https://www.faz.net/-gqe-93rkz

Internationale Energieagentur : Deswegen wird das Elektroauto überschätzt

Zumindest die Internationale Energieagentur glaubt nicht, dass künftig die Mehrheit der Menschen mit einem E-Auto unterwegs sein wird. Bild: dpa

Keine guten Nachrichten fürs Weltklima: Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur werden in 25 Jahren nur 14 Prozent aller Autos auf der Welt elektrisch betrieben sein. Die Botschaft ihrer Zahlen ist eindeutig.

          2 Min.

          Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass das Elektroauto auch auf längere Sicht nur einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz leisten wird. Die Energieexperten aus Paris prognostizieren zwar, dass die Zahl der elektrisch betriebenen Autos auf den Straßen auf der ganzen Welt stark steigen wird. Dennoch werde durch diesen Wandel im Verkehrssektor der globale Ausstoß des Treibhausgases CO2 bis zum Jahr 2040 voraussichtlich nur um 1 Prozent sinken, sagte die IEA-Klimaschutzexpertin Laura Cozzi anlässlich der Vorstellung des jährlichen Ausblicks der Energieagentur. Der umfangreiche Bericht ist eine der meistbeachteten Publikationen der Welt im Energiesektor.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Fachleute der IEA sprechen es nicht aus, aber die Botschaft ihrer Zahlen und Prognosen ist ziemlich eindeutig: Die große Aufmerksamkeit, die das Elektroauto in der öffentlichen Debatte erfährt und sein erwarteter Beitrag zum Klimaschutz – sie passen nicht so recht zusammen.

          Derzeit werden laut IEA nur 2 Millionen der rund einer Milliarde Autos auf der Welt elektrisch angetrieben, ein Anteil von 0,2 Prozent. Bis zum Jahr 2040 rechnen die Fachleute zwar mit einem rasanten Wachstum auf 280 Millionen E-Autos. So wollen unter anderem bevölkerungsreiche Schwellenländer wie China und Indien mehr Elektroautos auf ihre Straßen bringen. Aber zugleich werde sich die globale Fahrzeugflotte insgesamt auf 2 Milliarden Personenwagen verdoppeln, heißt es von der IEA.

          Anteil der Erneuerbaren steigt auf 40 Prozent

          Behalten die Fachleute mit ihren Schätzungen recht, dann werden also auch in knapp einem Vierteljahrhundert nur 14 Prozent aller Autos auf der Welt elektrisch betrieben sein. Dass die Elektroautos zu einer Überlastung der Stromnetze führen, ist damit wohl eher unwahrscheinlich: Die IEA erwartet, dass auf diese bis Ende des übernächsten Jahrzehnts nur ein Anteil von 2 Prozent des gesamten Stromverbrauchs entfallen wird. Immer weniger stichhaltig wird das Argument, dass Elektroautos für den Klimaschutz nichts brächten, wenn der benötigte Strom in emissionsintensiven Kohlekraftwerken erzeugt wird. Die IEA erwartet, dass bis zum Jahr 2040 die erneuerbaren Energien zusammengenommen die wichtigste Form der Stromerzeugung sein werden. Ihr Anteil steige von 24 auf 40 Prozent. Vor allem die Solarenergie werde dank stark sinkender Kosten kräftig wachsen. Der Anteil der Kohlekraftwerke sinke dagegen deutlich.

          Dennoch lautet das ernüchternde Fazit der IEA: Ohne ein radikales Umdenken kommt der Verkehr auf absehbare Zeit nicht ohne einen hohen Anteil fossiler Brennstoffe aus. Der Transportsektor werde bis zum Jahr 2040 der stärkste Treiber der globalen CO2-Emissionen überhaupt sein, rechnen die Energiefachleute vor. Zwar sagen sie voraus, dass der Ölverbrauch aller Autos auf der Welt vor dem Jahr 2030 seinen Zenit überschreiten werde, obwohl die Blechlawine auf den Straßen stark wachse.

          „Zu früh für einen Nachruf auf das Erdöl“

          Doch immer mehr Lastwagen und mehr Flug- und Schiffsverkehr, die stark von fossilen Brennstoffen abhingen, sorgten bis zum Jahr 2040 für einen weiteren starken Anstieg des CO2-Ausstoßes. Die IEA weist darauf hin, dass derzeit nur fünf Staaten auf der Welt gesetzliche Treibstoff-Verbrauchsvorgaben für neu zugelassene Lastwagen hätten. Auch ein wachsender Bedarf in der petrochemischen Industrie treibe den globalen Ölverbrauch weiter nach oben.

          „Es ist zu früh, um den Nachruf auf das Erdöl zu schreiben“, bilanziert die IEA. Sie erwartet, dass der globale Ölverbrauch von derzeit rund 94 Millionen Fass (zu 159 Liter) am Tag bis zum Jahr 2040 auf 105 Millionen Fass wächst – ein Anstieg um weitere 12 Prozent.

          Für das Weltklima sind das keine guten Nachrichten. Während sich die CO2-Emissionen durch den Energiesektor zuletzt stabilisiert haben, rechnet die IEA bis zum Jahr 2040 mit einem durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 0,4 Prozent. Es werde damit „weit weniger als notwendig“ getan, um schwere Schäden durch den Klimawandel zu vermeiden, mahnen die Energieexperten. Wenn nicht umgesteuert werde, sei bis Ende des Jahrhunderts mit einem durchschnittlichen Temperaturanstieg in der Erdatmosphäre um 2,7 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu rechnen. Die Klimaschutzkonferenz der Vereinten Nationen in Paris hat im Jahr 2015 dagegen einen Anstieg von deutlich weniger als 2 Grad als Ziel vorgegeben.

          Weitere Themen

          CureVac-Impfstoff floppt Video-Seite öffnen

          Geringe Wirksamkeit : CureVac-Impfstoff floppt

          Der Corona-Impfstoff hat Untersuchungen zufolge nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent. CureVac will die Studie aber bis zu ihrer finalen Auswertung mit weiteren Corona-Fällen fortsetzen.

          Topmeldungen

          UEFA entscheidet : Münchner EM-Arena nicht in Regenbogenfarben

          Die UEFA beruft sich auf ihre politische Neutralität. Das Zeichen im Sinne „der Weltoffenheit und Toleranz“ hätte sich gegen die Politik von Ungarns Ministerpräsident Orban gerichtet. Die Arena könnte nun an einem anderen Tag in Regenbogenfarben leuchten.
          Szenen wie diese in Florida würde Joe Biden gerne öfter sehen: Denn vor allem die Jungen lassen sich in den USA gerade nicht impfen.

          Kampf gegen Corona : Biden verfehlt sein Impfziel

          Bis zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli wollte Joe Biden siebzig Prozent der Amerikaner impfen lassen. Doch viele Bürger ziehen nicht mit – nicht einmal, wenn man sie mit Millionengewinnen lockt.
          Wohnhäuser wie dieses findet man nur noch selten in Frankfurt, außer man ist steinreich.

          Stadtplanung im Ballungsraum : Die Wohnungsbau-Misere

          Vor zehn Jahren war der Markt für Wohnungen in Frankfurt noch in Ordnung. Seither geht es bergab. Doch auf der Suche nach den Gründen muss man noch weiter zurückblicken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.