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„Zulasten der Beitragszahler“ : Der Ifo-Chef kritisiert die neue Rentenreform

  • Aktualisiert am

Clemens Fuest leitet das Ifo-Institut in München. Bild: dpa

Vor allem die Ausweitung der Mütterrente findet Clemens Fuest schlecht. Wer Altersarmut bekämpfen will, sollte seiner Ansicht nach etwas anderes tun. Arbeitsminister Heil wehrt sich.

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          Die Rentenpläne der großen Koalition stoßen im Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo auf Kritik. Ifo-Chef Clemens Fuest äußerte sich insbesondere ablehnend zur vorgesehenen Ausweitung der Mütterente. „Das ist eindeutig keine Maßnahme gegen Altersarmut, sondern eine Umverteilung zugunsten von Müttern und zulasten von Beitragszahlern und Steuerzahlern“, sagte der Volkswirt der „Passauer Neuen Presse“. „Wenn man Altersarmut bekämpfen will, sollte man die Grundsicherung erhöhen, das ist zielgenau.“

          Fuest bemängelte zugleich die angestrebte höhere Unterstützung für Erwerbsgeminderte. „Mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun“, sagte er: „Erwerbsminderung ist ein Risiko, das uns alle betrifft, und wir alle sollten uns gegen dieses Risiko versichern und dafür auch entsprechende Prämien zahlen.“

          Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte am Freitag seinen Gesetzentwurf für ein Rentenpaket vorgelegt. Darin finden sich neben der Ausweitung der Mütterrente Verbesserungen für krankheitsbedingte Frührentner sowie eine sogenannte doppelte Haltelinie für Rentenniveau und Beitragssatz. Zudem werden Geringverdiener bei den Sozialabgaben ohne Einbußen beim Rentenanspruch entlastet. Durch die Pläne entstehen der gesetzlichen Rentenversicherung Mehrausgaben und Mindereinnahmen bis 2025 in Höhe von fast 32 Milliarden Euro. Finanziert werden die Leistungsausweitungen zu zwei Dritteln von den Beitragszahlern.

          Heil wiederum hat seinerseits nun Vorwürfe, mit seinem Rentenpaket belaste er die jüngere Generation mit zu hohen Kosten, nun zurückgewiesen. „Sollte nicht das Kernversprechen,
           im Alter abgesichert zu sein, unserer Gesellschaft auch für alle Generationen etwas wert sein?“, fragte er an diesem Samstag im Sender „Bayern 2“, und er fügte hinzu: „Was ist denn die Alternative? Das wir das Rentenniveau absinken lassen? Dass wir die Beiträge explodieren lassen?“ Es sei ein vernünftiger Weg, den die Koalition eingeschlagen habe.

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