe etwas nachgelassen. Bild: dpa

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich robuster als erwartet. Der Ifo-Index legt im November um 1,8 Punkte zu. Die Belastungen dürften dennoch zunehmen.

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          Damit hätten noch vor ein paar Monaten die wenigsten gerechnet: Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich zu Beginn der kalten Jahreszeit gebessert. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts stieg im November um 1,8 Punkte auf 86,3 Zähler, wie das Institut am Donnerstag mitteilte. Das Barometer gilt als wichtiger Frühindikator für die deutsche Konjunktur. Der Dax reagierte mit einem prompten Kurssprung um 0,8 Prozent auf 14.540 Punkte.

          Svea Junge
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dass die rund 9000 befragten Unternehmen besser gestimmt waren, lag vor allem daran, dass sie weniger pessimistisch auf die kommenden Monate blicken. Der Indikator der Erwartungen stieg auf 80 Punkte, nach 75,9 Zählern im Oktober. Mit ihren aktuellen Geschäften waren die Unternehmen hingegen etwas weniger zufrieden. „Die Rezession dürfte weniger tief ausfallen, als viele erwartet haben“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

          Der nachlassende Pessimismus mit Blick auf die nächsten sechs Monate zog sich durch alle Branchen. Vor allem in den Industrieunternehmen keimt wieder Zuversicht. Die Unsicherheit über die weitere Geschäftsentwicklung nahm etwas ab, blieb aber auf hohem Niveau, sagte Fuest. Die Unternehmen bleiben wachsam. In der Industrie und im Baugewerbe dürften die sinkenden Neubestellungen den Unternehmen Sorgen bereiten.

          Dennoch sei der Anstieg der Erwartungen gerechtfertigt, sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Die Unternehmen seien  zuletzt „so uferlos pessimistisch wie bisher nur vor den größten Rezessionen“ gewesen. „Einbrüche wie in der Finanz- oder Coronakrise sind jedoch nur bei einer Gasmangellage wahrscheinlich und an der dürften wir dank voller Speicher und vor allem erheblicher Sparanstrengungen von Unternehmen und Haushalten vorbeikommen“, erwartet die Ökonomin. Aus Sicht von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer lässt die  Aufhellung Stimmung ebenfalls eine „Verbesserung der konjunkturellen Rahmenbedingungen erkennen“. Er verweist neben dem sinkenden Risiko einer Gasmangellage auf die umfangreichen Entlastungspakete der Bundesregierung. Ihr Volumen könne  die Verteuerung der Energieimporte mittlerweile rechnerisch größtenteils ausgleichen. Das stabilisiere die  Konjunktur.

          Zudem verweist Krämer auf nachlassenden Lieferengpässe, die es den Industrieunternehmen erlauben, ihre prall gefüllten Auftragsbücher abzuarbeiten.  Im November sank der Anteil der Unternehmen, die laut Ifo-Institut über Lieferengpässe klagten auf rund 60 Prozent. Dazu passt, dass der Handelsindikator des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) nachlassende Staus in der  Containerschifffahrt ausweist. So sank  der Anteil der weltweit verschifften Waren, die im Stau feststecken, zum ersten  Mal seit über einem Jahr auf unter 10 Prozent.

          Allen guten Nachrichten zum Trotz warnt Jens-Oliver Niklasch, Volkswirt der Landesbank Baden-Württemberg, vor zu viel Optimismus: „Machen wir uns nichts vor: Das sind die Indikatorwerte einer Rezession“, sagte er. „Für Erleichterung besteht daher ungeachtet des deutlichen Anstiegs wenig Anlass.“

          Auch andere Stimmungsbarometer steigen

          Neben dem Ifo-Index verzeichneten auch andere Stimmungsindizes im November einen Anstieg. Der am Mittwoch veröffentlichte Einkaufsmanagerindex des Finanzdienstleisters S&P Global legte um 1,3 Punkte auf 46,4 Zähler zu. Damit verlangsamte sich der Abschwung der Wirtschaft zwar. Allerdings rangierte das Stimmungsbarometer, das auf einer Umfrage unter 800 Unternehmen beruht, weiter unter der Marke von 50 Punkten, die Wachstum signalisiert.

          Die Ergebnisse änderten nichts an der Einschätzung, „dass Deutschland wahrscheinlich auf eine Rezession zusteuert“, sagte S&P-Ökonom Phil Smith. Mit einer Rezession im Winterhalbjahr rechnet auch die Bundesbank in ihrem ebenfalls am Mittwoch ver­öffentlichten Monatsbericht. „Deren Ausmaß ist allerdings äußerst unsicher“, heiß es dort. Im dritten Quartal zwischen Juli und September war das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch überraschend um 0,3 Prozent zum Vorquartal gewachsen.

          Zwar sei der Auftragsbestand in der Industrie hoch und die Lieferengpässe gingen etwas zurück, teilte die Notenbank mit. Dennoch werde die globale Konjunkturabschwächung voraussichtlich die Exporte dämpfen. Zudem gehen die Bundesbank-Ökonomen davon aus, dass die positiven Impulse aus dem Wegfall der Corona-Beschränkungen „spürbar nachlassen“ werden. Die Zurückhaltung der Konsumenten werde durch die hohe Inflation noch verstärkt. Im Oktober war die deutsche Inflationsrate nach europäischer Rechnung auf 11,6 Prozent gestiegen – und die Bundesbank warnt: „Die Inflationsrate könnte auch über den Jahreswechsel hinaus zweistellig bleiben.“

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