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Ideen durch Corona : Der Maskenhalter aus dem Friseursalon

Ins Ohr stecken, Schlaufe hinter den Haken schieben, aufsetzen: Friseur Enzo Olizzo präsentiert seine Erfindung. Bild: Salon Enzo Olizzo

Unverhofft wurde Enzo Olizzo zum Erfinder. Den Inhaber eines Friseursalons und seine Kunden störten gleichermaßen die Gesichtsmasken, also dachte er sich eine Halterung aus, die bequemer ist und keine Druckstellen macht.

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          Seinen Einstieg ins Unternehmertum hätte sich Enzo Olizzo anders vorgestellt. Vor eineinhalb Jahren hat er den elterlichen Friseurbetrieb im westhessischen Haiger übernommen. Offene Rohre, frei hängende Leuchten, Industrielook. An der Friseur-Akademie in Nürnberg hatte er gelernt, seinen Meister in Vollzeit absolviert, als Fachtrainer und Mitarbeiter von Toni&Guy in Stuttgart gearbeitet. Jetzt war er reif für die Selbständigkeit. Doch die Corona-Krise bedeutete auch für ihn im vergangenen Frühling eine zweimonatige Zwangspause. Als er in den Salon zurückkehrte, nervte es ihn, den ganzen Arbeitstag lang eine Maske zu tragen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          So ging es auch einigen seiner Kunden und denen in vielen anderen Salons. Friseure ließen sich frühzeitig Gegenrezepte einfallen. Die Fachzeitschrift „Top Hair“ berichtete schon im Mai von Mund-Nasen-Schutz-Haltern und Sicherheitsgabeln, die es der Zunft erlaubten, Haare hinter den Ohren zu schneiden, ohne dass die Maske abgenommen werden musste. Olizzo wählte einen anderen Ansatz und kam darauf beim Espresso-Trinken. Kurz nacheinander schwappte sein Becher über und brach ein Kugelschreibergriff.

          Der Friseur legte diesen so zu einem Zewa-Taschentuch, dass er daraus die Idee für seine Maskenhalterung entwickelte. An einem weichen offenen Ohrklipp, durch den man weiter hören kann, wird ein Kunststoffring befestigt. An ihm ist eine Halterung angebracht, durch die man die Schnur aller chirurgischen, Stoff- und FFP2-Masken fädeln kann. So schnürt die Maske nicht hinter den Ohren, beschlägt die Brille nicht und muss auch nicht festgehalten werden wie etwa das Modell Sicherheitsgabel.

          Dass Olizzo nun nicht nur zum Friseur-Unternehmer wurde, sondern auch zum Mundschutzhalter-Hersteller hat er der Tatsache zu verdanken, dass gleich zwei Unternehmer zu seinem Bekanntenkreis zählen. Friedhelm Loh hat den global agierenden Stromverteiler-Produzenten Rittal groß gemacht. Auch er störte sich an den Masken. Als Olizzo ihm von seiner Idee berichtete, aber einschränkte, sie sei etwas banal, widersprach ihm Loh. Schnell war ein Plan gefasst. Die erste Charge von 5000 Stück zu einem Euro je Stück hat der Friseur schnell verkauft.

          Inzwischen hat er das Produkt weiterentwickelt: Ohrlizzo 2.0, besserer Halt, besseres Gefühl im Ohr, die nächsten 10.000 Exemplare zum 1. März sind wieder ausverkauft. Die nächsten Halter sind zum 1. April zu haben. Für eine gute Qualität bürgt der zweite Unternehmer aus Haiger, mit dem Olizzo kooperiert: Roland Kring, der dem Zulieferer Siegerland Bremsen vorsteht und den örtlichen Sportverein TSV Steinback-Haiger als Mäzen unterstützt. In welche Richtung der Friseur seine Unternehmerkarriere vorantreibt, hängt vom Verlauf der Pandemie ab. Seine Leidenschaft gilt dem Haareschneiden.

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