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Idee des Bilanzabkommens : Rettet den Zins!

  • -Aktualisiert am

Die Europäische Zentralbank stößt mit ihren jüngsten Beschlüssen zu expansiverer Geldpolitik auf Kritik. Bild: dpa

Die Notenbanken sind überfordert damit, für ordentliche Zinsen zu sorgen. Dabei müssen auch die Staaten mitmachen. Ein internationales Bilanzabkommen könnte helfen – ein Gastbeitrag.

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          Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst der Nullzinsen. Seit Jahren klagen die Sparer, dass sie keine Zinsen mehr erhalten. Und viele von ihnen haben den Sündenbock schon ausgemacht: die Europäische Zentralbank (EZB) und insbesondere ihren Präsidenten Mario Draghi. Auch unter den volkswirtschaftlich versierten Experten Deutschlands ist diese Schuldzuweisung häufig anzutreffen. Nicht selten wird neuerdings der Ruf nach einem positiven Mindestzins laut. Einen Mindestlohn gibt es ja schon.

          Ich halte diese Kritik an der EZB für grundlegend verfehlt. Sie entspricht dem Verhaltensmuster, dass der Übermittler der schlechten Nachricht an den Galgen gehängt wird. Eine tiefergehende Erforschung der Ursachen der Nullzinsen ist erforderlich. Mit ihr versteht man, dass diese „schlechte Nachricht“ nur die Kehrseite einer Medaille ist, auf deren Vorderseite eine sehr gute Nachricht zu lesen ist: Weltweit gibt es Fortschritt! Aufgrund dieses Fortschritts leben die Menschen immer länger. Zugleich bewirkt der Fortschritt, dass die Maschinen und Gebäude immer schneller veralten. So nimmt wegen der steigenden Lebenserwartung das private Angebot an Kapital schneller zu als das Sozialprodukt. Aber die Nachfrage nach Realkapital kann allenfalls proportional zum Sozialprodukt mithalten.

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