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Grüner Strom : Internationale Energieagentur rechnet mit einem Boom der erneuerbaren Energie

Solarpark in China: Die aufstrebende Weltmacht ist der größte Investor in erneuerbare Energie. Bild: dpa

Die IEA prognostiziert einen starken Ausbau von Windkraft und Solarenergie. Der Ukrainekrieg werde zum Wendepunkt und Deutschland dabei in Europa führend sein.

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          Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris erwartet als Folge des Ukrainekriegs einen beispiellosen globalen Boom der erneuerbaren Energien. „In den kommenden Jahren werden so viele neue Kapazitäten geschaffen wie in den vergangenen 20 Jahren zusammen“, sagte IEA-Generaldirektor Fatih Birol im Gespräch mit der F.A.Z. Nie zuvor habe die Energieagentur ihre Prognosen für die Erneuerbaren Energien so stark erhöht wie jetzt.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Durch den Wachstumsschub werden Windkraft, Solarenergie und andere Formen der erneuerbaren Energie 2025 Kohlekraftwerke als größten Stromerzeuger auf der Welt überholen, sagen die Energieexperten voraus. Der Anstieg der Kohleverstromung durch die aktuelle Energiekrise sei dagegen nur ein vorübergehendes Phänomen. „In Europa wird Deutschland den mit Abstand größten Ausbau der grünen Energie aufweisen“, sagte Birol.

          Deutschland in Europa führend

          Die Energieagentur schätzt in ihrem am Dienstag veröffentlichten neuen Bericht, dass sich die grünen Stromerzeugungskapazitäten auf der Welt in den nächsten fünf Jahren annähernd verdoppeln werden. Insgesamt sei mit einem Zubau von rund 2400 Gigawatt zu rechnen, was rechnerisch dem gesamten Kraftwerkspark Chinas entspreche. Falls es gelinge Engpässe in der Finanzierung und regulatorische Verzögerungen zu überwinden, könnten sogar bis zu 3000 Gigawatt erreicht werden.

          Bisher sei der Ausbau von Wind- und Sonnenenergie vor allem durch den Klimaschutz motiviert gewesen, sagt der IEA-Chef Birol: „Jetzt ist die Versorgungssicherheit der wichtigste Antrieb geworden.“ Die Energiekrise durch den russischen Überfall auf die Ukraine bewege viele Regierungen dazu, die erneuerbaren Energien im eigenen Land zu forcieren, um unabhängiger von Energieimporten zu werden. Die vor fünf Jahrzehnten als Reaktion auf die erste Ölpreiskrise gegründete Energieagentur ist eine multinationale Forschungsinstitution unter dem Dach des Industriestaatenverbunds OECD. Die Prognosen der IEA für den Energiesektor werden weithin beachtet.

          „Historischer Wendepunkt“

          „Diese Krise verursacht viel Leid und Probleme, aber sie wird auch zu einem historischen Wendepunkt für die weltweite Energieversorgung“, erwartet Birol. Größter Investor in grüne Energie werde in den kommenden Jahren weiterhin China sein: Auf die aufstrebende asiatische Weltmacht wird nach Schätzung der Energieagentur fast die Hälfte des globalen Ausbaus bis 2027 entfallen. Auch in Europa, den USA und Indien werde der Zubau stark beschleunigt. So will die EU-Kommission mit ihrem Programm RePowerEU mehr Geld in grüne Energien lenken. Die Vereinigten Staaten wollen dies mit dem im Sommer verabschiedeten Inflation Reduction Act erreichen.

          Am meisten trauen die Energiefachleute der IEA der Solarenergie zu, deren installierte Leistung sich bis 2027 global annähernd verdreifachen werde. Trotz gestiegener Preise für Photovoltaikanlagen blieben große Solarparks in vielen Ländern die kostengünstigste Lösung für die Schaffung neuer Stromerzeugungskapazitäten. Die Kapazität der Windkraft wird sich laut IEA knapp verdoppeln, hier bremsten langwierige Genehmigungsverfahren und ein unzureichender Ausbau der Stromnetze das Wachstum.

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