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#IchbinHanna : Gute Bildung kostet Geld

  • -Aktualisiert am

Wurde bereits mit 31 Jahren Professor: Jens Südekum. Er unterrichtet VWL in Düsseldorf. Bild: Jana Mai

Wenn das deutsche Wissenschaftssystem international mitspielen will, brauchen wir für den promovierten Nachwuchs bessere und planbare Karrierewege. Das kostet Geld – aber es wäre gut investiert. Ein Gastbeitrag.

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          Dieser kommunikative Schuss des Bundesforschungsministeriums ging komplett nach hinten los. Das Team von Ministerin Anja Karliczek hatte ein kurzes Erklärvideo über das Wissenschaftszeitvertragsgesetz – kurz: WissZeitVG – ins Netz gestellt. Dort wird verteidigt, dass es für das wissenschaftliche Personal an den Universitäten unterhalb der Professur in aller Regel nur befristete Arbeitsverhältnisse gibt. Bis zur Promotion sollen es höchstens 6 Jahre sein. Wer danach die akademische Karriere als Post-Doc oder Juniorprofessor fortsetzt, hat noch einmal maximal 6 Jahre zur Verfügung. Spätestens dann muss man eine Lebenszeitprofessur erreicht haben – oder eben gehen. Ein weiterer Anschlussvertrag ist nach 12 Jahren ausgeschlossen. Das sorge dafür, dass es immer genug Fluktuation gebe. Oder im Duktus des Videos: dass ältere Mitarbeiter nicht die Stellen für den Nachwuchs „verstopfen“.

          Was für ein entsetzliches Bild! Das WissZeitVG als Abführmittel, das Menschen aus der Universität ausschwemmt, die es nicht rechtzeitig durch den engen Flaschenhals geschafft haben. Denn die begehrten Professuren gibt es nicht wie Sand am Meer und die Berufungsverfahren ziehen sich oft Jahre hin. Und so kommt es, dass sich Hunderte Betroffene zu Wort melden und dem Ministerium blanken Zynismus vorwerfen. Sie versammeln sich in den sozialen Medien unter dem Hashtag #IchbinHanna, einer fiktiven Nachwuchswissenschaftlerin, die stellvertretend gerade im Hamsterrad des akademischen Prekariats rennt. Sie hält an der Uni den Laden in Forschung und Lehre am Laufen, bringt das irgendwie mit der eigenen Weiterqualifikation unter einen Hut und hat dabei stets das Damoklesschwert namens WissZeitVG über sich hängen.

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