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Einbruchsschutz auf der IFA : Mit Elektronik gegen unerwünschte Gäste

Begehrte Bildschirme: Auf der IFA ist ausgestellt, was Diebe gern klauen. Bild: Getty

Im vernetzten Zuhause wird aufgerüstet – nicht nur in der Küche und im Wohnzimmer. Auch der Sicherheitssektor wird digitalisiert. Eine besonders pfiffige Idee kommt aus der Schweiz.

          Die schöne neue Welt des vernetzten Zuhauses – sie soll nach dem Willen der Anbieter zu einer schrecklichen Welt für Einbrecher werden. Auf der noch bis Mittwoch laufenden Konsumelektronikmesse IFA in Berlin haben sich viele Anbieter des Themas Sicherheit im „Smart Home“ angenommen. Von den 4,3 Milliarden Euro, die im Jahr 2022 voraussichtlich für Smart-Home-Anwendungen ausgegeben werden – dreimal mehr als heute –, dürfte ein wahrnehmbarer Teil auch in die Kassen von Überwachungskameraherstellern, Produzenten elektronischer Schlösser oder intelligenter Lichtanlagen fließen.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das ist auch notwendig, glaubt die Branche und verweist auf die Zahl der Delikte. Sie sei zwar gesunken, aber immer noch auf hohem Niveau. Laut Kriminalstatistik verursachten Einbrecher im vergangenen Jahr in 151.265 Fällen einen Gesamtschaden von rund 392 Millionen Euro in Deutschland. Gegen die Übeltäter soll nun verstärkt Elektronik helfen – Geräte, die überwachen, Eindringlinge abwehren oder Alarm auslösen. „Richtig kombiniert vermitteln sie Ihnen das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Ein Luxus, der mit Geld kaum zu bezahlen ist“, wirbt der Industrieverband GFU in seiner Broschüre „Einkaufsberater Sicherheit“. Und vergisst dabei in einem „Praxis-Tipp“ nicht, die staatlichen Zuschüsse zu erwähnen: Die Förderbank KfW beteilige sich mit bis zu 1500 Euro an den Kosten.

          Alarmanlage fürs kleine Geld

          Ganz vorn auf der Wunschliste vieler Wohnungs- und Hauseigentümer dürften online angebundene Überwachungskameras stehen. Es gibt sie für den Innenbereich, für den Außenbereich mit Schutz vor Wasser und Staub (Schutzklasse IP 65 beziehungsweise IP 67) oder als sogenannte Dome-Kamera für die Montage an Decken und Wänden. Freilich sind die leicht zu installierenden IP-Kameras, die über das Smartphone gesteuert werden können, ins Gerede gekommen. Im Internet finden sich Suchmaschinen wie Shodan, die deutlich machen, wie leicht Wohnzimmereinblicke dank ungeschützter Cams möglich sind. Andererseits ist die Kameratechnik inzwischen fortgeschritten. Besonders clevere Modelle etwa nehmen nicht kontinuierlich auf, sondern dank integrierter Gesichtserkennung nur dann, wenn sie unbekannte Personen entdecken.

          Oder soll es lieber gleich eine komplette Alarmanlage sein? Früher habe sie als Zeichen von Luxus gegolten, heute sei das Plus an Sicherheit „für jeden erschwinglich“ – mit solchen Slogans versucht die Industrie den Kundenstamm zu erweitern. Im Katalog des einschlägigen Elektronikversenders Pearl findet sich für 279,90 Euro ein „17-teiliges Starter-Set“ einer „Funk-Alarmanlage mit W-Lan- und GSM-Anbindung“. Verbunden mit dem Versprechen: „Im Notfall werden Sie sofort per Push-Nachricht auf Ihrem Smartphone informiert – weltweit.“ Ob es die Sorgen mindert, wenn diese Nachricht weit weg von zu Hause auf der Kilimandscharo-Tour in Tansania aufpoppt, steht auf einem anderen Blatt, außerhalb des Katalogs.

          Der geheimnisvolle Mitbewohner

          IFA-Aussteller wie Nuki suchen ihr geschäftliches Glück eine Nummer kleiner. In der Halle 6.2 auf dem Ausstellungsgelände rund um den Berliner Funkturm unterstreicht das Grazer Unternehmen inmitten weiterer Sicherheitsanbieter seine Ambitionen, den physischen Schlüssel ersetzen zu wollen. Über Bluetooth-Funk öffnet das „Smart Lock“ die Haustür automatisch, wenn die Besitzer nach Hause kommen. Und schließt ab, wenn sie gehen. Das Produkt werde an der Innenseite der Tür über dem bestehenden Schließzylinder angebracht – innerhalb von drei Minuten sei es startbereit, ganz ohne Schrauben und Bohren, heißt es. Doch auch die Schlüsselabschaffer wissen: Ganz ohne geht es vielleicht doch nicht. „Natürlich“ könne man seine Tür trotzdem noch wie gewohnt mit dem physischen Schlüssel öffnen, wenn man sein Smartphone einmal nicht zur Hand habe. (Oder wenn der Akku leer ist.)

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